Erwin Ludwig wenig überzeugend

AfD-Kandidat der Bundestagswahl im Studihaus der Universität

Ganz gemütlich schlendert er in das Studihaus an der Universität Trier. Heute hat das Referat für politische Bildung geladen und das bedeutet für die Kandidaten immer viele kritische Stimmen – besonders beim heutigen Gast Erwin Ludwig.

Der Kandidat, der eigentlich schon seit 25 Jahren in Berlin lebt und arbeitet, will es nun an der Mosel versuchen und bewirbt sich als Bewohner des kleinen Moseldorfes Thörnich um den Posten des Direktkandidaten im Wahlkreis 203 Trier. Die Heimat ruft.

Mit weinerlicher Stimme stimmt Ludwig, der jung und fast urban daherkommt, seine Vorstellung an. Die gut 40 Zuhörer sitzen gespannt auf Ihren Stühlen und sind vor allem aus einem Grund da: Den Diskurs mit der AFD suchen und finden!

Gleich zu Beginn stellt man sich die Frage nach dem „Warum“. Warum kandidiert ein gebildeter Mann, aus Berlin, für die AFD in Trier und lässt sich von einer Horde überwiegend alternativer Studenten vorführen.
Als junger Mensch studierte Ludwig in Trier und war sogar Hauptreferent der Jungsozialisten im AStA, gleich zwei Mal. Davon erzählt der studierte Volkswirt erstaunlich gerne. Genau wie von seiner Zeit als Mitarbeiter der FDP Bundestagfraktion.

Der bundespolitisch gut informierte Ludwig wirkt in der ersten viertel Stunde oft ängstlich, fade und kann auch persönlich kaum überzeugen.

In einer ersten Diskussionsrunde über Baunormen verliert er sich in baukulturellem Wirrwarr in Europa und prangert an, dass man auf Korsika auch einfach mal so bauen könne. Er führt an, dass die Menschen in der Europäischen Union genug vom Regelungswust hätten und führt mit den Baunormen, eine der sicherlich sinnvollsten Reglementierungen der letzten Jahre aus Brüssel, ein denkbar schlechtes Beispiel an. So kann er keinen Sinn darin sehen, dass man in einer Marktwirtschaft durch größere Auswahl auch größere Innovationskraft schafft.

Als dann noch ein Zuhörer anmerkt, dass die Arbeitsplätze in der Baubranche, die durch die europaweiten Vergaben in Deutschland entstanden sind, vor allem für die Grenzregion lebenswichtig sind, gerät Ludwig ins Stocken und bricht die Diskussion ab. Das passiert häufiger an diesem Abend und lässt erahnen, wie schwer es dem AfDler fällt, sauber und strukturiert zu argumentieren. So ist das Totschlagargument „ich sehe das halt eben so“ einer der am häufigsten genutzten Aussagen des Abends.

Schnell geht es über die Euroschiene hin zu den Flüchtlingen. Groß ist die Anspannung, als der erste Teilnehmer diese Diskussion eröffnete. Zwischenrufer lassen sich zu argwöhnischen und unqualifizierten Äußerungen hinreißen, die zeigen wie emotional die gesamte Stimmung an diesem Abend ist.

Auch hier gibt es keine wirklichen Überraschungen. Ludwig wettert gegen die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung und schafft es nicht, Aussagen seiner Parteikollegen bezüglich eines möglichen Waffengebrauches an der Grenze zu entkräften. Nachfragen wiegelt er ab, Zahlen kann er nicht belegen.
Die Nachfrage einer Studentin danach, was er bildungspolitisch gerne verändern würde, kann er nicht beantworten. Er teilt mit, dass dies nicht sein Themengebiet sei. Die Fragende zeigt sich entsetzt darüber, dass er zwar an einer Universität sprechen – jedoch keine Diskussion zur Bildung zulassen würde. Dieses Argument lässt er nicht gelten und fährt unbeirrt fort.

Den Abschluss findet der Abend mit einer Frage über die Region. Ludwig, der zuvor anhand des AfD-Programmes argumentierte, benennt hier nur ein Problem, welches Trier und ihn so wirklich bewegen würde: Das sei die Anbindung an die Region.

Der Trainer Annenmüller

Jens Annenmüller war am Abend auch mit von der Partie. Der AfD-Landtagsabgeordnete soufflierte ab und zu und war stets darauf bedacht, dass Ludwig AfD-konforme Antworten gab.

Im Anschluss an die Veranstaltung beantwortete er die Frage auf das momentan laufende Verfahren gegen Sebastian Münzenmaier in Mainz wie folgt: „Ich weiß nicht, wie viel Wunsch der Vater meines Gedankens ist, aber ich glaube nicht an eine Verurteilung. Ich habe ihn bei seiner Kandidatur unterstützt und würde ihn als Freund bezeichnen. Wenn aber die Anschuldigungen stimmen, dann ist unsere Freundschaft und sicherlich auch die Parteimitgliedschaft beendet.“

Auf unsere Frage hin, wie Ludwigs Familie sein Engagement in der AfD beurteilen würde, antwortete dieser, dass die Situation hier gespalten sei. Viele würden Bewunderung für sein politisches Engagement ausdrücken, jedoch auch sagen, dass sie ihn in seiner Funktion als Kandidaten sowie die Partei immer bekämpfen würden.

Anmerkung der Redaktion:

Sebastian Münzenmaier ist der rheinland-pfälzische AfD-Spitzenkandidat für die Bundestagswahl und muss sich sich wegen versuchten Raubes und gefährlicher Körperverletzung vor Gericht verantworten. 2012 soll er zusammen mit anderen Mitgliedern der Ultra- und Hooliganszene aus Kaiserslautern eine Gruppe Ultras aus Mainz angegriffen haben, erklärte die Staatsanwaltschaft vor dem Amtsgericht Mainz in der vergangenen Woche.

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Kommentare (1)

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  1. Peter Friedrich sagt:

    Habe gerade entsetzt festgestellt, daß die Psychologie-Professorin Filipp von der Uni Trier mit diesem AfD-Ludwig für die AfD zusammenarbeitet.

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