5vier.de spielt im Garten: „Kubb“

Die Urlaubszeit ist langsam vorbei und alles kehrt nach Hause zurück und die Hoffnung auf einen schönen Spätsommer wollen wir trotz des etwas ungemütlichen Augusts nicht aufgeben. Deshalb stelle ich „Kubb“ vor – ein Gesellschaftsspiel für Garten, Park oder sonstige Außenflächen. Und wenn der Spätsommer noch etwas auf sich warten lässt, dann kann man sich die Zeit mit dem Bau seines eigenen Spiels vertreiben.

So sieht ein komplett selbstgebautes Kubb-Spiel samt Picknick-Tasche aus. Foto: Stephan Nestel
So sieht ein komplett selbstgebautes Kubb-Spiel samt Tasche mit Picknick-Fach aus. Foto: Stephan Nestel

Seit ein paar Jahren sieht man auch hierzulande immer öfter Leute, die mit Stöcken oder Holzklötzen nach anderen Holzklötzen werfen, sich dabei unterhalten und anscheinend eine Menge Spaß haben. Das Spiel, dem sie frönen, kommt aus Schweden und hat viele Namen: Schwedenschach, Wikingerschach, Bauernkegeln… der offizielle Name ist aber ganz einfach „Kubb“, das schwedische Wort für „Holzklotz“.

Ein historisches Spiel?

Kubb ist ein Mannschaftsspiel, bei dem es darum geht, als erstes die gegnerischen Truppen auszuschalten und den König zu stürzen. Dass es beide Mannschaften auf den selben König abgesehen haben, spricht dabei nicht gerade für Ihre Majestät… Ob das einen Grund hat?

Der Legende nach wurde das Spiel schon im Mittelalter von den Wikingern gespielt, wenn sie nicht gerade damit beschäftigt waren, andere Länder zu überfallen. Auf der schwedischen Insel Gotland habe es die Zeit überdauert, bis zu seiner Wiederentdeckung in den neunziger Jahren. Soweit die Legende – denn es gibt keinerlei Belege dafür, dass Kubb wirklich schon zur Zeit der Wikinger gespielt wurde, geschweige denn, dass es eine Anspielung auf irgendeine blutige Hofintrige ist.

Alle auf den König

Ein Kubb-Set besteht aus einem großen Holzklotz (dem „König“), 10 kleinen Holzklötzen (den „Soldaten“), sechs Wurfhölzern und vier Eckstäben. Verbindliche Regeln über die Größe der Holzklötze gibt es nicht, es sei denn, man möchte nach den Regeln für eine Meisterschaft spielen. Wer einfach nur seinen Spaß haben will, der richtet sich eher danach, wie handlich oder unhandlich das Spiel sein soll.

Beliebter Fehler: Vor lauter Konzentration wird übersehen, dass man ja von den Feldkubbs werfen darf... Foto: Stephan Nestel
Beliebter Fehler: Vor lauter Konzentration wird übersehen, dass man ja von den Feldkubbs werfen darf… Foto: Stephan Nestel

Egal für welche Größe man sich entschieden hat, der Spielaufbau ist immer gleich: Mit den Eckstäben wird ein rechteckiges Spielfeld abgesteckt, an die beiden Schmalseiten kommen je fünf „Soldaten“ und der König steht in der Mitte. Ziel jeder Mannschaft ist es, alle „Soldaten“ der Gegenseite mit den Wurfhölzern umzuwerfen und dann, als glorreiches Finale, mit einem gut gezielten Wurf den König zu stürzen. Aber Vorsicht: Wer den König zu früh umwirft, der verliert das Spiel.

Die Startlinie für die Würfe ist zu Beginn die Linie der eigenen Kubbs, aber das ändert sich recht bald. Gefällte „Soldaten“ sind nämlich nicht aus dem Spiel, sondern sie laufen zum Gegner über und verstärken seine Abwehr. Für das Spiel heißt das, sie werden ins gegnerische Feld geworfen und dort aufgestellt, wo sie gelandet sind. Diese „Feldkubbs“ müssen dann als erstes umgeworfen werden, bevor man sich den Kubbs auf der gegnerischen Basislinie widmen darf. Das Gemeine daran: Wenn es nicht gelingt, alle Feldkubbs umzuwerfen, dann verschiebt sich die Wurflinie für den Gegner zu dem Kubb, der dem gegnerischen Feld am nächsten liegt. Für ein taktisches Spiel muss man sich also entscheiden, ob man die Kubbs möglichst nahe haben will – leichter zu treffen, aber mit dem Risiko, eine willkommene Hilfe für den Gegner zu werden – oder doch lieber weit nach hinten wirft. Wofür man sich auch entscheidet, bewährt hat sich auf jeden Fall die Taktik, die Feldkubbs möglichst auf einen Haufen zu werfen, damit ein Wurfholz gleich mehrere fällen kann.

Hat eine Mannschaft dafür gesorgt, dass beim Gegner kein einziger „Soldat“ mehr steht, dann darf sie versuchen, den König abzuwerfen.

Das Erbe der Wikinger

Zwei auf einen Streich - da wurden mit sicherer Hand zwei Feldkubbs gefällt. Foto: Stephan Nestel
Zwei auf einen Streich – da wurden mit sicherer Hand zwei Feldkubbs gefällt. Foto: Stephan Nestel

Ob Kubb wirklich von den Wikingern kommt sei dahingestellt, aber manchmal möchte man es schon glauben: Wenn man nämlich die Preise sieht, die bisweilen für ein fertiges Spiel verlangt werden, da kommt einem ganz automatisch der Gedanke an’s ausgeplündert werden… Schließlich handelt es sich bei dem Spielmaterial um rechteckige Holzklötze und runde Holzstäbe, die keiner aufwändigen Fertigung bedürfen. Wer sich ein Kubb-Spiel kaufen will, der sollte ein Auge auf den Preis haben – und mit dem anderen einen Blick auf Maße und Gewicht der Spielfiguren werfen.

Die andere Möglichkeit ist natürlich, sich sein eigenes, maßgeschneidertes Spiel zu bauen, beispielsweise während man auf die nächsten warmen Tage wartet. Das ist ziemlich unkompliziert, im Prinzip genügen eine Säge und Schleifpapier für die Kanten. Für die Heimwerker noch ein Tipp: Um das fertige Spiel gegen Schmutz und Nässe zu schützen ist Ölen besser als Lackieren, weil der Lack nach ein paar Treffern mit den Wurfhölzern zum Abplatzen neigt.

Fazit

Kubb ist ein gemütliches Familienspiel für draußen, bei dem es viel auf Geschicklichkeit, ein bisschen auf Taktik und fast gar nicht auf die Fitness ankommt. Es ist immer Zeit und Luft, um sich zu unterhalten oder etwas zu Naschen…. Perfekt für einen gemütlichen Nachmittag im Garten für alle, vom Enkel bis zur Oma. Einziger Wermutstropfen ist der manchmal recht hohe Preis – hier lohnt sich die Recherche vor dem Kauf. Wer lieber selbst Hand anlegt, für den eignet sich das Spiel gut als einfaches Handwerksprojekt.

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