Best of the West – Ein Reisebericht Teil III

5vier-Sportredakteur Alex Heinen berichtet von seiner Reise an die Westküste Nordamerikas

Jetzt wurde es heiß: 5vier-Redakteur Alex Heinen reiste in der letzten Etappe seiner Rundreise durch die Wüste im Westen Nordamerikas. In Las Vegas lockten die Spielautomaten, im Death Valley warteten tödliche Temperaturen und in San Diego traumhafte Strände.

Die wichtigste Prämisse lautete nun: „Die Selbstbeherrschung nicht verlieren“. Aus diversen Kinofilmen sollte jedem bekannt sein, was alles in der Wüstenmetropole Las Vegas passieren kann. Als sich unser SUV durch die Berge von Los Angeles in Richtung Nevada schlängelte, ging ich still alle möglichen Szenarien durch. Entweder, ich werde reich oder ich muss bei der Deutsche Botschaft den Notgroschen anfragen.

Gott sei Dank trat der Worst-Case nicht ein, doch die Strahlkraft der Spielerstadt erreichte auch mich. Nachdem ich mich nach etwas Eingewöhnungszeit mit dem Rouletteautomaten angefreundet hatte, konnte ich gar nicht aufhören die Knöpfe zu drücken. Dazu gibt es in Kasinos kostenlose Getränke, solange man zockt, was mich als Spieler natürlich noch glücklicher machte. Das Kasino weiß ganz genau, wie es seine Kunden bindet. Ich gewinne gut 15$ und bin damit glücklich, somit habe ich mir immerhin ein Abendessen finanziert.

Las Vegas

Neben der Spielerei steht die Party in Las Vegas im Vordergrund. Fast jedes große Hotel besitzt einen oder mehrere Nachtclubs, die auf der Straße promotet werden. Apropos promoten: Wie ich in den letzten Reiseberichten mehrfach geschrieben habe, wird man in den Großstädten der USA ständig von Verkäufern oder Promotern auf der Straße angesprochen. In Las Vegas erreichte das aber eine eigene Dimension. Annähernd in Fünf-Meter-Abständen wird man angesprochen, sei es für Büffets, Nachtclubs oder andere ominöse Dienste. Selbst meine üblichen Vorgehensweise, Scheuklappen vortäuschen und die Ohren auf Durchzug stellen, halfen hier nicht. Ärgerlich, denn so kann man als Reisender die bunten Lichter des „Strips“ nur eingeschränkt wahrnehmen.

Death Valley

48° Außentemperatur

Natürlich hat die Stadt der Sünde auch ihre Vorzüge. Reist man während der Woche an, so kann man bei den Hotels günstige Schnäppchen schlagen. Da die Amerikaner bevorzugt am Wochenende gerne einen Kurztrip nach Vegas machen, bleiben viele Zimmer leer. Gut für uns, denn so konnte sich selbst unsere Reisegruppe nach etliche billigen Motels und Hostels eine Suite leisten. Ebenfalls günstig sind die Abendbüffets, bei denen man sich für rund 25$ satt essen kann. Dazu eignet sich Las Vegas hervorragend als Ausgangsposition für Ausflüge in das Death Valley oder zum Hoover Damm.

Mit reichlich Getränkevorrat im Kofferraum wagten wir die Fahrt in das Tal des Todes. Satte 48° zeigte das Autothermometer, die Klimaanlage stöhnte. Und dabei war es Vergleichsweise noch kalt. 57 ° lautet der bisherige Weltrekord, der im Death Valley erzielt wurde. „Noch fast 10° mehr?“, fragte ich mich, denn mir rann schon nach wenige Minuten außerhalb des klimatisierten Autos der Schweiß aus sämtlichen Poren meines Körpers. Dementsprechend zeigt sich die Landschaft. Kaum eine Pflanze ist zu sehen. Tiere: Fehlanzeige!

Tolle Farbbilder am Grand Canyon

Vorbei am beeindruckenden Hoover Damm, der die Strom- und Wasserversorgung für Las Vegas sichert, ging es in den fünften US-Bundesstaat, den wir besuchten: Arizona, „Home of the Grand Canyon“, prangte es auf dem Straßenschild. Für die Übernachtung hatten wir uns das beschauliche Städtchen Williams herausgesucht, die Logdes direkt am Grand Canyon waren im August leider schon alle ausgebucht. Gut eine Stunde fährt man von Williams aus durch grüne, dichte Wälder. Dann, wie aus dem Nichts, taucht die gewaltige Schlucht auf. Eine solche überwältigende Landschaft hatten meine Augen noch nicht gesehen. Mehrere Hundert Meter tief frisst sich der Canyon nach unten. Der Colorado-River, der ihn ausgehöhlt hat, bietet durch die vielen verschiedenen Gesteinsschichten ein atemberaubendes Farbbild. Gerne hätten wir am nächsten Morgen den berühmten Sonnenaufgang bestaunt, doch da uns eine siebenstündige Fahrt zu unserer letzten Station San Diego bevorstand, sahen wir davon ab.

Grand CanyonAlso, zurück ins sonnige Kalifornien und die letzten drei Tage in einem Hostel am Strand verbringen. Direkt an der Grenze zu Mexiko liegt die zweitgrößte Stadt des Bundesstaates. Zwar ist der Pazifik auch hier immer noch recht kalt, die kilometerlangen und nicht zu überfüllten Strände entschädigen dafür.

Dazu zeigt sich San Diego als entspannte Stadt, im Gegensatz zum nördlicheren Los Angeles kommt hier nur selten Hektik auf. Viele Surfer, ein gutes Nachtleben und der große Marinehafen machen die Stadt aus. Wir entschlossen uns zu einem Besuch im SeaWorld, einer Mischung aus Zoo und Freizeitpark.

Am Abend vergnügten wir uns bei einem Footballspiel, wo die heimischen „Chargers“ vom amtierenden Meister San Francisco ganz böse auf die Hörner genommen wurden. Es war eine Art Freundschaftsspiel, ein Spiel zu Ehren des Militärs. Für mich als Deutscher, der nicht zur Bundeswehr musste, war die Show schon etwas skurril. Klar, dass die Amerikaner patriotisch sind, war auch mir bekannt, aber das zweimalige Singen der Nationalhymne, ein Fallschirmspringer, der die Flagge ins Stadion brachte, ein Feuerwerk in den Nationalfarben und eine militärische Ehrung nach der anderen waren allerdings etwas viel. Aber jedem das seine.

Nach einem Besuch im „Balboa-Park“ wurde mir eine Sache klar: Wenn die Amerikaner keine Sehenswürdigkeiten haben, dann bauen sie sich welche. Der Balboa-Park ist eine herrliche, öffentliche Parkanlage mit Gebäuden im spanischen Stil. Zuerst dachte ich, die Gebäude seien alt und entstammen womöglich noch aus mexikanischen Zeiten. Als ich gegen eine Wand klopfte wurden meine Hoffnungen schnell begraben. Holz. Schade! Der letzte Tag der Reise brach an.

Wie im Flug ging die Zeit vorbei, von San Diego ging es über Chicago und München zurück nach Luxemburg. Ich ließ die vergangenen Wochen im Flieger Revue passieren. Tolle Städte, tolle Landschaften und tolle Menschen durfte ich auf meiner Reise kennenlernen. Ein Monat „Leben aus dem Koffer“ war jedoch genug, die Porta als Trierer einen Monat lang nicht zu sehen ist verdammt hart. Nach meiner 20-Stunden-Odyssee falle ich total übermüdet in mein Bett. Am nächsten Morgen lege ich den Schalter um. Der Alltag hat mich (leider) wieder.

Hier geht es noch zu Teil 1 und Teil 2 von Alex Heinens Reisebericht.

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Kommentare (1)

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  1. Theo sagt:

    Amerika ist ja schon eine Reise wert, aber am Schönsten ist es daheim bei der Eintracht im Moselstadion!!!

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