5vier.de spielt das Brettspiel „Ghost Stories“

Wu-Feng – so heißt der Herr der Hölle, dessen Asche in einem kleinen, chinesischen Dorf vergraben liegt. Vor langer Zeit wurde seiner Schreckensherrschaft Einhalt geboten – aber leider war der Tod nicht sein Ende. Wu-Feng plant in der Unterwelt seine Rückkehr und jetzt, nachdem er das Versteck seiner Asche gefunden hat, beginnt die alles entscheidende Schlacht. Auf der einen Seite die Diener des Höllenfürsten, auf der anderen Seite: Ihr, vier tapfere, taoistische Mönche.

Ihr Artwork lehrt einen das Gruseln: Die Gegner bei Ghost Stories. Foto: Stephan Nestel
Ihr Artwork lehrt einen das Gruseln: Die Gegner bei Ghost Stories. Foto: Stephan Nestel

Stimmung wird bei „Ghost Stories“ ganz groß geschrieben. Nicht nur wegen der Hintergrundgeschichte, sondern vor allem auch wegen des phantastischen Spieldesigns. Alles an diesem Spiel ist mit viel Sorgfalt gestaltet worden und man bekommt richtig Lust, bei Kerzenschein und mit einer Tasse Tee aus dem Chinaladen zu spielen. Dann kommt die exotisch-gruselige Atmosphäre von „Ghost Stories“ so richtig gut zur Geltung. Aber es macht auch schon Spaß, sich nur das Artwork anzusehen.

Ghost Stories
Ghost Stories

Der Kampf zwischen Euch und den Mächten des Bösen wird in einem Dorf ausgetragen, in dem es neun verschiedene Bezirke gibt. Jeder Dorfbezirk hat eine besondere Eigenschaft, die sich die Einwohner des Dorfes zunutze machen können, und wird durch eine eigene Tafel dargestellt. Aus diesen Dorftafeln wird, zusammen mit den vier Spieltafeln, das Spielfeld aufgebaut. Die Spieltafeln, jeweils eine pro Verteidiger, werden an die vier Seiten des Dorfes angelegt. Von hier aus greifen die Geister an.

Die Schlacht tobt und die ersten Geister spuken bereits in den Straßen des Dorfes. Foto: Stephan Nestel
Die Schlacht tobt und die ersten Geister spuken bereits in den Straßen des Dorfes. Foto: Stephan Nestel

Die Schlacht beginnt

Immer wenn ein Spieler an der Reihe ist, zieht er die oberste Karte vom Geisterstapel und legt sie auf die Spieltafel der passenden Farbe. Damit beginnt der Ärger: viele Geister begnügen sich nicht damit, einfach ins Spiel zu kommen. Nein, sie bringen nochmal einen Gegner mit, stehlen Würfel oder machen Euch auf andere Weise das Leben schwer. Was genau jeder Geist bei seinem Erscheinen macht, das ist links unten auf der Geisterkarte vermerkt. Wenn die neue Karte im Spiel ist, greifen die Geister auf den Spieltafeln an, auf deren Karte unten in der Mitte ein Angriff vermerkt ist. Meistens verfluchen sie Euch, oder sie beginnen damit, Richtung Dorf vorzurücken. Das gilt es zu verhindern, denn sobald ein Geist das Dorf erreicht, beginnt er zu spuken, mit fatalen Folgen: eine der neun Dorftafeln wird umgedreht, die Bewohner des Bezirks sind geflohen, Ihr verliert die Möglichkeit die Eigenschaft dieses Bezirks für die Verteidigung zu nutzen – und vielleicht sogar das ganze Spiel: Wenn es in mehr als drei Bezirken des Dorfes spukt, dann hat Wu-Feng gewonnen.

Richtig unangenehm wird es gegen Ende, wenn der Geisterstapel fast aufgebraucht ist: dann kommt eine Inkarnation des Wu-Feng persönlich und gegen ihn sind die meisten anderen Geister Waisenknaben. Wenn Wu-Feng erst einmal im Spiel ist, habt Ihr nur noch zehn Runden um ihn zu besiegen – oder Ihr habt verloren.

Das Dorf wehrt sich

Wie lässt sich das Dorf angesichts dieses Ansturms grauenhafter Gestalten verteidigen? Eure wichtigste Waffe ist die Austreibung der Geister, mit der ihr sie wieder loswerden könnt. Dafür müsst Ihr auf einer Dorftafel neben dem Geist stehen und gegen seine Stärke würfeln. Wenn ihr mindestens soviele Punkte erwürfelt wie der Geist Stärke hat, schickt ihr ihn zurück in die Hölle. Im Laufe des Spiels lassen sich Marker in den verschiedenen Farben dazugewinnen, die Ihr im Kampf ausgeben könnt.

Glück gehabt: Der Gelbe Mönch hat die beiden Geister auf den angrenzenden Feldern besiegt. Foto: Stephan Nestel
Glück gehabt: Der Gelbe Mönch hat die beiden Geister auf den angrenzenden Feldern besiegt. Foto: Stephan Nestel

Statt eine Austreibung zu versuchen, könnt Ihr auch die Eigenschaft des Dorfbezirkes nutzen, in dem sich Eure Spielfigur gerade befindet. Damit könnt Ihr beispielsweise Geister schwächen, ihren Vormarsch auf das Dorf aufhalten oder sogar tote Verteidiger wieder zum Leben erwecken. (Ja, die Flüche der Geister können Euch umbringen…) Außerdem verfügt jeder der vier Verteidiger über eine besondere Fähigkeit, mit der er seine und die Aktionen seiner Kameraden beeinflussen kann.

Ghost Stories ist nicht nur unheimlich stimmungsvoll, sondern auch unheimlich schwer. Ich habe das Spiel zum ersten Mal auf einer Messe gespielt und der Erklärbär war völlig überrascht, dass wir nach einer halben Stunde immer noch nicht verloren hatten. Er wusste aber auch nicht, dass wir ein wirklich gut aufeinander eingespieltes Team waren.

Am stimmungsvollsten ist es, wenn man zu viert spielt, aber dank Sonderregeln lässt sich Ghost Stories auch mit weniger Leuten spielen. Es gibt sogar Regeln für ein Solospiel, wenn man sich alleine gegen Wu-Feng und seine Horden stellen will. Diese Variante halte ich persönlich allerdings eher für ein Kuriosum. Gerade weil Ghost Stories alles andere als leicht ist, macht für mich die Interaktion mit den Mitspielern einen wichtigen Teil des Spielspaßes aus.

Fazit

Ghost Stories ist ein wunderschön gestaltetes und stimmungsvolles Spiel, bei dem die Autoren dafür gesorgt haben, dass der Spielaufbau jedes Mal anders ist. Das sorgt zusammen mit der Schwierigkeit für den hohen Wiederspielwert. Dank des gut gegliederten Regelhefts und der verschiedenen Übersichtsblätter können sich auch Gelegenheitsspieler einigermaßen schnell in den Regeln zurechtfinden. Trotzdem ist Ghost Stories eher ein Spiel für Vielspieler, einfach deshalb, weil es sehr schwer zu gewinnen ist. Wer nur selten spielt, oder wer eine Niederlage nicht als Herausforderung für die nächste Partie sieht, der läuft Gefahr, gefrustet zu werden.

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