Auf zwei Rädern in Trier – ein Balanceakt

Mit dem Fahrrad in Trier unterwegs zu sein ist ein problematisches Unterfangen. 5vier.de schwingt sich aufs Rad und spricht mit dem ADFC.

Trier. Ich gestehe. Ich besitze kein Auto. Damit gehöre ich in Trier wohl zu einer echten Minderheit. Doch Halt! Mein Geständnis geht noch weiter: Ich fahre Fahrrad. Immer. Überall. Es ist mein liebstes Verkehrsmittel, da mir ein PKW zu teuer, der Bus zu voll und meine Füße zu langsam sind.

Als gebürtiges Nordlicht bin ich mit den außerordentlich gut geplanten Radverkehrswegen der Flachlandstädte verwöhnt und ging in meinem jugendliche Leichtsinn davon aus, dass alle Städte in Deutschland so gut zu beradeln wären, wie zum Beispiel Bremen, Hamburg oder Hannover. Doch dann kam ich nach Trier und erkannte: Fahrradfahrer gehören zu einer gefährdeten Art.

Radwege mit Alibifunktion

Fahrradwege sind – wenn überhaupt – nur auf kurzen Strecken vorhanden und verschwinden an den Gefahrenstellen, wo sie wirklich gebraucht würden nicht selten ohne Ankündigung. Wer schon einmal versucht hat mit dem Fahrrad aus der Roonstraße auf die Balduinstraße zu fahren, der hat die Problematik selbst – aber hoffentlich nicht am eigenen Leib – erfahren können.

Die Anzahl der Fahrradfahrer in Deutschland ist laut dem deutschen Verkehrsamt in den letzten sechs Jahren um 23% gestiegen und das Velo gewinnt immer mehr an Bedeutung als Freizeitgerät und Verkehrsmittel. Auch in Trier wird mehr in die Pedale getreten als je zuvor; wenn in den letzten Jahren die Zahlen in der Stadt auch leicht stagnierten.

Bleibt nun die Frage, ob die schlechte Lage der Trierer Pedalisten nur in meiner Phantasie existiert. Die Antwort lautet: leider nein. Dieser Meinung ist zumindest Fabian Bauer, der 2. Vorsitzende des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC): „Die Situation für Radfahrer in Trier ist mangelhaft bis ausreichend und daran hat sich in den letzten Jahren leider auch nur wenig geändert.“ Fahrradfahrer würden in der Stadt weder von der planenden Verwaltung, noch von den Autofahrern als vollwertige Verkehrteilnehmer wahrgenommen. Bei der Neuplanung von Verkehrsflächen werde den Radfahrern praktisch keine Priorität eingeräumt, die Fahrradwege, die tatsächlich existieren seien oft kaum mehr als bessere Alibiprojekte. „Fahrradfahrer standen lange Zeit auf keiner Agenda“, meint Bauer.

Änderungen sind möglich

Um Änderung zu schaffen, müsste ein einheitliches Konzept für Politik und Verwaltung erstellt werden. Mehr Abstellanlagen, verbesserte Öffentlichkeitsarbeit und vor allem eine deutliche Priorisierung in der Verkehrsplanung sind ein Muss, wenn der Fahrradfahrer nicht weiterhin auf der Abschussliste stehen soll. Fabian Bauer hofft hier auf den neuen Stadtrat, in dem sich seiner Ansicht nach zumindest die Wahrnehmung des Problems verbessert hat. Auch das angestrebte (und seit zwei Jahren überfällige) Mobilitätskonzept 2020 verspricht Besserung – zumindest in der Theorie.

Zugegeben – die Situation in einer Stadt wie Trier ist sehr schwierig. Die Straßen sind oft sehr alt und unzeitgemäß angelegt, weitere Baumaßnahmen werden durch das stark belastete Budget und die vielen historischen Gebäude zusätzlich erschwert. Trotzdem sieht der 2. Vorsitzende des ADFC Trier eine Menge Raum zur Verbesserung: „Die Radverkehrssicherung auf den großen Durchgangswegen kann verbessert werden.“ Auch das Anlegen von alternativen Routen für Radfahrer wäre denkbar. „Die Flächenpriotisierung muss hier klar geregelt sein und die Planer müssen aufhören das Fahrrad als reines Freizeitvehikel zu sehen“, bestärkt Bauer.

Auch eine deutlichere Durchsetzung der Straßenverkehrsordnung könnte eine Verbesserung bringen. Überall in der Stadt werden Fahrradwege wie selbstverständlich als Parkstreifen genutzt (zum Beispiel auf der uferabgewandten Seite des Pacelliufers), und es ist ein offenes Geheimnis, dass die Kontrollen der Stadt sich fast ausschließlich auf den Innenstadtbereich beschränken. „Einen Radweg zuzuparken muss einfach als das angesehen werden, was es ist: eine Verletzung der Straßenverkehrordnung mit Behinderung des Radverkehrs“, meint Bauer, „Durch das Verstellen der Radwege werden ja auch die Fußgänger gefährdet.“

An die eigene Nase fassen

Und was kann man als Fahrradfahrer selbst tun? „Als erstes müssen sich Radfahrer bewusst sein, dass sie vollwertige Verkehrsteilnehmer sind und sich entsprechend verhalten“, rät Fabian Bauer, „Wer sich im Straßenverkehr wie ein Opfer benimmt, der wird nicht ernst genommen. Es wird geraten einen Abstand von ca. 80cm zu halten. Man braucht sich nicht mit den Ellbogen an den Außenspiegeln parkender Autos zu stoßen.“

Allerdings müssen sich die Trierer Radler auch an die eigene Nase fassen. „Man sollte immer mit Umsicht und Rücksicht fahren und vielleicht ein paar Euro in angemessenes Equipment investieren“, erklärt Bauer weiter. Vor allem eine gute Lichtanlage ist unverzichtbar – etwas, dass in Trier mit geradezu beängstigender Regelmäßigkeit ignoriert wird.

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Kommentare (1)

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  1. Claas sagt:

    Bin gerade über den „Prüfstand“-Artikel hierher gekommen. Leider alles nur zu wahr, ich frage mich, wann da endlich etwas unternommen wird. Ich fahre viel (und an sich auch gern) mit dem Rad, aber hier in Trier lädt so gar nichts dazu ein.

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