Besuch der Ministerin Irene Alt in Saarburg

In der KulturGießerei unterstrichen: Flüchtlinge und Ehrenamt gehört zusammen

„Ich muss es jeden Tag sagen – in jedes Mikrofon“, unterstreicht Irene Alt, seit 2011 Ministerin für Integration, Familie, Kinder, Jugend und Frauen bei Ihrem Besuch am 29. Oktober 2015 in der Saarburger KulturGießerei. Für sie ist der Dank und damit die Würdigung der immensen ehrenamtlichen Arbeit, welche in Zusammenhang mit der Asylbegehrenden-Aufnahme geleistet wird, ein tagtägliches Anliegen.

Trier / Saarburg. Gerade aus diesem Grunde hatte Irene Alt (Foto, li) sicherlich auch das Lokale Bündnis für Familie e.V. mit Sitz in der KulturGießerei Saarburg besucht.
Hier vernetzen sich amtliche und ehrenamtliche Helfer, hier wird der Zweck des Vereins „Menschen in Notsituationen zu beraten und an Problemlösungen mitzuarbeiten“ aktiv umgesetzt.

Der Film-Mitschnitt von 5vier.de dokumentiert die letzten dreizehn Minuten des über eine Stunde weilenden Aufenthalts der Ministerin. Er unterstreicht ihre ganz persönliche Nähe zur Flüchtlings-Problematik und der ehrenamtlichen Helfer.

Jugendliche engagieren sich

Er vermittelt aber auch von Seiten der KulturGießerei ein Novum. – Und Anette Barth (Foto, re), die Geschäftsführerin des Lokalen Bündnisses für Familie e.V., hebt dies hervor: „Jugendliche engagieren sich in unserem Netzwerk. Sie übernehmen Verantwortung.“ – Eigentlich etwas, das man „der Jugend“ oftmals abspricht.

Und es sind nicht einfach nur „Fälle“, sondern Menschen, die Schlimmes erlebt haben, die als Flüchtlinge nach Deutschland kommen. Aktuell spricht die Ministerin von 800, welche pro Monat in Rheinland-Pfalz Unterkunft benötigen. Der Mitarbeiter des Sozialamtes – links im Film neben der Ministerin – Holger Wincheringer weiß selbst, dass er bis zu 20 Menschen pro Monat zusätzlich zu betreuen hat.

Noch funktioniert das Netzwerk

Als Beobachter kann man an den Augen der Engagierten sehen, dass ein Belastungsgrad erreicht ist, der ein Mehr nicht mehr möglich macht. Und Saarburg ist in diesem Zusammenhang noch vorbildlich: Keine Massenunterbringung, sondern eine Verteilung über das Gemeindegebiet. – Mit der Stellung eines Busses werden die Untergebrachten zu Sprachkursen, Terminen oder Arztbesuchen gebracht werden.

Vermieter von Wohnungen, welche die Möglichkeit haben, geben sogar aktive Hilfe beim Erlernen der deutschen Sprache. Und, so betont ein anwesender Flüchtlingsbegleiter, der selbst Asylbegehrender, wir sprechen untereinander nur Deutsch. „Denn wir sind in Deutschland“, wird betont. „Damit motivieren wir jeden der zu uns kommt, die gemeinsame Sprache zu erlernen, die in den Ämtern, am Arbeitsplatz, in den Schulen, bei den Ärzten und vor allem von den Bürgern und Helfern gesprochen wird.

Kritikpunkt: Vorrangprüfung

In der Gesprächsrunde mit der Ministerin, an welcher auch lokale Arbeitgeber beteiligt waren, war die „Vorrangprüfung“ ein Reizwort. Immer wieder muss nämlich festgestellt werden, dass Papiere die nach Bonn geschickt wurden verloren gehen oder sich alles viel zu lange hinzieht. „Ich habe hier einen Asylbewerber, dessen Anerkennungsverfahren noch nicht abgeschlossen ist, den ich aber sofort anstellen möchte, aber nicht kann. Und“, so wird betont, „für einen Arbeitsplatz, den ich seit zwei Jahren nicht besetzt bekomme! – Und dann erfahre ich, dass das Papier in Bonn verloren gegangen ist…“
So werden auch Unternehmen demotiviert, wenn ihnen Steine in den Weg gelegt werden, obwohl sie dringend Arbeitskräfte benötigen. – Auch ein Bäckereibetrieb beklagte sich über die Langwierigkeit der Verfahrenswege. Gerade in ländlicheren Regionen wollen Arbeitgeber sehr gerne – da ohne Alternative – auf Asylbegehrende zurückgreifen.

Ministerin spricht von „toller Stimmung“

Die von der Ministerin Alt bekundete „tolle Stimmung im Lande“ bedarf – und da ist Saarburg ein Musterbeispiel – einer intensiven Vernetzung. Denn damit sind unterschiedliche Stellen über Notwendigkeiten informiert, die dann auch mal den „kurzen Dienstweg“ nehmen können und mögliche „Verknotungen“ von Anfang an vermeiden.

Das ist, was „Vernetzung“ letztendlich bedeutet, das Vermeiden eines Staus.
Oder bildlich-medizinisch ausgedrückt: Eine gute Durchblutung (Vernetzung) vermeidet eine Thrombose (eine Stauung) und damit auch einen Infarkt (einen Kollaps des Systems).

Saarburg ist (noch) ein gutes Beispiel – so viel konnte die Ministerin Irene Alt nach Mainz mitnehmen.

 

Fotos / Film: C. Maisenbacher

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