Aktuelles: Kunst gegen Missbrauch – „Mahnender Mühlstein“ in Trier

Schon seit 2008 ist das Kunstobjekt „Mahnender Mühlstein“, welches auf den Missbrauch von Kindern aufmerksam machen soll, in ganz Deutschland unterwegs. Bis zum 12. April steht er jetzt auf dem Hauptmarkt in Trier.

Der "Mahnende Mühlstein" auf dem Hauptmarkt in Trier. Foto: 5vier.de

Ohnmacht, Hilflosigkeit und Wut – all das spürte Johannes Heibel, als er sich 1991 erstmals mit einem Fall von institutionellem Kindesmissbrauch in einer Schule konfrontiert sieht. Seitdem hat ihn dieses Thema nicht mehr losgelassen. So berät und betreut er Betroffene und deren Familien und setzt sich für verbesserten Kinder- und Jugendschutz ein.

Was ihn dabei besonders belastet, ist die Tatsache, dass auch oft vorbestrafte Täter wieder in die Kinder- und Jugendarbeit zurückkehren können. Ähnliches geschah im Herbst 2007, als im Bistum Regensburg ein einschlägig vorbestrafter Priester wieder mit Kindern in der Gemeinde arbeiten durfte. Der Mann wurde rückfällig.

Seine Frustration wusste der diplomierte Soziapädagoge jedoch in Kreativität umzuwandeln: Mit dem Verein „Initiative gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen“, dessen Vorsitzender er ist, wurde 2008 die Aktion „Mahnender Mühlstein“ ins Leben gerufen. Zusammen mit den Neunkirchener Bildhauern Bruno und Alois Harich wurde der Mühlstein entworfen und hergestellt. „Schon beim Zeichnen des Schriftentwurfes wurde mir klar, dass mich die Aussage des Bibelzitates noch erheblich beschäftigen würde“, schreibt Bruno Harich später.

Das Jugendschutzmobil der "Initiative gegen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen". Foto: 5vier.de"

Mit einem Bibelzitat Aufmerksamkeit erregen

Das Ergebnis dieser Aktion kann noch bis zum 12. April mitten auf dem Trierer Hauptmarkt angesehen werden: Ein 1,4 Tonnen schwerer und 1,40 Meter hoher Mühlstein aus Quarzit ist dort aufgestellt, eingraviert ist ein Spruch aus dem Matthäusevangelium:

„Wer aber einem von diesen kleinen, die an mich glauben, Ärgernis gibt, dem wäre es Besser, wenn ihm ein Mühlstein an den Hals gehängt und er in die Tiefe des Meeres versenkt würde“.

Dieser gewichtige Satz ist nun seit etwa vier Jahren im ganzen Bundesgebiet unterwegs, unter anderem in Regensburg und München. Und wenn es nach Johannes Heibel geht, ist seine Reise noch lange nicht vorbei.

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Kommentare (3)

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  1. B.Biertz sagt:

    Der Mahnende Mühlstein ist wichtig und sollte die ganze Wallfahrt über zu sehen sein. Religiöse Wallfahrer haben Übung in Symbolkraft, oder?
    Obschon so manch einer in alten Jahrzehnten stehengeblieben ist, als noch gemunkelt wurde, das eine bloße Berührung dieses Stofffetzens, das zudem unecht ist, zu Wundern führen kann, weiß man doch heutzutage, dass der Rock nur ein Symbol ist – also völlig unheilig.
    Der Mühlstein trägt zwar eine abgeschwächte Inschrift ( statt „Ärgernis gibt“ heißt es im Original “ Anlass zur Sünde gibt“), aber er verkörpert ja auch nur das Symbol, dass die Täter doch bitte konkret bestraft werden sollen, was „selbst Jesus“ als notwendig angesehen hatte. Dass aber ausgerechnet die Kirche sich in den Missbrauchsfällen so gar nicht an ihrem eigenen Vorbild Jesus orientieren will und nach wie vor lieber den Mantel des Vertuschens darüberzieht, das ist genau die Angriffsfläche, die diese Institution bietet. Die unerträgliche Verlogenheit, die Selbstverliebtheit und das eigene Machterhaltsinteresse wiegen so schwer, dass dieses Symbol Wahrheit werden sollte: Die Kirche sollte dort im Meer versenkt werden, wo es am tiefsten ist!
    Sie ist schon lange abgetrennt von denen, welche die Kernbotschaft ( Nächstenliebe ) Tag für Tag versuchen umzusetzen.

  2. Paul Horn sagt:

    Vielen Dank auch!

    Kindesmißbrauch ist schlimm sehr schlimm!
    Aber was wird hier als Symbol zum Aufruf für archaische Strafen genommen? Ein Mühlstein!
    Anstatt ein Symbol der Kirche zu nehmen, einen Meßbecher oder so etwas. Nein die Symbole der Täter werden nicht genommen, der Mühlstein muß herhalten, ein Gerät welches über Jahrtausende Menschen ernährt hat und zum Frieden beigetragen hat.
    Das ganze ist so unglaublich primitiv, dumm und unnötig.
    Anstatt Gesetze zu ändern und die Täter zur Verantwortung zu ziehen, wird hier mit „Aug um Aug, Zahn um Zahn“ argumentiert. Primitiv, ich dachte wir wären geistig weiter in der BRD und über Aufrufe zur Todestrafe hinweg.
    Es wird wieder mal vor der Kirche gekniffen, die siehe obiges Beispiel ohne Reue zu zeigen genau so weitermacht.
    Symbolik der Täter wird nicht verwendet, Soutane und Meßbecher bleiben in der Sakristei und unbeteiligte Dritte dürfen herhalten.
    Als gelernter Müller kann man sich da nur beleidigt fühlen, wenn das Symbol eines ganzen Berufszweigs für so eine Scheiße mißbraucht wird.
    Hier ist echt ein primitives Niveau erreicht, wiedermal sinnlose Aktionen anstatt diese Menschen die Kinder mißbrauchen für immer und ewig wegzusperren.
    Nach dem letzten Zapfenstreich und überflüssigen Ehrensolden wundert mich so langsam nichts mehr in diesem Land.

    Müllermeister

    Paul Horn

  3. Florian Eickmann sagt:

    Die Aktion befremdet mich zutiefst! Was im biblischen Kontext und aus der damaligen Zeit und Moral heraus vielleicht noch zu verstehen war – die grausame Vollstreckung der Todesstrafe für Bagatellvergehen (Ärgernis) durch Ertränken – passt weder in unsere Zeit und unser Land noch zu dem ehernen Gebot „Du sollst nicht töten!“

    Denkt man diese Kunstaktion konsequent weiter, dann wird hier unter vermeintlich religiöser Rechtfertigung durch das Bibelzitat zur Aufhebung des Art. 102 GG (Abschaffung der Todesstrafe) bzw. zur Lynchjustiz aufgerufen. Dass eine deutsche Stadt dafür ihren öffentlichen Raum zur Verfügung stellt, halte ich für absolut unpassend!

    Das hohe Gut der Freiheit der Kunst und der Meinungsäußerung und auch das der freien Religionsausübung muss m.E. dort eine Grenze haben, wo zu solch eklatanten Gesetzesverletzungen aufgerufen wird.

    Interessant wäre freilich, ob die Stadt Trier auch einer muslimisch geprägten Kunstaktion, die mit der gleichen Aussage – jedoch unter Berufung auf den Koran oder die Sunna – ggf. zu einer ähnlichen Forderung kommt, den gleichen Platz eingeräumt hätte.

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