Aktuelles: EHEC – 10 Fragen und Antworten

5vier.de spricht mit dem Robert Koch Institut über das EHEC Bakterium und beantwortet die wichtigsten Fragen.

Die Flut an Information zum Thema EHEC ist überwältigend. Viele Bürger sind in ernster Sorge über die sich immer weiter ausbreitende Infektionswelle und über die immer wieder zu lesenden Schreckensmeldungen. 5vier.de geht an die Quelle der Information und stellt dem Robert Koch Institut zehn Fragen zum Thema EHEC:

 

1. Was genau ist EHEC überhaupt?

Quelle: Robert Koch Institut

EHEC ist eine Abkürzung und steht für „enterohämorrhagische Escherichia coli“. EHEC ist keine „Krankheit“, kein „Darmkeim“ und auch kein „Virus“, wie oft behauptet wird. Es handelt sich dabei um Bakterien, die bei Menschen teilweise blutigem Durchfall und in einigen Fällen das sogenannte hämolytisch-urämische Syndrom (HUS) verursachen, welches lebensbedrohliche Komplikationen auslösen kann. Eine EHEC-Infektion an sich ist nicht lebensgefährlich.

Nicht alle Bakterien des Stammes Escherichia coli sind gefährlich. Im Gegenteil. In der Regel sind E.coli harmlose Darmbakterien, die einen ganz natürlichen Teil der Darmflora darstellen. Die EHEC-Bakterien an sich sind auch nicht das Problem. Sie können jedoch Zellgifte (sog. Shigatoxine) produzieren, die dann zu den Krankheitssymptomen führen können.

 

2. Warum machen Shigatoxine krank?

Die Antwort auf diese Frage ist nicht ganz einfach. Das Innere unserer Blutgefäße ist mit einer Schicht ausgekleidet, die Endothel genannt wird. Auf den kleinen Blutgefäßen der Endothelzellen gibt es eine bestimmte Art von Rezeptoren, an die sich die Shigatoxine anhängen und mit deren Hilfe sie dann in die Endothelzellen eindringen können. Dadurch verändert sich Endothelschicht und unser Immunsystem reagiert entsprechend. Es schickt Immunzellen aus, um die veränderten und damit körperfremden Endothelzellen zu zerstören. So bilden sich unzählige viele kleine Blutgerinnsel, vor allem im Bereich der Nieren. Als Folge kommt es bei den Infizierten Menschen zum hämolytisch-urämischen Syndrom, das sich durch blutigen Durchfall äußert, und bei dem die Nieren versagen und sich die roten Blutkörperchen zersetzen können.

 

3. Wie sehen die Symptome einer EHEC-Infektion aus?

Das deutlichste Symptom einer Infektion mit EHEC-Bakterien ist bei 80% der Betroffenen wässriger, unblutiger Durchfall, der nicht selten auch mit Übelkeit, Erbrechen, stärker werdenden Bauchschmerzen und leicht erhöhter Temperatur einhergeht.

Bei etwa 10 bis 20 Prozent der Infizierten treten schwerere Symptome in Form von blutigem Durchfall, kolikartigen Bauchschmerzen und teilweise auch Fieber auf.

Nur etwa 5 bis 10 Prozent der Betroffenen mit den schweren Symptomen entwickeln im Laufe der Infektion das lebensbedrohliche HUS. Die HUS-Beschwerden treten im Schnitt fünf bis sieben Tage nach dem Ausbruch der ersten Symptome auf. Von diesem schweren Verlauf sind in erster Linie Kinder betroffen.

In der großen Mehrzahl der EHEC-Infektionen treten aber tatsächlich keinerlei Beschwerden auf und die Infektion bleibt oft vollkommen unbemerkt.

Die Inkubationszeit (der Zeitraum von einer Infektion mit EHEC-Bakterien bis zum Auftreten der ersten Symptome) vergehen meist drei bis vier Tage, in seltenen Fällen aber auch zwei bis zehn Tage.

 

4. Wie wird EHEC übertragen?

Das natürliche Reservoir der EHEC-Bakterien sind vor allem Wiederkäuer, wie Rinder, Schafe, Ziegen und Rehwild. Diese können selbst nicht an den Bakterien erkranken, sie dienen lediglich als Überträger. Auch infizierte Menschen können die Infektion übertragen.

Die Infektion mit EHEC-Bakterien findet in erster Linie durch kontaminierte Lebensmittel, vor allem durch rohes Fleisch und rohe Milch statt. Auch ungewaschenes Gemüse und Salat können zu einer Infektion mit EHEC-Bakterien führen, wenn bei der Düngung Mist von EHEC-infizierten Nutztieren zum Einsatz kommt.

Der Kontakt von Menschen, die bereits mit EHEC belastet sind kann es zu einer sogenannten Schmierinfektionen. Die kommt durch zum Beispiel beim Hand zu Hand Kontakt zu Stande, wenn sich die Infizierte Person nach dem Toilettengang nicht die Hände gewaschen hat. Durch unzureichende Handhygiene können infizierte Personen auf diesem Wege auch Lebensmittel kontaminieren und so die Bakterien weiter verbreiten.

Weitere mögliche Ansteckungsherde sind der Kontakt zu bestimmten Nutztieren und das Baden in mit EHEC-Bakterien kontaminierten Gewässern. Bei den aktuellen EHEC-Fällen in Europa geht man von mit EHEC-Bakterien verunreinigtem Gemüse als Auslöser für die Erkrankungswelle aus.

 

5. Wie lange ist man ansteckend?

Die Dauer, die EHEC-infizierte Menschen ansteckend sind, variiert sehr stark. Die Ansteckungsgefahr schwankt zwischen einigen Tagen bis zu mehreren Monaten und ist auch gegeben, wenn der Betroffene keine Symptome einer Infektion zeigt.

 

6. Wer ist besonders gefährdet?

Normalerweise sind besonders Kinder, Senioren und Personen mit geschwächtem Immunsystem von einer EHEC-Infektion betroffen. Dass bei dem aktuellen Ausbruch vor allem Erwachsene betroffen sind, ist ungewöhnlich, aber kein Einzelfall.

 

7. Wann sollte man zum Arzt gehen?

Wer an Durchfall erkrankt, braucht nicht in Panik ausbrechen und sofort glauben, dass er sich eine EHEC-Infektion zugezogen hat. Ein Arztbesuch zur Absicherung kann stattfinden, sollte aber auf jeden Fall erfolgen, wenn der Durchfall länger als drei Tage dauert oder Spuren von Blut aufweist. Kinder mit Durchfallerkrankungen sollten zur Sicherheit unverzüglich einer ärztlichen Untersuchung unterzogen werden.

 

8. Wie wird eine EHEC-Infektion behandelt?

Medikamente zur Bekämpfung von Bakterien (wie zum Beispiel Antibiotika) werden bei einer EHEC-Infektion normalerweise nicht verabreicht, da diese zu einer erhöhten Produktion der bereits erwähnten Zellgifte führen können. Dies ist nicht ungewöhnlich und keine neue Entwicklung. Komplikationen mit Antibiotika und EHEC sind schon lange bekannt. Daher werden zur Zeit in ersten Linie die Symptome behandelt, in dem vor allem Elektrolyte und Flüssigkeit zugeführt werden.

Infizierte, bei denen es zum lebensbedrohlichen HUS gekommen ist, benötigen dagegen in der Regel eine intensivmedizinische Betreuung in Form von einer Blutwäsche. Bei dieser sogenannten Plasmapherese wird das Blutplasma des Patienten durch Spenderplasma ersetzt wird und soll die toxischen EHEC-Produkte aus dem Blut filtern.

Auch scheint die Behandlung mit dem Wirkstoff Eculizumab vielversprechende Ergebnisse zu erzielen. Mit ihm wird eine spezielle Form der Immunantwort – die Aktivierung des Komplementsystems – verhindert und kann so das HUS stoppen.

 

9. Wie kann ich mich vor einer EHEC-Infektion schützen?

Quelle: Robert Koch Institut

EHEC-Bakterien werden vor allem durch kontaminiertes rohes Fleisch, rohe Milch und in diesem Falle auch durch kontaminiertes und ungewaschenes rohes Gemüse übertragen. Eine weitere Infektionsquelle sind infizierte Personen.

Es wird daher empfohlen, Gemüsesorten wie Blattsalate, Tomaten oder Gurken vor allem in Norddeutschland vorerst nicht roh zu verzehren und allgemein verstärkt auf Hygieneregeln zu achten. Um das Risiko einer EHEC-Infektion gering zu halten, sollten folgende Maßnahmen beachtet werden:

– Das Zellgift der Bakterien wird durch Erhitzen bei mindestens 70 Grad für mindestens zehn Minuten unschädlich gemacht. Alle Lebensmittel sollten dementsprechend zubereitet werden.

– Erhitzte Milch (auch ultrahocherhitzte oder pasteurisierte Milch) stellt keine Gefahr dar. Nur Rohmilch, wie man sie frisch vom Bauern bekommt, kann die Bakterien enthalten. Bis dato konnte eine solche Infektion aber nicht festgestellt werden.

– Küchenutensilien, die z.B. mit rohem Fleisch in Kontakt gekommen sind, sollten nicht für die Zubereitung von Salat oder Nachspeisen verwendet werden.

– Nach dem Kontakt mit gefährdeten Lebensmitteln sollte man sich gründlich die Hände waschen. Auch vor und nach dem Verzehr sollte man zur Seife greifen.

– Rohes Gemüse und Salat sollte vor dem Verzehr gründlich gewaschen werden.

Zur allgemeinen Vorbeugung reicht es aus, die Regeln der allgemeinen Hygiene zu beachten, sich nach jedem Toilettengang die Wände zu waschen und auch sonst einen hygienischen Umgang zu pflegen.

 

10. Ist EHEC heilbar?

Zu diesem Zeitpunkt gibt es keine direkte Therapie und Heilung, die Infektion muss (zum Teil mit medikamentöser Bekämpfungen der Symptome) ihren Verlauf gehen. Allerdings haben nun Forscher des chinesischen Beijing Genomic Institute gemeinsam mit Wissenschaftlern des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf den exakten Bakterienstamm identifiziert, der für die derzeitige Infektionswelle verantwortlich ist. Das entzifferte Erbgut des EHEC-Erregers ist ein wichtiger Schritt in Richtung einer Heilung. Mit Hilfe der genetischen Informationen können die krankmachenden Eigenschaften erkannt werden und es kann eine entsprechende Therapie entwickelt werden.

Es zeigt sich zudem aktuell ein leichter Rückgang der Neuerkrankungen, was eine Überwindung des Gipfels der Infektionswelle anzeigen könnte, wenn sich dieser Trend fortsetzt.

Nicht nur aus diesem Grund wehrt sich der Robert Koch gegen die Bezeichnung „EHEC Epedemie“. Bis dato gibt es knapp 2000 Fälle in der aktuellen EHEC-Infektionswelle und circa 50 HUS-Fälle. Insgesamt sind bis dato europaweit 16 Menschen bestätigt an den Folgen der Infektion gestorben. Gemessen an den möglichen Betroffenen, deren Zahlen in die Millionen geht, wäre es unverantwortlich von einer Epidemie zu sprechen, hieß es aus den Hallen des Institutes. (Stand 03.06.2011)

 

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Kommentare (6)

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  1. Jasmin sagt:

    Das wer lieb wenn sie mir das schicken!!!!
    hmmm da war ich heute nochmal habe meine stuhlprobe abgegeben!!!!die war auch allerdings wieder härter mir wurde noch mal blut abgenommen aber alles gut !!!! naja meine Bauchschmerzen sind immer noch da !!!!naja habe heut dann wieder pommes gegessen,und keine 20 min später musste ich auf klo!!!Wieder durchfall sehr wässrig mit mega krämpfen habe dann beim arzt angerufen da die stuhlproben erst freitag da sind !!!die sagten das hört sich nach einer darm und magen grippe an !!!der magen hat sich gerade wieder einwenig beruhigt und plötzlich wieder zu viel fett für den magen es sei kein wunder das ich wieder durchfall habe aber kein blut war diesmal dabei!!!Nun nochmal meine frage die sagten bei ehec sei mehr blut dabei also richtig blut läuft raus stimmt das???
    die sagten es ging auch darm u. Magen virus rum!!kann das sein ???und noch eine frage ist ehec heilbar??

    Und danke das ihr so schnell geschrieben habt, hoffe das macht ihr dieses mal noch mal 🙂
    ganz ganz lg

    jasmin

    Hallo Jasmin, wir haben Dir eine eMail an Deine Adresse geschickt. Gute Besserung! Die Redaktion

  2. Jasmin sagt:

    hatte gestern mega Bauchkrämpfe dann musste ich auf klo und es war wässriger durchfall mit blutspuren bin dann zum arzt gfahren hatte schmerzmittel bekommen und es wurde blut abgenommen die sagten alles gut also kein ehec ich soll noch eine stuhlprobe abgeben !!!! aber konnte bis jetzt nicht auf klo jetzt meine frage kann ich es wirklich auschließen ???da die bauchschmerzen noch da sind ??die sagten es könnten auch norovieren sein aber was ist das???

    Hallo Jasmin, leider sind wir hier keine Ärzte, daher können wir Deine Fragen nicht beantworten. Warst Du beim ärztlichen Notdienst oder bei Deinem Hausarzt? Wenn nicht solltest Du auf jeden Fall noch einmal letzterem vorbeigehen. Sobald es geht solltest Du die Stuhlprobe abgeben!

    Informationen über Noroviren findest Du hier, unter „Weiterführende Informationen“ kann man sich ein Merkblatt für Patienten herunterladen („Bürgerinformationen zur Infektion mit Noroviren“). Wir können Dir diese Informationen aber auch gerne per eMail zusenden.

    Wir wünschen Dir gute Besserung!

    Die Redaktion

  3. Randee Mccorison sagt:

    Da ich in Bremen wohne und dort die Anzahl der Infizierten und Toten an dem neuen EHEC Bakterien sehr schnell ansteigt, mache ich mir immer mehr Sorgen und bin ein wenig verängstigt. Ich bemühe mich vor den bedrohlichen Bakterien zu schonen, indem ich mir sehr oft die Hände säubere und keine rohe Kost mehr verzehre.

    (Anm. der Redaktion: Kommentar gekürzt)

  4. bam sagt:

    Dankeschön

  5. Lars Eggers sagt:

    Die bis dato verstorbenen EHEC Patienten weisen kein Schema auf (in Hinsicht auf Geschlecht oder Alter), allerdings waren die meisten bereits durch andere Erkrankungen, wie Diabetis oder Grippe vorbelastet.

  6. bam sagt:

    Vielleicht noch eine 11. Frage: Wer ist bislang gestorben? Habe einmal was von einer 81jährigen gehört. Sind es mehr Frauen oder Männer oder kein nennswerter Unterschied? Wie alt waren die Opfer? Mir kommt es wieder einmal wie bloße Panikmache vor, auch wenn es im Gegensatz zur Vogelgrippe tatsächlich Tote gibt.

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