„Das Elend hört nicht einfach auf“ – Ärzte ohne Grenzen in Somalia

Die privat finanzierte Organisation Ärzte ohne Grenzen kämpft mit aller Kraft gegen den Hunger und Bürgerkrieg in Somalia. Auch aus der Region Trier sind Helfer am Horn Afrikas.

Foto: Ärzte ohne Grenzen

Der Aufwand, der sich gegen den Hunger stemmt, ist enorm. 1.400 somalische Mitarbeiter, über 100 Helfer aus Nairobi und fast 100 freiwillige Mitarbeiter aus allen Teilen der Welt arbeiten Tag und Nacht am Horn Afrikas, um das Leiden der Menschen dort zu lindern. Alle Aktionen werden ausschließlich von privaten Spendern getragen. Auch aus der Großregion Trier befinden sich zur Zeit ein Mann und eine Frau in Somalia und kämpfen einen fast aussichtslosen Kampf gegen Hunger und Gewalt.

Aufgrund der instabilen Lage und der Gefahr, die auch für die Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen in Somalia herrscht, gibt die Organisation zur Zeit keine genauen Daten über den Standort und Beschäftigung einzelner Person frei. Ärzte ohne Grenzen versicherte aber, dass alle Helfer wohlauf seien und phantastische Arbeit leisten.

Schlimmste Dürre seit zehn Jahren

Die Situation ist so schlimm wie noch nie zuvor. Jeden Tag versuchen mehr als 2.000 Menschen aus Somalia zu fliehen und die relative Sicherheit von Kenia und Äthiopien zu erreichen. Aber das ist nicht alles, im Prinzip ist das ganze Land auf der Flucht. Ernteausfälle, ständige gewalttätige Übergriffe und die schlimmste Dürre seit zehn Jahren treibt die verzweifelten Somalier auf die Straße, in der Hoffnung Nahrung und medizinische Hilfe zu finden. Menschen aus aller Welt versuchen die Situation in den Griff zu bekommen, aber vor allem der im Land tobende Bürgerkrieg macht es nicht einfach, den Opfern dringend benötigte Hilfe zukommen zu lassen.

„Vertreibung ist für die Somalier nichts neues“, erklärte Joe Belliveau, Programmleiter von Ärzte ohne Grenzen, „In den vergangenen Jahren sind Hunderttausende vor der Gewalt in Mogadischu und anderswo geflohen. Neu ist, dass die Menschen nun aus ländlichen Gebieten fliehen, einfach weil sie nichts mehr zu essen haben.“

Mehr Hilfe, weniger Behinderungen

Foto: Ärzte ohne Grenzen

„In vielen Teilen Somalias erleben wir die schlimmste Situation der vergangenen zehn Jahre“, so Belliveau, „Die gängigen Bewältigungsstrategien der Menschen sind erschöpft, viele sind an ihre Grenzen gekommen. Wir sind darauf vorbereitet, unsere Hilfe auszuweiten, aber dafür müssen gewisse Einschränkungen aufgehoben werden. Sobald Ärzte ohne Grenzen die Genehmigung erhält, internationale Experten zu entsenden, die gemeinsam mit unseren mehr als 1.000 somalischen Angestellten arbeiten können, und wir die Erlaubnis bekommen, Hilfsgüter, Zusatznahrung und Medikamente in das Land einzufliegen, können wir die Hilfe aufstocken.“

Diese Hilfe kommt wie leider so häufig nur stockend dort an, wo sie gebraucht wird.

„Vor allem Mütter und Kleinkinder flüchten nun in die Nachbarländer Kenia und Äthiopien, um dort Hilfe zu finden. Die dortigen Flüchtlingslager sind bereits überlaufen, die Registrierung der Flüchtlinge durch die UNO geht viel zu langsam voran. Eine Registrierung ist aber die Voraussetzung dafür, um Lebensmittel zu erhalten“, erklärte der Ärzte ohne Grenzen Vorstandsvorsitzende Tankred Stöbe in einem Interview mit dem deutschen Ärzteblatt.

Gefragt ist also in erster Linie die Politik, denn ohne stabile Verhältnisse können die Hilfsorganisationen kaum effektiv agieren.

„Das Land bräuchte rechtsstaatliche Strukturen und müsste Sicherheit für seine Bürger und auch für internationale Helfer gewährleisten. Doch ohne internationalen politischen Druck wird sich dort nichts tun. Leider macht die internationale Gemeinschaft aber weiter einen Bogen um Somalia“, so Stöbe weiter.

Jeder kann, jeder sollte

Auch die Medien halten sich mit der Berichterstattung wesentlich deutlicher zurück, als sie es zum Beispiel bei der Flutkatastrophe in Japan oder dem Amoklauf in Norwegen getan haben. Lediglich während des Sommerlochs konnte man fast täglich vom Elend der Somalier lesen.

Zwar ist die Medienpräsenz der Katastrophe in den letzten Wochen etwas besser geworden, aber keinesfalls den Ausmaßen der Katastrophe angemessen. Durch die fehlende Berichterstattung baut sich kein öffentlicher Druck auf und die Regierungen sehen sich nicht gezwungen zu handeln.

„Jeder kann helfen, jeder sollte helfen. Egal wie wenig, egal wie kurz, alles hilft. Eine Spende von nur zehn Euro kann einem Kind das Leben retten. Ein Post im Internet, die Teilnahme an einer Kundgebung, alles was hilft, die Bevölkerung wachzurütteln ist sinnvoll. Nur weil wir jetzt wieder Fußball gucken können und zur Arbeit müssen, hört das Elend nicht einfach auf“, erklärte ein Spendenhelfer der UNICEF und traf den Nagel damit auf den Kopf.

Wer die Organisation Ärzte ohne Grenzen unterstützen möchte, der findet auf der Spendenseite alle nötigen Daten.

 

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Kommentare (1)

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  1. Bine sagt:

    Es ist einfach schrecklich, was da unten passiert. Schön, dass ihr auch außerhalb des Sommerlochs darüber berichtet. Ich hab schon gespendet, ich hoffe, andere fühlen sich vielleicht auch inspiriert.

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