28. Türchen: Gebunkerte Aufstiegsshirts und „Spatzenbeschiss“

Ein Adventskalender im Januar? Spinnen die bei 5vier.de denn jetzt komplett? Nicht ganz, denn kaum einem Termin fiebert der fußballbegeisterte Leser am Anfang des neuen Jahres so sehr entgegen, wie dem Ende der ungeliebten Winterpause. Am 28. Januar rollt in der Region endlich wieder der Ball. Als erste Mannschaft nimmt Regionalligist Eintracht Trier heute den Spielbetrieb auf und hofft im Heimspiel gegen Idar-Oberstein an die guten Leistungen der Hinrunde anknüpfen zu können.

Die Wartezeit ist beendet. In 28 Folgen präsentierte 5vier.de jeden Tag eine kleine Geschichte aus der verrückten Fußballwelt. Heute geht es im letzten Türchen um einige Anekdoten rund um Eintracht Trier.

Das Moselstadion und Eintracht Trier haben schon viele Geschichten geschrieben. Foto: Anna Lena Grasmück

Eintracht Trier und der Aufstiegskampf – es ist ein Thema, das mit einigen Freuden, aber auch mit viel Leid in den Herzen der Fans verbunden ist. Der Verein von der Mosel hat in seiner Geschichte von bald 107 Jahren so einige Male um Meisterschaften mitgespielt. Klappte es mit der Erfüllung der Träume, gab es an der Porta Nigra begeisternde Jubelbilder. Doch oft genug erlebte die Eintracht auf verrückte Weise die Schattenseiten des Höhenrausches, auf die der Verein 2012 möglichst verzichten möchte.

1. Ulmer „Spatzenbeschiss“

In Erinnerung geblieben ist in weniger schöner Hinsicht vor allem die Aufstiegsrunde 1993/94. Trier startete furios mit einem 3:0 bei Kickers Emden, einem 2:1 gegen den SSV Ulm 1846 und einem 1:0 gegen den FSV Frankfurt. Aber am „Grünen Tisch“ in Frankfurt am Main entschied sich das spätere Schicksal. Der Erfolg gegen Ulm wurde annulliert, weil ein Ordner den Ball kurz vor Spielende aus kurzer Distanz in den Unterleib des Gästespielers Joachim Seuferlein schoss. Der wälzte sich am Boden, blieb liegen und ließ sich vom Platz tragen. Das Ulmer Auswechselkontingent war erschöpft, der Protest beim DFB trug Früchte. Vom „Spatzenbeschiss“ schreibt die Vereinschronik zum 100. Geburtstag. Im Wiederholungsspiel im Moselstadion entlud sich dann die Wut mit Transparenten, ehe Markus Osthoff in der 93. Minute zum umjubelten 1:0-Sieg traf. Die Luft ging dennoch aus angesichts von sich aneinanderreihenden „Englischen Wochen“ – die drei Spiele in Frankfurt, Ulm und daheim gegen Emden gingen verloren, der Aufstieg war dahin.

2. Aufstiegsshirts im Keller

Rudi Thömmes (vorne im Bild) erzielte in Hoffenheim 2002 das Aufstiegstor. Nun ist der Pokalheld Co-Trainer.

2002 gelang der Eintracht der lang ersehnte Sprung in die 2. Bundesliga mit einem 2:1 in Hoffenheim. Die T-Shirts, mit denen der Erfolg gefeiert wurde, waren aber geheimnisvollerweise schon ein Jahr alt. 2001 verpasste Trier den Sprung hauchdünn durch eine 0:1-Niederlage gegen den VfB Stuttgart II. Und da nur zwei Jahre nach Eröffnung des überstandenen Insolvenzverfahrens das Geld knapp war an der Mosel, wurden die schon produzierten Aufstiegsshirts nicht leichtfertig vernichtet, womit Bayer Leverkusen wohl reichlich Erfahrung haben dürfte. Angeblich sollen sie beim damaligen Präsident Bernd Gritzmacher im Keller gelagert worden sein. Im Kraichgau wurden sie dann wieder aus den Kartons gezogen – und durften übergezogen werden.

3. Fusion auf dem Klo

Tja, die Geschichte der Eintracht ist schon turbulent. Wie der Jahreschronik zu entnehmen ist, war das 1948 bei der Fusion vom SV Westmark Trier 05 und SV Eintracht Trier 06 zum SV Eintracht Trier 05 aber gar nicht so gesichert. Erst auf der Toilette wurde in Gesprächen letzte Überzeugungsarbeit geleistet, um auch die Skeptiker von einer Zusammenführung der beiden Vereine zu überzeugen. Auf dem Klo wurden Ehrenmitgliedschaften versprochen und auf letzte Eitelkeiten eingegangen. Erst das ermöglichte die Gründung des Klubs, der gegen Idar-Oberstein wieder die Fans in seinen Bann ziehen soll.

4. Falsche Fans

Eine Panne gibt es dann aber auch in der umfangreichen Chronik zum 100. Geburtstag. Für Unmut sorgte bei den Fans ausgerechnet der Dank an die Fans („Unsere Eintracht-Fans sind die Besten“) auf Seite 108. Denn unter mehreren Bildern taucht dort ein Foto mit zunächst unverdächtig in blau-schwarz-weiß geschmückten Anhängern auf. Bei genauerem Hinsehen entpuppen die sich mit ihren Schals und Trikots als Fans des 1. FC Saarbrücken…

5. Pokal-Triumphe – und ein 50-Liter-Wurfgeschoss

Themenwechsel – was Vereinswerke von Eintracht Trier auch im Jahr 2105 wohl noch füllen wird, sind die spektakulären Pokalerfolge. Ob 1985/86, als man als Amateurmannschaft beim amtierenden DFB-Pokalsieger Bayer Uerdingen 3:0 gewann – oder 1997/98, als „König“ Rudi Thömmes die Europapokalsieger Schalke 04 und Borussia Dortmund aus dem Wettbewerb kegelte. Schalke gelang 2007 übrigens die Revanche mit einem klaren 9:0-Sieg. Das könnte aber auch an trockenen Fan-Kehlen gelegen haben. Als ein Mitarbeiter des Catering-Teams ein 50-Liter-Fass ins Stadion tragen wollte, wurde ihm von unbarmherzigen Polizisten der Weg versperrt. „Das Fass kann hier nicht rein!“ „Warum?“, fragte der erschöpfte Mitarbeiter. „Das ist ein Wurfgeschoss.“

6. Hipp, Hipp, Hurra

In der Halbzeit sang damals übrigens die „Leiendecker Bloas“, der auch die gefühlvolle Eintracht-Hymne zum Besten gab.

Ein Beleg, wie sich auch das Musikgeschäft in den letzten 80 Jahren entwickelt hat, findet sich erneut in der Vereinschronik, wo das Vereinslied der 05er von 1930 abgedruckt ist. Dort findet sich neben ganz illustren Kreuzreimen („Winkt uns der Kampf um Ehr und Preis / Die erste Elf tritt an / Wir greifen kühn nach Sieg und Reis“) das doch klare Bekenntnis zum Verein, das damals sprachlich ohne große Schnörkel ausgedrückt wurde. „Wir sind die SVT 05er / Hipp, Hipp, Hurra – Hipp, Hipp, Hurra.“

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