Angemerkt, aufgemerkt – die Geschichtchen rund um das Spiel SVE vs. Münster

Von Martin Köbler

Rückblende. Wir schreiben den 12. April 2008, Derby-Zeit im Trierer Moselstadion – über 6.000 Zuschauer bilden einen würdigen Rahmen für das Spitzenspiel in der Oberliga Südwest: Eintracht Trier gegen den 1. FC Saarbrücken. Die Eintracht, damals noch in blauen Trikots mit rosa Schriftzug unterwegs, verliert an diesem wolkenverhangenen Nachmittag unglücklich mit 1:3 gegen den alten Rivalen aus der saarländischen Landeshauptstadt. Andy Rakic fliegt in der 86. Minute mit einer roten Karte vom Platz. Blankes Entsetzen herrscht nach der kurz vor dem Schlusspfiff  erzielten Entscheidung der Gäste auf den altehrwürdigen Stufen an der Zurmaiener Strasse – der herausgespielte Vorsprung auf die Nichtaufstiegsplätze ist fast aufgebraucht, die Leistungen der vergangenen Wochen lassen Schlimmes vermuten: Niederlagen in Idar-Oberstein (1:2) und Neunkirchen (0:3), nur Remis gegen Rossbach (1:1) und Worms (0:0). Es wird eng. Ganz eng.
Und dann kommt der „Cut“, wie es in Hollywood auf den „Sets“ gebetsmühlenartig wiederholt wird. Mittwochs drauf, es ist der 16. April, geht es für den Tross von der Mosel ins saarländische Püttlingen zum Auswärtsspiel gegen die dort heimischen Sportfreunde aus Köllerbach. Die Eintracht spielt in weiß – und siegt mit 1:0. Der Mythos der weißen Weste ist geboren. Denn bis zum Ende der Saison sollte die Mannschaft mit der Porta Nigra auf der Brust nur noch ein Spiel verlieren – am letzten Spieltag, als der Aufstieg, das ausgegebene Saisonziel, schon erreicht war.
Und jetzt die Gegenwart. Gestern, 9. April 2010. Die Eintracht betritt zusammen mit den Gästen aus Münster das weite Rund – und über 2.100 Zuschauer sehen, dass ihre Mannschaft nicht im gewohnten blau-schwarz aufläuft, sondern in weiß. Wieder ist es eng – sehr eng. Zu eng? Tabellenvorletzter, andauernde Sieglosigkeit – daheim wie auch auswärts. Wieder ist in einem vorangegangenen Heimspiel Andy Rakic kurz vor Spielende des Feldes verwiesen worden, wieder fiel ein entscheidender Treffer für einen direkten Konkurrenten quasi mit dem Schlusspfiff. Dass die ersten 60 Minuten der gestrigen Partie mit das Beste sind, was die Mannen in Blau-Schwarz in den letzten Monaten auf das Feld zauberten, ist nicht wirklich überraschend – denn sie spielten in Weiß. Dass es letztendlich am gestrigen Abend nicht zu einem Sieg reichte, ist vielleicht ein Ruf des Schicksals. Ein Ruf, der über dem grünen Rasen hallt: „Eintracht! Spielt in Weiß! So erreicht ihr das Saisonziel! Glaubt daran!“
Und so wird „Weiß“, die Farbe der Reinheit, für den SVE vielleicht auch noch zur Farbe der Hoffnung. Wer „weiß“?

Foto: Jubel in weiß, wie vor zwei Jahren. Neue Hoffnung für die Eintracht?

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Was wurde in den letzten zwei Wochen nicht alles über unsere Fanszene geschrieben, gesprochen und berichtet. Über die Vorkommnisse nach dem Leverkusen-Spiel, die drohende Selbstzerfleischung vor dem eventuell herannahenden Kollaps. „Wenn ihr absteigt, schlagen wir euch tot!“, hallte es vom alten Sportamt hinein in das VIP-Zelt, als ein daraufhin sichtlich schockierter Reinhold Breu zweimal schlucken musste und Stadionsprecher Peter Pries kurzfristig seinen Rücktritt ankündigte, sollten sich diese Gesänge und die vorangehenden Vorkommnisse (Gästetrainer Ulf Kirsten wurde bespuckt, Pöbeleien und Angriffe auf die eigenen Spieler) auch nur noch einmal wiederholen. Die Eintracht war am Boden. Sowohl sportlich als auch fantechnisch. Wer unter den 1.550 Zuschauern beim Spiel gegen Leverkusen war, der konnte nur allzu leicht den Eindruck gewinnen, dass hier ein Absteiger spielt – unglückliche, weil unnötige Niederlagen, überflüssige Platzverweise, Ausschreitungen. Es stimmte nichts.
Und dann betritt man am gestrigen Abend das Moselstadion und fragt sich, warum die grün-schwarze Gästeschar hinten unter der riesigen Anzeigentafel in zwei Blöcke aufgeteilt sind – mit einem „Sicherheitsblock“ dazwischen. Die Preußen, vor der gestrigen Partie Tabellensechster, haben – verglichen mit der sportlichen Situation der Eintracht – mit Sicherheit eher luxuriöse Probleme. Gut, man wird wieder nicht aufsteigen – aber was ist das größere Elend? Den Aufstieg zu verpassen – oder dem Abstieg, dem elenden Moloch mit dem schrecklichen Namen „Oberliga“, in den Rachen zu schauen?
Es wirkt vor diesen Hintergründen mehr als sonderbar, dass die Münsteraner Fanszene in  der Tat zerstritten ist. Links die Ultras aus der „Curva Monasteria“, rechts die „Deviants Ultras“ – Einheit sieht anders aus. Irgendwie verrückt – irgendwie „insane“?
Vielleicht „insane“ im üblichen anglizistischen Sprachgebrauch, nicht aber auf die „Insane Ultra“ drüben auf der Gegengerade bezogen. Ein komplettes Spiel bedingungslose Anfeuerung, keine Pfiffe nach den Gegentoren und den bangen Momenten zwischen der 72. Minute (dem Ausgleichstreffer) und dem Schlusspfiff, als die Gäste dem dritten Treffer deutlich näher waren als die Eintracht. Und als dann von „Gate 7“, der Heimat der Ultras, der lang gezogene „Eintracht!“-„Trier“-Wechselgesang mit der Haupttribüne folgte, waren die Ereignisse nach dem Spiel gegen Leverkusen in weite Ferne gerückt. Nicht vergessen – aber verarbeitet. So scheint es zumindest. Vielleicht ist die so dringend benötigte „Eintracht“ – der Zusammenhalt, der in schwierigen Situationen Berge versetzen kann – gestern Abend wieder ein Stückchen näher gerückt.

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Die Eintracht hat wieder Schotter! Diese Erkenntnis dürfte vielen Zuschauern, die ihren Standardparkplatz auf dem Aschefeld hinter der Gegengeraden haben, gestern Abend geradezu ins Auge gesprungen sein – und das ohne akquirierte Sponsorengelder, Mehreinnahmen aus Pokal, stillen Beteiligungen oder sonstigen Finanzkonstrukten. Nein! Und im Gegensatz zu den Überweisungen der Gönner der Eintracht, den Mitgliedsbeiträgen, Spenden und Rundenprämien konnte der gemeine Zuschauer direkt erkennen, wo der Schotter hinfloß: nämlich auf den  über die Wintermonate immer tiefer gewordenen Schlamm auf der Einfahrt zu den eben erwähnten Parkplätzen. Das ist doch einmal eine gute Anlage, Eintracht! Jetzt fehlt nur noch die Schlammabtragung in der Ostkurve – ob auch hierfür noch Schotter übrig ist?

Das waren sie wieder – die Eindrücke aus dem Trierer Moselstadion! Bis zum nächsten Mal!

Foto: Daniel Prediger

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