Buntes: Aus der Ferne nach Trier

Man sollte es kaum glauben – Trier gehört zu den beliebtesten Reisezielen in Deutschland – zumindest für die Einwohner Westkanadas. 5vier schweift in die Ferne und spricht mit Patricia Moondry von Tourism Vancouver.

Vancouver, Kanada. Besonders im Winter, wenn die arktische Luft von Norden über Metro Vancouver hereinbricht, zieht es viele Einwohner der Westmetropole Kanadas in die Ferne. Das läuft ähnlich ab wie bei uns auch. Da wird erst mal das Internet zu Rate gezogen oder man geht ins Reisebüro. Es gibt in Vancouver aber noch einen weiteren Anlaufpunkt: Tourism Vancouver. Die einheimische Tourist-Info ist nicht nur für Besucher der Stadt, sondern hilft auch beim Planen der Urlaubstrips seiner Einwohner.

Für die einen Urlaubsziel, für andere Zuhause: Vancouver Downtown. Foto: Lars Eggers

„Wir Kanadier sind sehr darauf bedacht, dass uns einer unserer Landsleute sagt, was alles schief gehen kann“, lacht Patricia Moondry, die für Kundenkontakt und -beratung bei Tourism Vancouver verantwortlich ist, „Das Ganze begann vor ungefähr sechs Jahren, als einige Einheimische sich spontan erkundigten, ob wir Ihnen mit der Einreise nach Deutschland helfen könnten. Da wir einige Mitarbeiter haben, die Deutschland gut kennen, haben wir natürlich gern geholfen. Von da an entwickelte sich die Sache eigentlich von selbst.“

Alle haben Verwandte

Für den reisehungrigen Vancouverian gibt es zwei Ziele, die besonders begehrt sind: Asien und Europa; dort vor allem Frankreich und Deutschland.

„Fragen Sie einen beliebigen Kanadier und er wird Ihnen versichern, dass er Verwandte in Deutschland und/oder Frankreich hat“, erklärt Moondry scherzhaft, „Deshalb vermitteln wir oft Städtereisen nach Deutschland, besonders an die Westgrenze, nahe Frankreich.“ Eine Stadt im Westen Deutschlands nahe Frankreich? Das klingt doch ganz nach Trier!

„Es gibt ein paar Städte, die hier oft direkt angefragt werden: Hamburg, weil viele wissen, dass es dort einen großen Hafen gibt und daher die Stadt kennen, Berlin, Köln, München und vor allem auch Trier.“

Perfekte Lage, nicht zu fremd, aber exotisch

Wie Trier es in die Aufzählung jener großen Städte geschafft hat, kann Patricia Moondry leicht erklären: „Trier liegt perfekt. Ein Katzensprung nach Frankreich, gleich neben Luxemburg, was viele hier aus dem Kino kennen, und es liegt in hügeligem Land. Will sagen, es ist nicht zu fremd, aber mit all seiner antiken und mittelalterlichen Geschichte für die Einwohner einer erst knapp 150 Jahre alten Stadt sehr exotisch.“ Viele mögen die Nase rümpfen, wenn man Trier als exotisch bezeichnet, aber die Perspektive der Kanadier ist eine andere.

„Unsere Stadt ist stark durch die USA und unsere asiatischen Nachbarn geprägt. Viele Einwohner haben zwar ihre Wurzeln in Europa, aber eine echte Bindung gibt es kaum. Unsere Kulturen sind sich ähnlich genug, als dass man sich in Deutschland als Kanadier zurechtfinden kann – oft besser als in USA, aber das nur am Rande – aber es gibt viele Dinge, die für uns einfach faszinierend sind. Ein Beispiel: Das älteste Gebäude in Vancouver stammt aus dem Jahr 1865. Können Sie sich vorstellen, wie es ist, dann ein Gebäude zu besichtigen, das Jahrtausende alt ist?“

Nette und verlässliche Menschen

Für Trier, so Moondry weiter, sprächen auch die Einwohner.

Ab nach Trier: Passagiermaschine auf der Route Frankfurt-Vancouver. Foto: Lars Eggers

„Wir Kanadier sind gern etwas lax und ein ganz kleines bisschen chaotisch. Bei einem Urlaub, der uns sehr viel Geld kostet, soll dann aber alles stimmen. Wir haben noch nie etwas Negatives über die Trierer Hotels oder Pensionen gehört. Alle, mit denen ich im Nachhinein gesprochen habe, waren von der Verlässlichkeit und Ordnung dort begeistert. Sieht so aus, als wäre zumindest dieses Klischee über die Deutschen wahr“, lacht sie. Es gäbe viele weitere Vorteile, die für die etwas kleinere Stadt Trier als Reiseziel sprächen. Die netten Menschen, der gute Wein und auch die kurzen Distanzen innerhalb der Stadt seien immer wieder Pluspunkte, die jedes Jahr rund 8000 Urlauber aus der Region Metro Vancouver nach Trier lockten.

„Um in Trier ein paar Tage lang interessante Sachen zu erleben, muss man sich weder mit dem örtlichen Nahverkehr herumschlagen, noch ein Auto mieten. Man kann alles bequem zu Fuß erreichen und wenn man sich verläuft trifft man schnell jemanden, der Französisch oder Englisch spricht. Es ist ein echtes Paradies für Kanadier.“ Auch Patricia Moondry selbst war schon einmal in Trier: „Mir hat besonders gut gefallen, dass die meisten uns für Touristen aus den USA gehalten haben. So konnten wir uns nach Herzenslust daneben benehmen und die Amerikaner haben die Schuld dafür bekommen!“ scherzt sie.

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Man sollte es kaum glauben – Trier gehört zu den beliebtesten Reisezielen in Deutschland – zumindest für die Einwohner Westkanadas. 5vier schweift in die Ferne und spricht mit Patricia Moondry von Tourism Vancouver.

Vancouver, Kanada. Besonders im Winter, wenn die arktische Luft von Norden über Metro Vancouver hereinbricht, zieht es viele Einwohner der Westmetropole Kanadas in die Ferne. Das läuft ähnlich ab wie bei uns auch. Da wird erst mal das Internet zu Rate gezogen oder man geht ins Reisebüro. Es gibt in Vancouver aber noch einen weiteren Anlaufpunkt: Tourism Vancouver. Die einheimische Tourist-Info ist nicht nur für Besucher der Stadt, sondern hilft auch beim Planen der Urlaubstrips seiner Einwohner.

„Wir Kanadier sind sehr darauf bedacht, dass uns einer unserer Landsleute sagt, was alles schief gehen kann“, lacht Patricia Moondry, die für Kundenkontakt und –beratung bei Tourism Vancouver verantwortlich ist, „Das ganze begann vor ungefähr sechs Jahren, als einige Einheimische sich spontan erkundigten, ob wir Ihnen mit der Einreise nach Deutschland helfen könnten. Da wir einige Mitarbeiter haben, die Deutschland gut kennen, haben wir natürlich gern geholfen. Von da an entwickelte sich die Sache eigentlich von selbst.“

Alle haben Verwandte

Für den reisehungrigen Vancouverian gibt es zwei Ziele, die besonders begehrt sind: Asien und Europa; dort vor allem Frankreich und Deutschland.

„Fragen Sie einen beliebigen Kanadier und er wird Ihnen versichern, dass er Verwandte in Deutschland und/oder Frankreich hat“, erklärt Moondry scherzhaft, „Deshalb vermitteln wir oft Städtereisen nach Deutschland, besonders an die Westgrenze, nahe Frankreich.“ Eine Stadt im Westen Deutschlands nahe Frankreich? Das klingt doch ganz nach Trier!

„Es gibt ein paat Städte, die hier oft direkt angefragt werden: Hamburg, weil viele wissen, dass es dort einen großen Hafen gibt und daher die Stadt kennen, Berlin, Köln, München und vor allem auch Trier.“

Perfekte Lage, nicht zu fremd, aber exotisch

Wie Trier es in die Aufzählung jener großen Städte geschafft hat, kann Patricia Moondry leicht erklären: „Trier liegt perfekt. Ein Katzensprung nach Frankreich, gleich neben Luxemburg, was viele hier aus dem Kino kennen, und es liegt in hügeligem Land. Will sagen, es ist nicht zu fremd, aber mit all seiner antiken und mittelalterlichen Geschichte für die Einwohner einer erst knapp 150 Jahre alten Stadt sehr exotisch.“ Viele mögen die Nase rümpfen, wenn man Trier als exotisch bezeichnet, aber die Perspektive der Kanadier ist eine andere.

„Unsere Stadt ist stark durch die USA und unsere asiatischen Nachbarn geprägt. Viele Einwohner haben zwar ihre Wurzeln in Europa, aber eine echte Bindung gibt es kaum. Unsere Kulturen sind sich ähnlich genug, als dass man sich in Deutschland als Kanadier zurechtfinden kann – oft besser als in USA, aber das nur am Rande – aber es gibt viele Dinge, die für uns einfach faszinierend sind. Ein Beispiel: Das älteste Gebäude in Vancouver stammt aus dem Jahr 1865. Können Sie sich vorstellen, wie es ist, dann ein Gebäude zu besichtigen, das Jahrtausende alt ist?“

Nette und verlässliche Menschen

Für Trier, so Moondry weiter, sprächen auch die Einwohner.

„Wir Kanadier sind gern etwas lax und ein ganz kleines bisschen chaotisch. Bei einem Urlaub, der uns sehr viel Geld kostet, soll dann aber alles stimmen. Wir haben noch nie etwas negatives über die Trierer Hotels oder Pensionen gehört. Alle, mit denen ich im Nachhinein gesprochen habe, waren von der Verlässlichkeit und Ordnung dort begeistert. Sieht so aus, als wäre zumindest dieses Klischee über die Deutschen wahr“, lacht sie. Es gäbe viele weitere Vorteile, die für die etwas kleinere Stadt Trier als Reiseziel sprächen. Die netten Menschen, der gute Wein und auch die kurzen Distanzen innerhalb der Stadt seien immer wieder Pluspunkte, die jedes Jahr rund 8000 Urlauber aus der Region Metro Vancouver nach Trier lockten.

„Um in Trier ein paar Tage lang interessante Sachen zu erleben, muss man sich weder mit dem örtlichen Nahverkehr herumschlagen, noch ein Auto mieten. Man kann alles bequem zu Fuß erreichen und wenn man sich verläuft trifft man schnell jemanden, der Französisch oder Englisch spricht. Es ist ein echtes Paradies für Kanadier.“ Auch Patricia Moondry selbst war schon einmal in Trier.

„Mir hat besonders gut gefallen, dass die meisten uns für Touristen aus den USA gehalten haben. So konnten wir uns nach Herzenslust daneben benehmen und die Amerikaner haben die Schuld dafür bekommen!“ scherzt sie.

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