Angehört: Tindersticks – Falling Down A Mountain

Morgen sind sie im Luxemburger Atelier zu Gast: Die Indie-Helden Tindersticks. Einen Tag vorher hören wir in ihr aktuelles Album „Falling Down A Mountain“ rein.

Foto: Die Tindersticks sind mit ihren Mitstreitern morgen auf der Bühne des Ateliers zu erleben (Foto: den Atelier, Pressematerial)

Die Tindersticks gründeten sich 1992 im britischen Nottingham und umfassten Stuart Staples (Gesang), David Boulter (Keyboard), Dickon Hinchcliffe (Violine), Neil Fraser (Gitarre), Mark Cornwill (Bass) und Al McCauley (Schlagzeug). Ihrem ersten Album „Tindersticks“ (1993) ließen sie ein weiteres „Tindersticks“ (1995, auch bekannt als Second Album) folgen, um dann zwei Jahre später mit „Curtains“ (1997) das furiose Trio zu Beginn ihrer Karriere zu vollenden. Mit „Simple Pleasures“ (1999), dem tieftraurigen „Can Our Love…“ (2001) und „Waiting For The Moon“ (2003) folgten noch zwei weitere Alben, ehe es ruhig um die Briten wurde. 2008 meldeten sie sich – zum Trio geschrumpft – mit „The Hungry Saw“ zurück, im Januar diesen Jahres stand dann „Falling Down A Mountain“ (4AD/Indigo) in den Plattenregalen und Downloadshops.

Cover von Falling Down A Mountain (Tindersticks)

„Falling Down A Mountain“, das Titelstück direkt zu Beginn der Platte, schmeichelt sich vom Tamburin getragen verwegen in unsere Ohren, bis eine jazzige Trompete erschallt. „Harmony Around My Table“ ist ein verspieltes Stück, in dem ein perlendes Xylophon tragende Bedeutung gewinnt. „She Rode Me Down“ wird ein spannender Mexicana-Song mit Claps und Donnergrollen. Ein Song wie die Landschaft, die in warmen Öltönen gehüllt das Cover der Platte schmückt.

„Peanuts“, ein Duett von Tindersticks-Sänger Stuart Staples und Mary Margaret O’Hara, setzt einen spartanischen Kontrapunkt zum bisher Gehörten: ein verhuschtes Piano, hingetupft wie zaghafte Farbflecken auf einem Gemälde, darüber dann der Gesang, mit viel Raum zum Atmen und mit knappen, treffenden Lyrics: „You say you love peanuts / I don’t care that much / I know you love peanuts / And I love you / So I love peanuts too.“ Überhaupt sind es oft reduzierte Songzeilen, die Staples zu den Stücken verfasst hat. Oder, was auch oft vorkommt, es sind reine Instrumentals. „Hubbards Hill“ klingt wie aus einem Filmscore entnommen – Marke Ennio Morricone, wenn sich die Nacht über den Wilden Westen senkt. „Piano Music“ ist dann das, was der Name verspricht. Sachte erhebt sich ein Klavier aus der Stille, verstummt dann, als die Gitarre ein Arpeggio spielt, um zunächst zaghaft, dann aber immer aufbrausender zurückzukehren.

Immer wieder sind es die Background-Vocals, die sich zu Stuart Staples‘ Bariton gesellen und die dem Album das entscheidende Stück Besonderheit geben. „Black Smoke“ ist so ein Beispiel, eine vielschichtige, forsche Nummer, in der Staples‘ Mitstreiter einen schönen Kontrast zu seinem Gesang bilden. Oder das einfühlsame „Keep You Beautiful“, in dem Staples‘ Stimme gefühlvoll über einer kargen musikalischen Begleitung schwebt und an den richtigen Stellen durch kurze Background-Einwürfe gestützt wird. Ein Lied wie ein einsamer, aber in süßlicher Erinnerung schwelgender Liebender.

Falling Down A Mountain“ ist unerwartet leicht geworden und atmet eine Unbeschwertheit, die man nach den vielen traurigen Songs nicht erwartet hätte, die man von den Tindersticks schon gehört hat. Es ist unscheinbare, zurückgenommene Musik, die neblig im Kopf hängen bleibt. Die schönste Beschreibung davon las ich in Joe Tangaris Rezension auf Pitchfork – ich erlaube mir, sie hier für euch zu übersetzen: „In seinen ruhigen Momenten ist das Album eher wie die Erinnerung an einen Song als der Song selbst.“ Wie ein Flüstern, das man nur hören kann, wenn man sich vollkommen auf seine Umgebung einlässt.

Bildnachweis: Pressematerial vom Atelier, nicht in die CC-Lizenz mit inbegriffen

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