5vier spielt das Brettspiel „Flash Point: Flammendes Inferno“

Unser aktueller 5vier-Brettspiel-Test

„Es brennt! Da sind noch Leute in dem Haus!“ Nur wenige Minuten nach dem Notruf erreicht Ihr den Ort des Geschehens. Ihr müsst schnell und entschlossen handeln: das Feuer breitet sich immer weiter aus und Menschenleben stehen auf dem Spiel. Ihr gehört zur Feuerwehr – das ist Euer Job!

Von den Flammen eingeschlossen: Dieser Feuerwehrmann und zwei Verletzte brauchen dringend Hilfe. Foto: Stephan Nestel
Von den Flammen eingeschlossen: Dieser Feuerwehrmann und zwei Verletzte brauchen dringend Hilfe. Foto: Stephan Nestel

So dramatisch wie diese Beschreibung klingt geht es auch im Spiel zu, denn hier habt Ihr es mit einem wirklich gnadenlosen Gegner zu tun: Feuer. Ziel des Spieles ist es, sieben Personen aus einem brennenden Haus zu retten, bevor es einstürzt. Sieben Personen – von zehn. „Flash Point: Flammendes“ Inferno ist kein Spiel für Leute, die nicht verlieren können; das Spiel hat drei Schwierigkeitsstufen, aber auch auf der einfachsten Stufe ist die Spielmechanik so hart, dass selbst geübte Spieler scheitern können. Wer eine echte Herausforderung sucht, der ist bei diesem Spiel genau richtig. Für Einsteiger gibt es vereinfachte Regeln, aber beim Einsteigerspiel bleibt viel von der Atmosphäre auf der Strecke. Es lohnt sich, schnell auf die Vollversion umzusteigen und deshalb bespreche ich nur das Spiel mit allen Regeln.

Flashpoint Tabelle

Rettet die Menschen, bevor es zu spät ist

Bei „Flash Point“ (was zu deutsch so viel wie „Zündpunkt“ heißt) kämpft Ihr zusammen gegen einen sich ausbreitenden Wohnungsbrand. Der Spielplan ist beidseitig bedruckt und bietet zwei Wohnungen zur Auswahl, in denen sich der Einsatz abspielen kann. Vor Spielbeginn wird ausgewürfelt, auf welchen Feldern in der Wohnung die verschiedenen Spielmarker verteilt werden: Da gibt es zum Beispiel Marker für Gefahrstoffe, die zu Explosionen führen können, oder für Brandherde, die die Ausbreitung des Feuers beschleunigen. Und natürlich die Marker für das Feuer, das je nach Schwierigkeit mit Explosionen an drei oder vier Orten ausbricht. Bei einer Explosion breitet sich das Feuer schlagartig nach allen Seiten aus. Explosionen können Wände zerstören, Opfer töten und Feuerwehrleute außer Gefecht setzen. Sie sind Euer schlimmster Feind in diesem Spiel. Ganz zum Schluss werden noch Einsatzmarker ins Spiel gebracht, die die Opfer repräsentieren –  oder aber falschen Alarm.

Für Spieler die noch nicht 100% regelfest sind, ist die Zugabfolge auf praktischen Hilfekarten notiert. Foto: Stephan Nestel
Für Spieler die noch nicht 100% regelfest sind, ist die Zugabfolge auf praktischen Hilfekarten notiert. Foto: Stephan Nestel

Jedem Spieler steht pro Zug eine bestimmte Anzahl an Aktionspunkten zu Verfügung, die er für seine verschiedenen Handlungen ausgeben kann: Sich Bewegen, das Feuer bekämpfen, ein Opfer bergen, die Löschkanone des Feuerwehrwagens einsetzten…,  jede Aktion kostet Punkte. Wie viele Punkte ein Spieler zur Verfügung hat und wie er sie einsetzen kann, hängt davon ab, welche Rolle im Team er übernimmt. Euer Löschtrupp besteht aus Spezialisten mit unterschiedlichen Fähigkeiten – und nur wenn Ihr diese Fähigkeiten geschickt nutzt könnt Ihr gewinnen.
Der Sanitäter kann zum Beispiel Opfer behandeln, für deren Bergung dann weniger Aktionspunkte ausgegeben werden müssen – dafür zahlt er aber mehr, wenn er das Feuer bekämpfen will. Wehe dem Sanitäter, der von den Flammen eingeschlossen wird. Der Experte mit schwerem Löschgerät hat Extrapunkte zum Löschen – dafür aber weniger Punkte für alle anderen Aktionen. Insgesamt gibt es acht verschiedene Experten und allein die verschiedenen Kombinationsmöglichkeiten sorgen für viel Abwechslung bei den Partien.

Das Feuer kennt keine Gnade

Game Over: Wenn zu viele schwarze Schadensmarker ins Spiel kommen bevor 7 Opfer gerettet sind, ist das Spiel verloren. Foto: Stephan Nestel
Game Over: Wenn zu viele schwarze Schadensmarker ins Spiel kommen bevor 7 Opfer gerettet sind, ist das Spiel verloren. Foto: Stephan Nestel

Wenn der erste Spieler nach dem Spielaufbau seinen Zug gemacht hat, beginnt das Feuer um sich zu greifen. Nach jedem Spielzug wird gewürfelt, welche Felder vom Brand betroffen werden. Die Regeln für die Ausbreitung des Feuers sind dabei unglaublich realistisch, das Feuer wütet umso stärker, je länger das Spiel dauert: Am Anfang breitet sich mit etwas Glück nur Rauch in der Wohnung aus. Wenn aber Rauch auf Feuer trifft, entzündet er sich und von einem Zug auf den anderen steht der eben noch nur verrauchte Flur in hellen Flammen. Trifft gar Feuer auf Feuer, dann kommt es zur Explosion. Für die Spieler ergibt das eine Situation, die schnell eskaliert und ständig neue Entscheidungen fordert – einschließlich der Entscheidung, welche Opfer nicht mehr gerettet werden können, weil sie von den Flammen eingeschlossen sind…

Fazit: „Flash Point: Flammendes Inferno“ ist ein auf ganzer Linie gelungenes Spiel: ein schneller Spielfluss, kurze Wartezeiten für die einzelnen Spieler und schwierige Entscheidungen sorgen für jede Menge Spannung. Darüber hinaus überzeugt das Spiel aber noch mit zwei besonderen Eigenschaften:
Zum einen ist „Flash Point“ absolut gewaltfrei. Der Gegner ist kein Lebewesen, sondern eine Naturgewalt. So können sich auch überzeugte Pazifisten guten Gewissens rückhaltlos in den Kampf stürzen.
Zum anderen ist das Spiel pädagogisch wertvoll, und das ganz ohne erhobenen Zeigefinger. Die Spielregeln sind nach dem Verhalten von echten Bränden modelliert und das Regelheft erklärt auch, warum sich das Feuer so ausbreitet, wie es beschrieben wird. Wer sich erst einmal am Spieltisch durch ein paar Flammenhöllen gekämpft hat, hat einen ganz neuen Respekt vor Feuer.
Der einzige Kritikpunkt an der deutschen Version sind manchmal etwas holprige Übersetzungen in den Spielregeln. Dem Verständnis tut das aber keinen Abbruch und fällt für den Spielspaß nicht ins Gewicht.

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