Amerikaner sind peinlich, Mario Barth manchmal auch?

Wie der deutsche Comedy-Liebling in New York falsche Tatsachen aufdeckt

Das Olympiastadion in Berlin hat er schon mehrfach ausverkauft, in der Trier Arena ist er regelmäßig zu Gast. Mit amerikanischen Feiertagen hat er aber so seine Probleme und bietet so ein Paradebeispiel, wie Populismus funktioniert…

Trier / New York. In einem Live-Video aus New York deckt der deutsche Comedian Mario Barth kürzlich auf, dass die Medien in der Berichterstattung über die Nachwehen des US-Wahlkampfes gerne mal etwas übertreiben. Über Proteste, die der Wahlsieg von Donald J. Trump landesweit verursacht hat, wurde in den vergangenen Tagen international berichtet. In Los Angeles blockierten Demonstranten den berühmten und viel befahrenen Hollywood-Freeway, in Miami legten mehrere hundert Teilnehmer eine Schnellstraße lahm, in Manhattan protestierten rund 1200 Menschen friedlich gegen den frisch gewählten US-Präsidenten. Sogar Trump selbst twitterte nach anfänglicher Kritik an den Demonstrationen, dass er die Tatsache liebe, dass kleine Gruppen von Demonstranten letzte Nacht so viel Leidenschaft für ihre große Nation zeigten und dass sie alle zusammen kommen und stolz sein werden.

Mario Barth steht in seinem kürzlich veröffentlichten Live-Video vor dem Trump-Tower in New York, welches eine fast menschenleere 5th Avenue inklusive mehrerer Absperrungen zeigt und kommentiert mit einem Augenzwinkern die „tausende und abertausende“ Demonstranten, die offensichtlich nicht anwesend sind. Daraufhin stellt er die Berichterstattung der Süddeutschen und der Welt über die Anti-Trump-Proteste in Frage, da um ihn herum nur Touristen mit ihren Kameras an der Absperrung stehen. Mehr als eine Million Menschen haben das bereits angesehen und teilen das sympathische Video, dass den Eindruck verzerrter Berichterstattung zum Wahl-Ausgang erweckt.

Was nicht erwähnt wird: Die Vereinigten Staaten von Amerika feiern am 11. November den Veterans Day, der den Tag des Waffenstillstandes im Ersten Weltkrieg markiert. In New York passiert das traditionell mit der sogenannten America’s Parade, die sich durch ganz Manhattan und dabei auch durch die 5th Avenue am Trump Tower zieht. Eine Tatsache, die Mario Barth zu keinem Zeitpunkt in seinem Video vom 11. November erwähnt. Der Grund, warum die gesamte Straße am Trump Tower abgesperrt ist und in erster Linie mit Fotos schießenden Touristen gefüllt ist, hängt mit dem amerikanischen Nationalfeiertag und der dazugehörigen Parade zusammen. Im Endeffekt hat der deutsche Comedian also keine übertriebene Medienberichterstattung aufgedeckt, sondern selbst eine Vielzahl an Zuschauern mit falschen Tatsachen manipuliert. Die Frage, ob dies absichtlich oder unbewusst geschah, ist angesichts seiner Anhängerschaft auf Facebook eigentlich irrelevant, denn die reagiert in großen Teilen empört und stimmt in den populistischen Chorus gegen die „Lügenpresse“ ein. Ein Ausdruck, welcher sich wie ein roter Faden durch die Facebook-Kommentare zum Video zieht.

„Danke das du dich auf diese verlogene Propaganda hier in Deutschland nicht einlässt“, schreibt da jemand, andere sind begeistert wie „genial“ Mario Barth „die Lästermedien“ vorführt.  Die deutsche Medienlandschaft wird als „der letzte Dreck“ bezeichnet und offizielle Studien werden zitiert, nach denen „Deutschland das am stärksten zensierte Land noch vor Nordkorea und China“ sei. Nur eine Minderheit weist auf den eigentlichen Grund der Straßenabsperrung hin, geht aber in der Masse der begeisterten Barth-Fans unter. Mit der zunehmenden Verbreitung des Videos regt sich aber vermehrt Widerstand gegen die verzerrte Berichterstattung, was sich auch in den Kommentaren abzeichnet.

Nur mit einer einfachen Kamera im Selfie-Style bewaffnet, hat Mario Barth es hier geschafft, die Gunst der Bevölkerung zu gewinnen. Das bereits wenige Stunden nach der Veterans Day-Parade wieder Demonstranten auf der 5th Avenue unterwegs waren, wird nicht erwähnt und unterstreicht den Eindruck einer stark verzerrten Comedy-Berichterstattung, die von einem Großteil der Zuschauer ernst genommen wird. „Mario for Bundeskanzler“, fordert eine Zuschauerin. Die Funktionsweise des Populismus hat Deutschlands erfolgreichster Komiker schon mal verstanden, ob bewusst oder unbewusst sei mal dahingestellt.

 

 

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Kommentare (1)

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  1. Spongebob sagt:

    Danke Herr RAAB – für die tolle Berichterstattung :-)))))
    Und ACHTUNG ACHTUNG: Heute blüht wieder eine Phosphorblume
    hahahhahahahaha (Lolek & Bolek wissen auch schon Bescheid)

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