Das verrückte Viertel – TBB Trier rollt zu Heimsieg Nr.1

Gegen die Skyliners aus Frankfurt holte die TBB am Sonntagabend zum Befreiungsschlag aus und feierte mit 78:59 den ersten Heimsieg der jungen Saison. In einem fulminanten dritten Viertel war Trier immer einen Schritt voraus, müde Frankfurter hatten nichts mehr entgegenzusetzen.

Was, wenn die Freiwürfe auch noch reingegangen wären? Hätte Trier nicht 13 von 26 Geschenken ausgeschlagen, stünde wohl eine 8 vor dem Ergebnis. Makulatur, denn auch ohne ruhige Hände von der Linie reichte es zum deutlichen Heimsieg gegen indisponierte Skyliners, die in den ersten beiden Vierteln noch auf Augenhöhe agiert hatten. Gäste-Coach Coach Muli Katzurin konnte nur auf acht Spieler zurückgreifen, Frankfurt war dementsprechend in einer wahnwitzig engen Rotation gefangen. Warum das gegen die TBB aktuell keine gute Ausgangslage ist, wurde nach der Halbzeitpause offensichtlich: Trier war nicht unbedingt athletischer oder treffsicherer – aber ausgeruhter, konzentrierter, schneller und folglich immer einen Schritt voraus.

Vollkontaktsport: Brian Harper machte Frankfurt zu schaffen. Foto: Thewalt

Vollkontaktsport: Brian Harper machte Frankfurt zu schaffen. Foto: Thewalt

Ausgeglichene erste Hälfte dank intensiver Defense

Frankfurt und Trier begegnen sich von der ersten Minute an mit hoher Intensität, zwangen sich mit Ganzfeldpressing immer wieder zu Ballverlusten. Trier verteidigte auf extrem hohem Niveau, war gut auf die Skyliners eingestellt und nötigte die Gäste immer wieder, volle 24-Sekunden auszuspielen. Auch die Gäste ließen keine leichten Punkte zu,  trafen außerdem besser. So geriet die eigentlich aggressiver auftretende TBB zwischenzeitlich mit 22:29 in Rückstand. Coach Rödl hatte genug gesehen, es gab die Auszeit. Danach fasste sich Jermaine Bucknor ein Herz und verwandelte mit einem wilden Up-and-Under-Layup; nun ging es deutlich bergauf – die knappe 35:34-Pausenführung verriet aber noch nichts vom bevorstehenden Paukenschlag.

25:8-Run ebnet den Weg zum Heimsieg

Bemerkenswert am dritten Viertel war nebst aller Statistik vor allem die Art und Weise, wie Trier Punkte aufs Konto einzahlte. Anstatt sein Heil aus der Distanz zu suchen – Doreth und Stewart hatten bereits Dreier eingelocht – sorgte das Team mit andauernden Penetrationen für Chaos in der Frankfurter Zone. Nate Linhart und vor allem Brian Harper rannten immer wieder Sturm gegen die langen Nolte und Peacock, sorgten auf diesem Wege entweder für Punkte oder zogen Fouls. Im Wissen um die schmalen Reserven der Gäste hatte Henrik Rödl sein Team wohl bewusst auf die Taktik der gezielten Nadelstiche eingeschworen – mit Erfolg. Die Skyliners brachen ein, verloren defensiv die Zuordnung und offensiv immer häufiger den Ball, da die TBB-Defense unvermindert aggressiv zu Werke ging.

„Frankfurt hat zwei Gesichter gezeigt. Es war hilfreich für uns, dass wir länger spielfrei hatten. […] Ich bin schon froh, dass wir mal ein gutes drittes Viertel gespielt haben. Da hatten wir letztes Jahr immer wieder Probleme.“ – Henrik Rödl

Gegen Spielende hatten die Frankfurter bezeichnender Weise 18 Turnovers zu verbuchen (gegen 9 auf Trierer Seite). Dazu gesellten sich auch vermeidbare Fehler – so etwa Peacocks unbedrängter Fehler beim Sternschritt. Barry Stewart leistete Feuerkraft von außen, sein Dreier zur 16-Punkte-Führung riss 3103 Zuschauer von den Sitzen, die sich noch nicht wieder hingesetzt hatten, als Vitalis Chikoko und Nate Linhart mit zwei aufeinanderfolgende Blocks knappe Statements zum Thema Luftüberlegenheit abgaben (5 zu 2 Blocks für die TBB bei Spielende). Auf das verrückte Viertel folgten zehn weitere konzentrierte Minuten, Frankfurt hatte kein Gegenmittel mehr aufzubieten. Am Ende feierte die TBB einen ungefährdeten 78:59-Erfolg – mit einem locker choreographierten Hüftschwung vor Block P.

Ein Spiel, zwei Gesichter: Kurswechsel nach der Halbzeit

Ein Spiel, zwei Gesichter: Kurswechsel nach der Halbzeit

Spieler des Abends: Frankfurter Neuzugang Ted Scott stemmte sich mit 20 Punkten gegen den Untergang, war damit aber relativ allein. Star der TBB war an diesem Abend das Team – kollektive Gefahr aus allen Lagen äußerte sich in einer gleichmäßigen Punkteverteilung. Jermaine Bucknor (13) und Brian Harper (16) trafen am häufigsten.

Aktionen des Abends: Brian Harper macht sich lang und blockt Ted Scott beim Sprungwurf; Vitalis Chikoko fliegt und stopft nach Alley-Oop-Zuspiel von Bastian Doreth. Jermaine Bucknor schnappt seinem eigenen Teamkollegen den Offensivrebound aus der Hand und verwandelt im Nachfassen. Die Frankfurter Defense war ebenfalls anwesend.

Statistik des Abends: Brian Harper mit desaströsen 3 von 14 von der Freiwurflinie – wie man so zum Team-Topscorer avanciert, bleibt sein Geheimnis. Andererseits beschäftigte er die Frankfurter Defense damit fast im Alleingang.

Statistik

TBB Trier: Harper (16), Bucknor (13), Stewart (10), Chikoko (9), Linhart (8), Howell (7), Seiferth (6), Mönninghoff (5), Doreth (4)

FRAPORT Skyliners: Scott (20), Peacock (14), Jones (11), Wright (8), Barthel (4), Dowell (1), Robertson (1)

+++ Liga in Kürze +++

Meister Bamberg unterliegt  den Artland Dragons unerwartet mit 78:72. Wenige Tage nach dem Euroleague-Erfolg gegen Siena fegt ALBA Berlin Phoenix Hagen mit 109:67 aus der Halle. Hagen empfängt die TBB Trier am kommenden Wochenende(Samstag, 20.10., 19:00 Uhr). Bayreuth behauptet weiter die Tabellenspitze, Trier liegt mit 4:2 Punkten in Gesellschaft von Bamberg, Bonn und Oldenburg auf Platz fünf.

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