Andreas Züll: „Man schaut dich für beide Berufe erstmal blöd an“

Wer hat sich nicht schon mal gedacht: „Da könnte man ein Buch draus machen…“? Andreas Züll hat diesem Gedanken bereits mehrfach Taten folgen lassen. Auf sein Konto gehen inzwischen ein Kriminalroman sowie mehrere Lyrikbände. Der aktuelle trägt den Titel „Diotima – Liebesgedichte aus zehn Jahren“ und ist ein Überblick über die Liebe, über ihren Beginn, das Verliebtsein, das Sehnen und das Abschiednehmen. Neben dem Schreiben studiert der 26-Jährige in Trier Deutsch und Geschichte auf Lehramt. Außerdem sitzt er in seinem Heimatort für die SPD im Schul- und Kulturausschuss.

Mit 5vier.de sprach Züll über das Schreiben, Lebensrückblicke eines Mittzwanzigers und warum er zwei Berufe haben will.

5vier.de: Wie kamen Sie zum Schreiben?

Andreas Züll

Wie die Jungfrau zum Kinde und das Kinde zum Schreiben. Aufsätze habe ich schon in der Grundschule gern geschrieben, da hatte ich eine lebhafte Phantasie. Die ersten – noch sehr pubertären – Gedichte kamen in der sechsten oder siebten Klasse. Da gab es eigentlich keinen besonderen Auslöser, irgendwann waren die Verse einfach da und wollten aufgeschrieben sein. Von da an stand eigentlich fest, dass ich als Dichter mein Glück versuchen wollte – oder musste.

5vier.de: Von Anfang an Poesie? Keine Kurzgeschichten oder Aufsätze?

Ich habe eigentlich immer mehr Lyrik geschrieben, das liegt mir näher. Allerdings kamen ziemlich bald auch eine Vielzahl von Kurzgeschichten dazu, das dritte Buch war ja eine Sammlung damit, danach kam schon bald der Roman „Flügelschläge“. Allerdings fühle ich mich nach wie vor in der Poesie zuhause, was nicht heißen soll, dass es nicht neue Geschichten von mir geben wird. Ich plane ja, „Flügelschläge“ zu überarbeiten. Und die durchaus spannende Lebensgeschichte meiner Großeltern steht auch schon seit Jahren auf meiner To-write-Liste.

5vier.de: Wollen Sie nochmal einen Roman wie „Die verlorene Ehre der Lena Y“ schreiben? Oder steht sowas derzeit nicht zur Debatte?

Die „Lena Y“ sollte ja eigentlich nicht als Krimi, sondern als Liebesgeschichte verstanden werden… Allerdings war ich immer sehr darauf bedacht, mich nicht – als Autor aus der Eifel – in der Eifelkrimischiene einzuordnen. Die Kollegen dort leisten sicher eine großartige und für die Region immens wichtige Arbeit, dabei schreiben sie ohne Frage furios wie der Teufel, man denke da nur an Ralf Kramp oder meinen engen Freund Georg Miesen, die haben beide einen ganz eigenen Stil. Aber was mich betrifft, ist’s nicht meine Schublade.

5vier.de: „Diotima“ ist eine Art Zusammenfassung der letzten zehn Jahre. Kommen Sie zu einem eher positiven oder eher negativen Gesamtergebnis?

Für mein Leben oder die Gedichte?

5vier.de: Beides.

„Diotima“ zu machen lag mir sehr am Herzen, das Buch ist ja gewissermaßen eine Bilanz der letzten zehn Jahre. Gewissermaßen lässt es sich wie ein Tagebuch lesen, auch wenn die Reihenfolge der Gedichte nicht chronologisch ist. Da geht es um menschliche Regungen, Schmerz ebenso wie Freude, Verzweiflung ebenso wie Hoffnung, das geht alles Hand in Hand, Liebe eben. Allerdings würde ich nie wagen, jetzt schon von einem Gesamtergebnis zu sprechen, ich habe schließlich noch einiges vor.

5vier.de: Sie befinden sich derzeit im Rahmen Ihres Studiums in einem Schulpraktikum. Bringen Sie Ihre literarischen Erfahrungen in den Unterricht ein?

Ich denke, da gibt es sicherlich eine starke Verbindung, wenn man gewissermaßen auf beiden Seiten mit Literatur arbeitet, insofern lässt es sich gar nicht vermeiden, dass da die Grenzen fließend sind. Was ich auf jeden Fall versuche, immer mit einzubringen, ist die Leidenschaft dafür. Ob mir das immer gelingt, ist natürlich eine andere Frage.

5vier.de: Wie sind Sie auf den Lehrerberuf gekommen? Sie haben ja bereits eine kaufmännische Ausbildung hinter sich.

Da musste ich eigentlich nicht erst auf die Idee kommen, ich wollte schon früh zwei Berufe haben, den des Schriftstellers und den des Lehrers. Nachdem ich 2000 das Gymnasium abgebrochen hatte, ging das mit dem Lehrer ja nicht mehr so einfach, die Ausbildung war damals gewissermaßen ein Kind der Not. Und ein Mittel zum Zweck, denn so konnte ich später Abitur machen. Ich habe gewissermaßen den nächsten Umweg genommen.

5vier.de: Ziehen Sie einen Beruf dem anderen vor oder hält sich die Leidenschaft für beides die Waage?

Wie ich schon sagte, ich sehe da eine starke Verbindung zwischen dem einen und dem anderen Beruf. Allerdings muss ich mich erst noch darin einfinden, ein Lehrer zu werden, das ist ja noch immer recht neu für mich, während ich mich seit fast zehn Jahren als Schriftsteller sehe. Allerdings schaut man dich für beide Berufe erst einmal blöd an, wenn man dich kennenlernt. Das nimmt sich nichts.

5vier.de: Wie beeinflusst Ihre politische Arbeit das Schreiben?

Ich habe ja lange gesagt, du gehst in keine Partei, als Schriftsteller musst du unabhängig bleiben. Dass ich dann doch in die SPD eingetreten bin, hatte verschiedene Gründe, irgendwann musste ich einfach Farbe bekennen, man kann nicht nur jammern und sich dann selbst nicht einbringen, das ist scheinheilig und führt zu nichts.

5vier.de: Sie haben mal gesagt, Sie würden keine politischen Dinge mehr schreiben, es dann aber doch getan als Reaktion auf NPD-Aktionen in Ihrer Heimat. Wie stark beeinflussen Sie solche Vorkomnisse?

Sie ärgern mich nach wie vor maßlos. Nachdem „Diotima“ nun abgeschlossen ist, werde ich mich auch wieder stärker der gesellschaftskritischen Lyrik zuwenden, da liegt noch vieles im Argen, was einfach gesagt werden muss. Ob’s dann auch gelesen wird, ist leider eine andere Sache.

5vier.de bedankt sich für das Gespräch.

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