20 Jahre SCHMIT-Z e.V. – Ein Ort der Vielfalt

Ein Vereinsportrait

Von Monika Pradelok (Text und Fotos)

Ob homo-, bi-, hetero-, trans- oder intersexuell. Interessiert, einfach neugierig oder unsicher – jeder ist willkommen im SCHMIT-Z, dem schwul-lesbischen Zentrum Trier. Der Verein ist seit 20 Jahren eine offene Begegnungsstätte, die zum Kennenlernen und Austauschen einlädt. 5vier.de traf sich mit Sozialpädagoge und Geschäftsführer Alex Rollinger (51) zum Gespräch.

SCHMITZ - Aussen

Die Anfänge des SCHMIT-Z

Das SCHMIT-Z ist ein gemeinnütziger Verein, der am 19. August 1993 zunächst als „Schwule Männerinitiative Trier Zentrum“ (kurz: SCHMIT-Z) gegründet wurde. „Anfang der 90er Jahre gab es eine kleine Schwulen-Szene, die sich vorwiegend in Kneipen traf“, erinnert sich Alex zurück. „Darüber hinaus gab es ein bis zwei nicht-kommerzielle Gruppen, deren Mitglieder ihr Coming-out geschafft hatten und nach Außen hin offen leben wollten.“

Geschäftsführer Alex Rollinger

Geschäftsführer Alex Rollinger im SCHMIT-Z Café

Bei diesen beiden Gruppen handelte es sich um die HUK (Homosexuelle und Kirche) und das Schwulen-Referat des AStA. Als Alex damals von Luxemburg nach Trier umzog, war für ihn klar, dass er sich in einer der Gruppen engagieren wollte. „Wir waren irgendwie immer nur zu Gast, da wir keine eigenen Räume hatten“, merkt er an. Deshalb kam die Überlegung auf, dass man ein Zentrum eröffnen sollte, wo man sich treffen und austauschen kann – in der Maximinstraße 11.

Bis Juli 1995 war das SCHMIT-Z dort, bis ein Umzug in die Mustorstraße anstand, wo es seit jeher seinen Sitz hat.

 

„Die Frauen kamen erst später“

Als sich das Frauenzentrum in Trier mit seinem Beratungsteam für Lesben auflöste, wurde überlegt, die Männerinitiative um eine weitere Gruppe zu ergänzen und lesbischen Frauen weiterhin einen Anlaufpunkt zu bieten. Mit einem Beschluss aus dem Jahre 2005 versteht sich der Verein mittlerweile als Dachverband für Trierer Lesben- und Schwulengruppen. Zudem werden seit 2006 Transgender-Treffen angeboten.

[Anm. der Redaktion: Der Begriff Transgender ist eine Bezeichnung für Menschen, die sich in verschiedenen Maßen nicht dem ihnen zugewiesenen sozialen Geschlecht zugehörig fühlen.]

Ein Ort der Vielfalt

„Wir haben uns am Anfang erst um uns gekümmert, da es personell nicht möglich war, ein breites Beratungsangebot anzubieten.“ Über die Jahre hinweg erfolgte peu á peu ein Wandel, der zu einer breiten Palette an Beratungsangeboten und Veranstaltungen führte. Und das, obwohl der Verein keine institutionelle öffentliche Förderung erfährt. Die Einnahmen des SCHMIT-Z erfolgen lediglich durch Veranstaltungen (wie der Theatergruppe SCHMIT-Z-Family), Mitgliedsbeiträge, Spenden und projektgebundenen Zuschüssen.

Das hat die Mitarbeiter und Ehrenamtlichen allerdings nie davon abgehalten, ihren „Kampf“ für mehr Akzeptanz und Gleichberechtigung fortzusetzen. Mit einem vielfältigen Repertoire an Aktivitäten, bei denen zugehört, beraten, aufgeklärt und zusammen gelacht wird, ist der Verein ein Zufluchtsort für all diejenigen, die Fragen oder Sorgen haben.

So gibt es bei der Beratungs- und Aufklärungsarbeit unter anderem die Möglichkeit von Einzel- bzw. Gruppensitzungen, die Unterstützung beim Coming-out, aber auch bei Einsamkeit bieten. Wer sich auf eigene Faust informieren möchte, hat in der Bibliothek des SCHMIT-Z die Chance, sich Bücher rund um das Thema Homo- sowie Transsexualität auszuleihen. Filme finden sich ebenfalls im Sortiment.

SCHMIT-Z Bibliothek

SCHMIT-Z Bibliothek

Bei der Aufklärungsarbeit ist vor allem das Projekt SchLAu hervorzuheben, das für „schwullesbische Aufklärung in Schulen“ steht. Hierbei handelt es sich um eine Initiative, die vom Landesministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur unterstützt wird.

Auf Anfrage von Schulen werden qualifizierte Ehrenamtliche dorthin entsandt, die mit den Kindern und Jugendlichen über Diskriminierung und Homophobie im Schulkontext sprechen. Dies soll der Förderung von Toleranz dienen und zu einer Sensibilisierung der Schüler hinsichtlich des Themas führen.

SchLAu Trier ist dabei eine Regionalgruppe von SchLAu Rheinland-Pfalz.

Für eine tolerante Gesellschaft

Egal ob Christopher Street Day (CSD), Partys, Kino- oder Theateraufführungen: der Verein leistet mit seinen Angeboten einen wertvollen Beitrag in der Trierer Region – und wird laut Alex Rollinger positiv aufgenommen. Dies liegt neben dem umfangreichen Angebot auch an der familiären Atmosphäre. Mit viel Herzlichkeit und Kompetenz wird die Öffentlichkeit an das Thema herangeführt, um mehr Akzeptanz zu schaffen.

Dass das SCHMIT-Z für jedermann seine Tore öffnet, beweist es mit seinem regelmäßigen Event „VerSCHMIT-Zt“, das jeden Freitag stattfindet und zu einem gemütlichen Abend ohne Berührungsängste einlädt. „Bei uns ist jeder willkommen. Deshalb würde ich mir wünschen, dass noch mehr Leute zu uns finden. Egal ob homo-, trans-, inter- oder heterosexuell.“

Das SCHMIT-Z feiert am Samstag, 10. August, wie jedes Jahr sein traditionelles Sommerfest. Diesmal jedoch auf dem Willy-Brandt-Platz.

Weitere Informationen könnt ihr der Homepage des SCHMIT-Z e.V. entnehmen.

Sitzecke Cafe

Mehr als nur ein Beratungszentrum

Das SCHMIT-Z verfügt sowohl über eine Mediathek, Gruppenräume sowie einige Beratungsbüros, als auch über ein eigenes Café und einen Biergarten.

Hier kann man sich zu einem gemütlichen Grillabend treffen oder im Café Snacks und Getränke zu sich nehmen.

 

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