Arbeitsplatz Hochschule: Traumjob oder Unsicherheitsfaktor?

175 Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte an Hochschulen befassten sich  im Rahmen der 22. Jahrestagung vom 20. bis zum 22. September mit den Arbeitsbedingungen für Frauen an Hochschulen. Präsident Prof. Dr. Peter Schwenkmezger und die Frauenbeauftragte der Uni, Dorothee Adam-Jager eröffneten am Montagabend zum zweiten Mal seit 20 Jahren im Audimax der Universität Trier die Bundeskonferenz.
Die rheinland-pfälzische Sozial- und Arbeitsministerin Malu Dreyer erklärte in ihrer Ansprache, dass die Gleichberechtigung in der wissenschaftlichen Arbeitswelt trotz einiger Fortschritte noch weit von tatsächlicher Gleichberechtigung entfernt sei. Schwenkmezger merkte an, dass sich in den letzten Jahren an der Uni Trier in diese Richtung schon einiges getan habe. Lag der Anteil der Studentinnen in Trier 1990 bei 40 Prozent, sind heute rund 60 Prozent der Studierenden weiblich. Die Quote der Professorinnen ist von vier auf 20 Prozent gestiegen. Schwenkmezger verwies auf das mit einer Auszeichnung gewürdigte Gleichstellungskonzept der Universität Trier und den projektierten Studiengang Gender-Studies. Aber auch auf die hohe Quote von befristeten Stellen und Teilzeitbeschäftigungen in der Wissenschaft sowie die oft unzureichende Bezahlung von Sekretärinnen machte er aufmerksam. Dorothee Adam-Jager setzte den Fokus auf die Beschäftigungsverhältnisse in der Wissenschaft, die gravierenden Veränderungsprozessen unterworfen seien.

Ministerin Malu Dreyer mahnt an, dass Gleichberechtigung noch lange nicht erreicht ist

„Wir sind an einem Punkt, an dem wir der Prekarisierung der Arbeitsverhältnisse entgegentreten müssen“, erhielt sie Unterstützung von Bundeskonferenz-Vorstandsmitglied Dr. Sybille Jung, die unsichere Beschäftigungsverhältnisse anprangerte. Laut Ministerin Malu Dreyer müssen Hochschulen unterschiedliche Lebensentwürfe unterstützen. „Begabte junge Frauen geben wissenschaftliche Karrieren auf, viele Professorinnen sind kinderlos“, nannte sie zwei Folgen der schwierigen Vereinbarkeit von wissenschaftlichem Beruf und Familie. Je höher die Jobs in der Hierarchie angesiedelt sind, desto weniger seien von Frauen besetzt, so Dreyer. Christina Hadulla-Kuhlmann vom Bundesbildungsministerium lieferte Zahlen: Bei den Studienabschlüssen liegen Frauen bundesweit mit 60 Prozent vorne, bei den Promotionen (40 Prozent) werden sie bereits überholt. Lediglich 23 Prozent der Habilitierten sind weiblich und in der Gruppe der W-3-Professuren (10 Prozent) sind Frauen eine Randgruppe.

Den Ursachen für dieses Phänomen ging die frühere Trierer Wissenschaftlerin Prof. Dr. Melanie Steffens, die nun an der Universität Jena lehrt, auf den Grund. Wissenschaftliche Untersuchungen von Geschlechterstereotypen haben ergeben, dass Frauen inzwischen zwar nicht mehr generell als weniger kompetent wahrgenommen werden als Männer. Allerdings werden Frauen durch ihre Sozialkompetenzen und implizite Geschlechter-Stereotype in beruflichen Entscheidungen beeinflusst und in der Karriere behindert. „Nie waren Frauen in der Bundesrepublik so gut ausgebildet und qualifiziert wie heute“, meinte Malu Dreyer zum Abschluss. Die Frage mit der sich die Delegierten der Bundeskonferenz noch bis heute beschäftigen werden, laute deshalb: „Wie gewinnt man Frauen für die Wissenschaft und hält sie in diesem Arbeitsfeld?“

Bildnachweis: Universität Trier

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