Aktuelles: Drahtseil(bahn)akt – Die Kabinenbahn in Trier

Alle Fristen sind abgelaufen, kein Investor hat sich gefunden. Das Schicksal der Kabinenbahn an der Mosel liegt nun in den Händen der Stadt. 5vier wirft einen Blick in Vergangenheit und Zukunft.

Verlassen und runter gekommen - die Kabinenbahn in Trier, direkt an der Mosel.

Bis zu 15 Personen konnten in einer Kabine mitfahren: Als 1967 die Kabinenbahn am Trierer Moselufer eröffnet wurde, galt sie als technisch innovativ und touristisch sehr attraktiv. 53 Meter Höhenunterschied und eine Strecke von 375 Metern legten die rot und gelb lackierten Stahlgondeln zurück, und ermöglichten den Fahrgästen eine einmalige Aussicht über Stadt und Mosel. Seit einigen Jahren ist es nun still um diese einmalige Verbindung zwischen Zurlaubener Ufer und Kockelsberg geworden.

Aufstieg

Konzipiert und gebaut wurde die Kabinenbahn vom Gründer der Mosellandausstellung Otto Schwab, dessen Sohn Peter Schwab sie auch bis zu ihrer Schließung im Jahr 2000 betrieb. In den 60ern, 70ern und 80ern erfreute sich die Kabinenbahn, besonders unter den Touristen, großer Beliebtheit und war ein fester Teil des Stadtbildes. In den Touristenführern dieser Zeit ist sie direkt neben der Porta und Amphitheater als Sehenswürdigkeit aufgelistet. Über die genauen Einnahmen und Kosten der Bahn in dieser Zeit ist nur wenig bekannt. Gut frequentiert war sie allemal: Zwischen 1970 und 1980 fuhren unbestätigten Zahlen zufolge knapp 200.000 Menschen mit der Kabinenbahn.

Sie gehören zum Trierer Stadtbild - die Drahtseile der Kabinenbahn.

Bereits zu dieser Zeit kann man aber auch die ersten Schatten über den beiden Kabinenbahnstationen aufziehen sehen.

„Man hätte schon in den 80ern anfangen müssen, die Kabinenbahn zu sanieren und an den technischen Stand anzupassen“, meint Investmentexperte und Verkehrs- und Touristikgeologe Heinz Werner, „Schaut man sich das im Nachhinein an kann man sagen, da hätte schon früher etwas getan werden müssen. Wie sich die Situation aber tatsächlich zu der Zeit darstellte, lässt sich heute kaum nachvollziehen.“

Probleme

In den 90ern sanken dann die Einnahmen der Kabinenbahn immer weiter. Erst machte 1996 das Gasthaus in der Talstation dicht, 2000 folgte die Bahn selbst. Gründe dafür gibt es viele.

„Einer der Hauptgründe für die Situation der Bahn in dieser Zeit hat nichts mit der Bahn selbst, sondern mit ihrer Lage zu tun“, erklärt Werner, „In den 90ern wurde der Städte-Schnell-Tourismus immer beliebter. Das heißt: Man fährt in eine Stadt, hält mit dem Bus einmal und sieht sich an, was in Gehreichweite liegt. Die Trierer Innenstadt ist dafür ideal, die Lage der Bahn und auch der Zeitaufwand, den eine Fahrt auf den Berg mit sich bringt, passen da aber nicht mehr ins Konzept.“

Die Kabine steht noch bereit.

Zwar gab es 2004 noch einmal einen Versuch, die Bahn wieder in Gang zu bringen, aber ein tragischer Unfall, bei dem ein Arbeiter während der ersten Testfahrt ums Leben kam, zogen diesem Versuch den Boden unter den Füßen weg.

Talfahrt

Nach dem gescheiterten Wiederbelebungsversuch wurde es sehr still um die Kabinenbahn. Betreiber Peter Schwab nannte vor allem die hohen Restaurationskosten als Grund, warum er persönlich nicht mehr an der Bahn arbeite.

„Es müssen 600.000 Euro in die Technik investiert werden“, erklärte er in einem Interview im letzten Jahr. Zwar gab es immer wieder Gerüchte um interessierte Investoren, aber letzten Endes liefen nun letzte Woche alle Fristen für die Kabinenbahn still und heimlich ab.

Früher ein beliebtes Ausflugsziel, heute nur noch verlassen - die "Moselterrassen".

Am Sonntag, dem ersten Mai trat der „Heimfall“ ein, das heißt, die Bahn geht zurück an die Stadt Trier, die nun zwei Möglichkeiten hat mit der ehemaligen Attraktion zu verfahren: Sie kann entweder Peter Bauer anweisen, das Gebäude auf eigene Kosten bis Ende August abzureißen, oder die Stadt selbst investiert und belebt die Kabinenbahn neu. Zwar ging Oberbürgermeister Jensen bereits in Mainz Hausieren, um Gelder vom Land zu erhalten, aber wirklich hoffnungsvoll gibt sich niemand.

Hinzu kommt das Problem, dass ein Abriss sehr teuer wird – um die Kabel sicher zu entfernen, müssten die Straßen und Bahnstrecken am Ufer, eventuell sogar die Mosel selbst gesperrt werden. Andere Pläne sehen vor, die Stationen in Seniorenheime oder andere wirtschaftlich nutzbare Gebäude umzubauen, aber handfeste Pläne hat eigentlich niemand.

Und so bleibt die Kabinenbahn erst einmal, was sie die letzten zehn Jahren auch war: Ein Teil der Trierer Stadtgeschichte, der still und heimlich an der Mosel vor sich hin rostet.

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Kommentare (1)

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  1. Auf meiner Webseite http://www.torstendahlmann.de sind noch ein paar weitere technische und zeitliche Daten und Fotos zusammengetragen.

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