„Die Eisenbeißer“ von Carl von Lieser

Ein Mosel-Kanaren-Krimi. 5vier.de hat ihn gelesen...

Carl von Lieser ist routinierter Moselkrimi-Autor. Das merkt man schon daran, dass mit „Die Eisenbeißer“ bereits das elfte Buch dieses Genres vorliegt. Diesmal wagt er sich über die Grenzen Triers hinaus – auf die Kanareninsel La Palma. 

Eisenbeißer

„Die Eisenbeißer“ (Foto: 5vier.de)

Die Geschichte beginnt mit einem folgenschweren Entschluss. Wie folgenschwer, kann zu diesem Zeitpunkt nicht einmal der Protagonist erahnen.

Markus Götten, 52 und langjähriger Trierer Autor, ist am Ende. Seit nunmehr drei Jahren gelingt es ihm nicht, seinen neuesten Roman an einen Verlag zu bringen. Insgesamt sind das fünf Jahre ohne Veröffentlichung – was das bedeutet, sieht Markus regelmäßig an seinen immer weiter dahinschmelzenden Honoraren. „Lebenskrise“ nennt es der erfolglose Schriftsteller, den finanzielle Sorgen ebenso drücken wie Krankheiten und der drohende psychische Kollaps. Sein Plan: „ein Befreiungsschlag“.

Dass das nicht gut gehen kann, ahnt der aufmerksame Leser, Zeuge von Markus‘ Gedankengängen, spätestens, als er erfährt, dass dessen Frau Gloria – gleichzeitig diejenige, die der drohenden finanziellen Katastrophe durch Jobs Herr zu werden versuchte – nichts von seinen Plänen weiß. Und ihren Mann, der im sonnigen La Palma sein neues Leben plant, in ihrer Verzweiflung als vermisst meldet.

Schrott sammeln unter der Kanarensonne

Göttens Plan erscheint schlicht: Schrottsammeln auf La Palma, Schiffstransport nach Luxemburg. Mehr als füntausend Tonnen sollen dabei zusammenkommen und zu Barem gemacht werden. Ein Vertrag mit dem Trierer Schrotthändler Scharfbillig, der sich um Verschiffung und Verkauf kümmern soll, und ein einheimischer Partner sollen ihm dabei helfen. Letzterer ist Mario Mendez, ehemaliger Spieler bei Eintracht Trier, jetzt selbständiger Immobilienmakler und ebenso wie Markus Götten nicht mehr vom Erfolg gesegnet.

Zunächst sieht alles danach aus, als könnte der Plan aufgehen.

Bis Gloria von Django, dem berüchtigten Trierer Drogenboss, entführt und Markus erpresst wird. Denn mit Scharfbillig hat Götten sich dem Falschen anvertraut. Und – was der Leser und Gloria Götten bis dato nicht wussten – Markus hat eine Menge Schulden ausgerechnet bei einem der gefährlichsten Männer Triers: Django. Und der will sein Geld zurück…

Höhen, Tiefen und ein gelungener Schluss

Mit solidem Schreibstil führt Carl von Lieser durch die Handlung, die mal auf den Kanaren bei Markus, mal in Trier bei Gloria und ihrem Entführer spielt. Große Überraschungen bleiben aus – außer für Gloria und Markus.

„Die Eisenbeißer“ hat durchaus Figuren zu bieten, denen man gern durch die Geschichte folgt. Gloria gehört dazu, die tapfer und standhaft das Beste aus ihrer Situation macht, ebenso wie Mario, Verkörperung der kanarischen Lebenslust.

Markus Götten versteht man nicht immer. Zeitweise wirkt das Tun auf La Palma wie der Egotrip eines verzweifelt nach Erfolg dürstenden Menschen. Von der Sorge um seine Ehefrau, die im weit entfernten Trier gefangen gehalten wird, bekommt der Leser nur hin und wieder etwas mit. Stattdessen versucht Markus alles, um sein Schrottgeschäft am Laufen zu halten – und auch zu der einen oder anderen Vergnügung sagt er nicht Nein. Immerhin aber: Markus Götten bleibt Markus Götten. Von der ersten bis zur letzten Seite.

Wer das Buch gelesen hat, kennt zumindest in groben Zügen den Hintergrund jeder der agierenden Figuren. Und während der Protagonist keine ungeteilte Sympathie weckt, sind letztlich auch die „Bösen“ nur Menschen mit ihrer eigenen Geschichte und ihren eigenen Fehlern. Der Nachteil: die wechselnden Perspektiven machen die Handlung zeitweise voraussehbar.

Spannend wird die Verbrecherjagd auf den Kanaren zum Ende hin doch, während andererseits das in der Heimat angesiedelte Finale mit trierischem Charme unterhält. Der Schluss überzeugt.

Alles in allem ist „Die Eisenbeißer“ ein durchaus unterhaltsamer „Mosel-Kanaren-Krimi“, dessen glaubwürdiger Schluss über einige Schwächen hinwegsehen lässt.

Übrigens: Wer nach dem Lesen Lust auf mehr hat, findet abschließend den Kurzkrimi „Marthas Obsession“. Die ebenfalls auf den Kanaren und in der Region um Trier angesiedelte Geschichte erzählt von einer nicht ganz normalen Urlaubsliebe.

Weitere Infos über Carl von Lieser und seine Bücher findet ihr unter www.carlvonlieser.de.

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