AIDS-Hilfe Trier: Aufklärung und Prävention seit 1985

5vier.de im Gespräch mit Bernd Geller von der AIDS-Hilfe Trier e.V.

Jedes Jahr am 1. Dezember findet der Weltaidstag statt. Doch auch darüber hinaus ist und bleibt die Thematik HIV aktuell – und das nicht nur für Betroffene. Unsere Mitarbeiterin Patricia Becker traf sich mit Bernd Geller von der AIDS-Hilfe Trier e.V. zum Gespräch.

Aids – eine Krankheit, die sich noch immer irgendwo zwischen Tabu, Randthema und harter Realität bewegt – je nachdem, aus welcher Sicht man sie betrachtet.  Ein Verein, der daran arbeitet, den Graben zwischen den unterschiedlichen Perspektiven zu verkleinern, ist die AIDS-Hilfe Trier e.V. – seit 1985 der Ansprechpartner in der Region für Menschen mit HIV.

Doch seitdem hat sich einiges verändert.

„Aufklärung und Prävention“ fasst Bernd Geller die Hauptaufgaben der AIDS-Hilfe knapp zusammen. Und führt aus, dass die Erkrankung Aids selbst inzwischen nicht mehr im Vordergrund der Arbeit stünde. Vielmehr gehe es darum, aufzuklären, zu beraten. Auch über andere sexuell übertragbare Infektionen.

Bernd Geller, AIDS-Hilfe Trier e.V. (Foto: 5vier.de)

Bernd Geller, AIDS-Hilfe Trier e.V. (Foto: 5vier.de)

Denn auch wenn die Aids-Forschung voranschreitet – die Vorurteile und Ängste sind geblieben. Nicht-Infizierte, so Geller, fürchteten sich beim Kontakt mit der AIDS-Hilfe nicht selten davor, dass falsche Rückschlüsse gezogen würden – während HIV-Positive sich noch immer darum sorgen müssten, ihre Stelle zu verlieren, den Weg auf der Karriereleiter versperrt zu sehen – oder schlichtweg ausgegrenzt zu werden. Nicht nur im Job, auch im Freundeskreis ist es für viele nicht leicht, offen mit ihrer Diagnose umzugehen. Der Weltaidstag 2013 stand so auch unter dem Motto „Positiv zusammen leben – aber sicher!“.

Ein frühzeitiger Test kann Leben retten

Seit den 80er- und 90er-Jahren habe sich dank medizinischer Fortschritte viel verbessert. Einzelnen Medikamenten, die innerhalb kurzer Zeit Resistenzen nach sich zogen, steht seit 1996/97 eine Kombinations-Therapie mit unterschiedlichen Wirkstoffen gegenüber. Das habe auch die Anzahl der einzunehmenden Pillen reduziert: von rund 30 am Tag auf ein bis zwei. Gleichzeitig sinkt die Anzahl der möglichen Nebenwirkungen erheblich.

Doch am wichtigsten: HIV ist behandelbar. Denn auch wenn die Krankheit noch immer als unheilbar gilt, erklärt Geller, müsse bei frühzeitig einsetzender Therapie und hoher Therapie-Treue „niemand mehr an AIDS sterben“. Seine zentrale Botschaft lautet daher, sich im Zweifel so früh wie möglich einem Test zu unterziehen statt sich durch Angst oder falsche Vorstellungen abhalten zu lassen. Denn „man kann noch ganz viel machen“.  Statistisch gesehen liege die Lebenserwartung eines HIV-Positiven immerhin nur etwa ein halbes Jahr unter der Nicht-Infizierter.

Gegen Ängste und Vorurteile – für ein gesundes Miteinander

Veraltete Bilder, unbegründete Ängste und falsche Vorstellungen aus den Köpfen der Menschen zu entfernen – auch das sieht die AIDS-Hilfe als eine ihrer Aufgaben. U.a. am jährlichen Weltaidstag können sich Interessierte an Infoständen in der Innenstadt beraten lassen. In Trier haben die Stände sogar ihre Stammkunden. „Die Leute kommen regelmäßig“, sagt Geller – und das auch wegen der Aids-Teddys, die es gegen eine kleine Spende gibt und die inzwischen zu regelrechten Sammlerobjekten geworden seien. Den Weltaidstag 2013 verbucht Geller zufrieden als „erfolgreich“. „Das ist ein ganz wichtiger Tag für die AIDS-Hilfe, weil unsere Botschaften dann am ehesten Gehör finden.“

Nicht zuletzt ist der Verein auch in Schulen präsent. Den Informationsstatus der Schüler/innen betrachtet Geller als sehr unterschiedlich. Zum Teil stellten die jungen Leute „sehr detaillierte Fragen“, die auf großes Hintergrundwissen hindeuteten – andere Fragen seien dieselben wie vor 20 Jahren. Doch gleich mit welchem Wissensstand die Schüler starteten, seien die Rückmeldungen nach solchen Veranstaltungen durchweg positiv.

Die AIDS-Hilfe Trier e.V. setzt sich aus haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern zusammen. Freiwillige Helfer/innen, so Geller, würden immer gesucht. Wer für die Thematik offen sei und ein wenig Kreativität besitze, sei im Präventionsteam, das sich vor allem um die Information, gerade auch in Schulen kümmert, sicherlich gut aufgehoben. Betroffenen bietet der Verein Beratung an, „vorurteilsfrei und unvoreingenommen“ wahlweise in den gemütlichen Räumlichkeiten der AIDS-Hilfe oder anonym am Telefon.

Alle Infos und Termine gibt es unter www.trier.aidshilfe.de 

Stichworte:

Kommentare (0)

Trackback URL | RSS

Antworten

Wir freuen uns über Kommentare und möchten allen Lesern die Möglichkeit geben, kritisch zu den Themen und Artikeln Stellung zu beziehen und ihre Meinung kundzutun. Wir behalten uns das Recht vor, jeden Kommentar vor Veröffentlichung redaktionell zu überprüfen und nur Kommentare freizuschalten, die sich sachlich mit dem Thema des Beitrags beschäftigen.
Spielregeln