Best of the West – Ein Reisebericht – Teil I

5vier-Sportredakteur Alex Heinen berichtet von seiner Reise an die Westküste Nordamerikas

Im normalen Alltag bereist 5vier-Sportredakteur Alex Heinen nur die Sportplätze der Rheinlandliga, seit Anfang August geht seine Reise etwas weiter. Er wagte ein Abenteuer mit drei Unbekannten an die Westküste Nordamerikas. Die Reise startete in Vancouver, Endstation ist San Diego.

Alexander Heinen vor dem Mount Saint Helens

Alexander Heinen vor dem Mount Saint Helens

Einmal etwas von der Welt sehen, davon träumt wohl jeder. Auch meine Wenigkeit, so wollte ich die sich mir wohl letzte bietende Chance für diesen Trip nutzen. Im nächsten Sommer wartet schon die Bachelor-Thesis auf mich, danach habe ich hoffentlich Fuß im Beruf gefasst. Natürlich ist eine derartige Reise für einen Studenten alles andere als leicht zu finanzieren, aus diesem Grund mussten Einsparmöglichkeiten gefunden werden. Über ein Reiseportal im Internet schloss ich mich mit drei Gleichgesinnten zusammen, sodass wir bequem zu viert reisen und uns die Kosten für Hotels und Mietwagen teilen konnten. Apropos Hotels: Auch hier gibt es großes Einsparpotenzial. Wir griffen bei den Buchungen auf günstige Hostels zurück, bei Motels haben wir ein Zimmer bewohnt, was aufgrund der Größe der Amerikanischen Betten kein Problem ist.

Am 1. August war es dann soweit, Lufthansaflug 492 brachte mich von Frankfurt in die kanadische Metropole Vancouver. Vorher muss ich erwähnen, dass dies nicht meine erste Reise auf den großen Kontinent war. Ein Austauschprogramm mit der Trierer Partnerstadt Fort Worth im Jahre 2006 ist mir immer noch in guter Erinnerung, jedoch erwartete mich in British Columbia eine komplett andere Welt. Mitten in einer malerischen Bucht liegt Vancouver, umringt von Bergen, die im Winter zum Skilaufen einladen und riesigen unberührten Wäldern. Direkt vor der Haustür liegt mit „Vancouver Island“ ein weiteres Naturrefugium, das zum Reisen einlädt.

Vancouver

Die kanadische Großstadt ist ein Musterbeispiel für gelungene Immigrationspolitik. Geschätzte 30 Prozent der Bevölkerung haben chinesische Wurzeln, dazu gesellen sich einige Japaner, Koreaner und Südamerikaner: Fertig ist der gelungene Multi-Kulti-Mix. Ebenfalls sind die Kanadier ein sehr zuvorkommendes und hilfsbereites Volk. Schon zwei Mal stand unsere Reisegruppe etwas orientierungslos mit einer Karte in den Straßenschluchten, ungefragt half uns sofort ein Einheimischer und zeigte uns den richtigen Weg. Zusätzlich ist Vancouver eine sehr saubere Stadt, die sich auf die Fahne geschrieben hat, bis 2020 die „Greenest City“ zu werden. Bemerkbar wird dies durch konsequente Mülltrennung, Servietten und Papierhandtücher kommen oft in umweltfreundlichem Altpapier daher. Beim Händewaschen findet man nicht selten ein Mahnschild, nicht zu viel Wasser zu verbrauchen.

Doch auch in Vancouver ist nicht alles eitel Sonnenschein. Mitten in Downtown, direkt neben dem malerischen alten Stadtviertel „Gastown“, gibt es eine Straße, die aus der Reihe fällt. „Better don’t go there“, mahnte uns der Mitarbeiter unseres Hostels. In der Hastings-Street hat sich in ein Drogenbiotop entwickelt, was an der Westküste wohl seinesgleichen sucht. Sehr konzentriert leben hier viele Süchtige und Obdachlose, die auf der Suche nach dem nächsten Schuss das Leben aus den Augen verlieren. HIV ist das größte Problem in dieser Straße, die AIDS-Rate ist geschätzt ähnlich hoch wie in Botswana. Dies beeinflusste die Regierung dazu, die einzige legale und staatlich unterstütze Drogenstube zu eröffnen. Hier kann man sich legal einen „Schuss“ setzen, mit sauberen Nadeln und auf Wunsch mithilfe einer Krankenschwester. So hofft man, die Epidemie wieder eingrenzen zu können.

Die Metropole Seattle

Skyline von Seattle

Skyline von Seattle

Der nächste Stopp führte uns über die amerikanische Grenze in die Metropole Seattle. Die Geburtsstadt von Kurt Cobain kommt ähnlich smart daher wie das naheliegende Vancouver: Eine saubere Innenstadt, schöne Piers laden zum Flanieren ein. Und wiederum die Überraschung: Die sonst so gescholtenen Amerikaner zeigen sich umweltbewusst. Das öffentliche Verkehrsnetz ist gut ausgebaut und funktioniert einwandfrei. Ein Großteil der Busse und Straßenbahnen werden mit Hybridmotoren betrieben. Am Flughafen nahmen wir nun endlich unseren Mietwagen in Empfang: Ein SUV sollte uns den August begleiten und uns hoffentlich wohl behalten zur Endstation San Diego bringen.

Auf zwei Großstädten folgten mehrere Tage Natur. Von Seattle geht es nach Packwood, wo wir den bekannten Vulkan Mount Saint Helens zu Gesicht bekamen. Als der Vulkan im Mai 1980 aktiv wurde, hielt die Welt den Atem an. Das aufsteigende Magma brachte das Grundwasser zum Brodeln, fast wie bei einem Wasserkocher. Nur eines fehlte: Das Ventil zum Ablassen des heißen Wasserdampfes. Der Dampf suchte sich seinen eigenen Weg an die Oberfläche und produzierte eine Explosion, dessen Stärke geschätzt das 1600-Fache der Hiroshima-Bombe betrug. Eine surreale Zahl, doch schaut man sich die lädierte Bergspitze und das immer noch leidende Umland an, so bekommt man eine kleine Vorstellung davon, was sich hier vor 33 Jahren abgespielt hat. Auf dem Rückweg zu unserer Logde hatten wir eine brenzlige Begegnung: Als wir einen Wasserfall besuchten, überquert 20 Meter weiter ein einsamer Schwarzbär das Gewässer. Er schaute kurz zu uns rüber, beschloss dann aber doch weiterzuziehen. Glück gehabt, anscheinend war Meister Petz gesättigt.

Beeindruckende Natur

Crater Lake

Crater Lake

Nach einem kurzen Zwischenstopp in Portland folgte der nächste Vulkan. Die Eruption des „Crater Lake“ liegt um einiges länger zurück als die des Mount Saint Helens, aber der daraus entstandene Kratersee ist nicht minder eindrucksvoll. Das Wasser, das sich hier seit mehreren Tausend Jahren sammelt, weist einen Blauton auf, bei dem jeder Fotograf nicht mehr aus dem Freudentaumel herauskommt. Überall um den Kraterrand sind malerische Aussichtspunkte errichtet worden, über einen 30-minütigen Trampelpfad gelangt man an einen kleinen Bootssteg. Mein österreichischer Mitreisender konnte es nicht lassen und wagte einen Sprung ins Blaue. Ich persönlich zog lieber zurück, denn das Wasser war mir mit 16° doch etwas zu kalt.

Stets südwärts hieß unser nächster Halt Eureka, um die mächtigen Redwoodbäume zu bewundern. Wandert man durch das Dickicht, so vergisst man die Wälder aus Deutschen Landen schnell. Meterdicke Baumstämme reihen sich hier aneinander. Man sieht, dieser Wald hat noch keinen Förster gesehen. Ich versuchte einen Baum zu umarmen, auf dem Foto sehe ich jedoch reichlich deplatziert neben dem Riesen aus. Bei jedem Schritt muss man achtgeben, in den Reedwoods gibt es viele Bären und Pumas. Ein großes Hinweisschild steht am Eingang, ein bisschen mulmig war mir beim Durchqueren schon.

San Francisco heißt unsere nächste Destination. Wie es weiter geht, erfahrt ihr demnächst hier bei 5vier!

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