Aktuelles: Zwischen Fukushima und Cattenom – Fakten zur Lage

Die Atomkatastrophe in Japan versetzt viele Menschen in Angst – vor allem in Reichweite eines Atomkraftwerkes. 5vier bringt Licht in den Informationsdschungel um AKWs und Atomstrom.

Die Angst geht um in Deutschland. Warum? Weil auf der anderen Seite der Welt in einem Atomkraftwerk Strahlung austritt. Wie schon 1986 wird vielen Menschen nun deutlich gewahr, dass Atomkraftwerke – nicht nur, wenn es zu einem Unglück kommt – sehr gefährlich sind. Aber wie gefährlich sind sie tatsächlich? Für die Trierer Umgebung stellt sich diese Frage besonders durch die Nähe zum französischen AKW Cattenom, das in der Vergangenheit immer wieder Anlass zu heftigen Protesten gab. Mit den Bildern der Unglücksstelle in Fukushima im Hinterkopf stellt sich doch die Frage: Was wäre wenn…?

Keine Chance auf ein solches Unglück

„Ich möchte die Sicherheitsmaßnahmen und vor allem den Umgang mit der dem AKW Cattenom entgegengebrachten Kritik nicht kommentieren“, meint Rudolf Matthias von der Atomaufsichtsbehörde in Berlin, „Es ist immer schwierig, wenn Bürger eines Landes sich von Einrichtungen eines anderen bedroht fühlen. Wir können da, außer dem regelmäßig gepflegten Kontakt, wenig tun.“

Quelle: dpa

Eines sei trotz allem sicher: Eine Katastrophe wie in Fukushima ist in unseren Breitengraden höchst unwahrscheinlich.

„Die Voraussetzungen für ein Beben dieser Stärke sind in Europa de facto gleich null“, so Matthias; „Wer ernsthaft beginnt Vorbereitungen für einen Reaktorunfall durch ein Erdbeben oder einen Tsunami zu treffen, der verkennt die Lage. Man könnte ebenso gut anfangen Bunker zu bauen, für den Fall, dass ein Asteroid Deutschland trifft. Auch wenn die Technik in einigen AKWs nicht mehr auf dem neuesten Stand ist, so besteht kein Grund zur Panik.“

Da die Verwaltung des AKW Cattenom selbst nicht zu einer Stellungnahme zu bewegen war, legte 5vier.de Herrn Matthias eine Liste an Störfällen in Cattenom vom letzten Jahr vor und bat um einen Kommentar:

  • Am 17.03.2010 greift die Schnellabschaltung des Reaktorblocks 2 nach Unregelmäßigkeiten beim Betrieb der Turbine.
  • Am 18.03.2010 fasst die Schnellabschaltung des Reaktorblocks 1 nach dem Ausfall eines Messpunktes zur Überwachung des Neutronenflusses im Reaktorkern.
  • Am 05.04.2010 wird der Reaktorblock 2 erneut abgeschaltet, nachdem es zu einem Wassereinbruch im Maschinenraum infolge fehlerhafter Wartungsarbeiten kam.

Rudolf Matthias zeigte sich nicht besorgt: „Ich weiß, dass diese Dinge sehr schlimm klingen und ich möchte nicht abstreiten, dass in Cattenom nachgebessert werden muss, aber keiner dieser Vorfälle war auch nur im geringsten gefährlich oder hätte zur Katastrophe führen können.“

Auf die Frage, ob er Atomkraft für nötig hielte, hatte der Sprecher der Atomaufsichtsbehörde eine überraschende Antwort parat.

„Atomstrom ist ein Relikt aus einer vergangenen Zeit und gehört meiner Meinung nach nicht in einen modernen Energiehaushalt. Auch die vielgerühmten ‘Verbrauchsspitzen‘ können inzwischen durch erneuerbare Energien aufgefangen werden. Das Problem ist, dass die Meiler nun mal stehen. Wie wir aussteigen, das sollte die entscheidene Frage sein, nicht ob wir aussteigen.“

Keine Gefahr für Deutschland aus Fukushima

Quelle: NTV Japan via APTN

Wie sieht es denn nun mit der eigentlichen Katastrophe in Fukushima aus?. „Selbst wenn es zum Super-GAU kommen sollte, besteht keine echte Gefahr für Deutschland: Zwischen uns und Fukushima liegen 9000 Kilometer Luftlinie und mindestens ein Kontinent. Selbst wenn die ungünstigsten Bedingungen eintreten sollten, werden die Strahlungswerte in Zentraleuropa nicht um einen bedenklichen Wert ansteigen“, erklärt Rudof Beller vom Katastrophenschutz, „Es gibt daher keinen Grund sich einen Geigerzähler zuzulegen.“ Beller ruft dazu auf, sich nicht in grundlosen Sorgen zu versenken, sondern lieber an die Opfer in Japan zu denken. „Jeder hat eine Spende übrig. Wer sich mal keine Zigaretten kauft, der kann schon fünf Euro spenden. Wichtig ist hier, sich nicht auf irgendwelche seltsamen Kaufhausaktionen zu verlassen“, warnt Beller, „Spenden Sie beim DRK oder einer anderen großen Einrichtung.“

Trierer Strom ist atomfrei

Die Politik dreht nun am Rad und überschlägt sich mit Versprechungen über Atomausstieg und Moratorium – zumindest bis der Wahlkampf vorbei ist. Glücklicherweise gibt es auch positive Beispiele von offizieller Seite – der Strom aus den Trierern Steckdosen ist nicht in die Diskussion verstrickt. Die hiesigen Haushalte brauchen kein schlechtes Gewissen zu haben. Die SWT in Trier hat den Atomausstieg nämlich schon hinter sich. Laut Angaben der Stadtwerke beziehen die Haushalte der Region seit November 2007 ihren Strom aus 100 Prozent Wasserkraft. Die Sonderverträge S-Komfort-Öko und Römerstrom werden jährlich vom TÜV geprüft und zertifiziert, damit man nicht die Katze im Sack kauft.

Auch unterstützt die SWT darüber hinaus den Ausbau der dezentralen Energieerzeugung vor Ort und viele weitere Projekte, die eine sinnvolle Energieversorgung für die Region garantieren. Interessierte können sich direkt auf der Seite der Stadtwerke Trier informieren.

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Kommentare (2)

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  1. Claas sagt:

    Hm, ich lehne mich mal ganz weit aus dem Fenster, ziehe den Kontext (sozusagen den Rest des Artikels) in Betracht und schlussfolgere, dass es um schädliche Strahlung geht. Die fiese, radioaktive welche.

    Nur so ne Vermutung.

    Aber mal zurück zum Artikel: Ich find ihn super. Mal weniger Panikmache, sondern Fakten. Bitte mehr davon.

  2. matthias sagt:

    „Weil auf der anderen Seite der Welt in einem Atomkraftwerk Strahlung austritt.“

    Erhöhte radioaktive Strahlung? Alles und jeder strahlt irgendwas…

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