Bezirksliga: Ein Rückblick – Spannung im Keller und an der Spitze

Von Andreas Maldener

Winterpause, das bedeutet für alle Fußballer und eingefleischten Fans eine lange Zeit des Wartens, bis das Runde Leder endlich wieder rollen darf. Während den Wochen des Wartens finden auch bei den Vereinen in der Bezirksliga West die obligatorischen Weihnachtsfeierlichkeiten statt, bei denen zumeist auf die mehr oder minder erfolgreiche Hinrunde zurückgeblickt wird, wo Schwächen ausgemacht und Weichen für die Rückrunde gestellt werden.
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hat aus diesem Grund ein besonderes Augenmerk auf vier Mannschaften der Bezikrliga West gelegt und mit den jeweiligen Trainern über die gespielte Hinrunde sowie mögliche Prognosen für das Jahr 2011 gesprochen.

Foto: Rassige Zweikämpfe, viele Emotionen und mehr als 600 Tore. Die Bezirksliga West bietet attraktiven Fußball

SV Föhren

18 von 21 möglichen Partien konnte der SV Föhren in dieser Hinrunde bestreiten. Damit steht bereits jetzt fest, dass die Mannschaft von Trainer Christian Esch in der Rückrunde drei kräftezehrende englische Wochen drohen könnten, sollte die Bezirksliga nicht früher als eigentlich geplant mit der zweiten Saisonhälfte beginnen. Föhren belegt derzeit Rang neun der Tabelle, mit 27 Punkten auf dem Konto besteht keine Gefahr nach unten, den Blick zur Tabellenspitze darf man mit neun Punkten Rückstand auf Spitzenreiter Stadtkyll durchaus wagen. „Sehr zufrieden bin ich mit meiner Mannschaft gerade deswegen, weil sie das neue Spielsystem mit Viererkette schnell verinnerlichen konnte, was oft nicht leicht fällt“, freut sich Föhrens Coach Christian Esch. Doch dann kamen die ersten Misserfolge, und die angesammelten Punkte zu Beginn der Runde sorgten dafür, dass Föhren nicht weiter abrutschte. „Die erste englischen Wochen, in denen wir fast nur noch Regeneration betreiben konnten, brachten auch die ersten Verletzten, was uns doch zurückgeworfen hat“, so Esch. Vor allem die lange Verletzungspause von Führungsspieler Jochen Conrad schlug ins Gewicht. Unzufrieden ist der Trainer vor allem mit der Chancenauswertung seiner Truppe:“32 Tore sind bei unserem Potential einfach zu wenig, in der Offensive müssen wir in der Rückrunde deswegen stabiler werden, vor allem wenn es gegen defensiv eingestellte Mannschaften geht, gegen die wir uns häufig schwer tun.“

Foto: „Die Mannschaft hat das neue taktische System gut umgesetzt.“ Föhrens Trainer Christian Esch

In puncto Neuzugängen für die Rückrunde hält man sich in Föhren hingegen noch bedeckt, doch es scheint durchaus möglich, dass sich der SV in der Offensive verstärken will. „Wenn alle im Kader fit sind, brauchen wir nicht unbedingt Ersatz, vor allem , weil wir in Föhren die Philosophie verfolgen, Spieler zu engagieren, die etwas mit dem Ort verbindet“, meint Trainer Esch. Sollte sich aber dennoch ein Spieler anbieten, so der Trainer, werde man durchaus zuschlagen.

FC Bitburg

Noch schlimmer traf der frühe Wintereinbruch den FC Bitburg. Den Bierstädter drohen gleich vier zusätzliche englische Wochen zu Beginn der Rückrunde. Trainer Arno Kömen, der zusammen mit Herbert Herres für die Mannschaft zuständig ist, nimmt die Situation mit einer nötigen Portion Humor:“Wir haben mehr Nachholspiele als die Konkurrenz. Wir müssen nur in allen ordentlich Punkte, dann bleiben wir auch ganz oben mit dabei.“ Ganz oben mit dabei zu sein, das war sowieso die Marschrichtung, mit der der FCB diese Bezirksliga-Saison in Angriff nehmen wollte. Und zumindest nach Ende der Hinrunde sieht es auch gut aus in Bitburg, nach 17 gespielten Partien reichte es zu Rang fünf, mit 32 Punkten beträgt der Rückstand auf den Platz an der Sonne lediglich drei Pünktchen.

Foto: Schwächung für den FC Bitburg (in Rot, hier gegen den SV Föhren). Top-Scorer Andreas Klink wird den Verein verlassen.

Doch den FC Bitburg plagen aktuell andere Sorgen, denn im Verein brodelt es an einigen Stellen gewaltig: Nachdem der Spielausschussvorsitzende Jürgen Weiler von seinem Amt zurücktrat und auch der zweite Vorsitzende Rüdiger Reichel sein Engagement beendete, sprangen einige Sponsoren ab, die für die Zahlung der Prämien zuständig waren. Ob indirekt oder direkt durch die finanziellen Schwierigkeiten beeinflusst, muss der FC Bitburg den ersten Abgang hinnehmen. Einen Abgang, der die Sorgen nicht schrumpfen lässt. „Andreas Klink wird den Verein definitiv verlassen, was uns natürlich weh tut, da er mit seinen Toren ein echter Rückhalt der Mannschaft war“, so Kömen. Weitere Abgänge will der Coach derzeit ebenfalls nicht ausschließen.

Auch deshalb ist die Frage nach der Zielsetzung für die Rückrunde schwer zu beantworten, meint Trainer Kömen:“Bisher haben die Jungs die Turbulenzen sehr gut weggesteckt und sich nicht beirren lassen, doch ob unsere Zielsetzung gehalten werden kann, das müssen auch wir abwarten.“ Denn mit Andreas Klink verlässt der Top-Torjäger der Bezirksliga den FC Bitburg, in 17 Partien war Klink 15 Mal für die Bierstädter erfolgreich.

SG Ockfen

Ein Torverhältnis von 40:40 Toren spricht Bände: Bei der SG Ockfen wird den Zuschauern einiges geboten für das gezahlte Eintrittsgeld. „Die Zuschauer werden bei uns immer gut unterhalten, da wir einen schönen offensiven Fußball spielen, in der Defensive aber häufig zu offen stehen und jede Menge Tore kassieren“, betrachtet Ockfens Trainer Peter Schuh die vergangene Hinrunde mit einer ironischen Bemerkung. In der Tat boten die Spiele der SGO jederzeit einiges an Unterhaltung, Ergebnisse wie ein 3:5 in Lüxem oder ein 4:5 in Lambertsberg sprechen eine eigene Sprache. Auch in der Tabelle manifestiert sich dieses Bad der Gefühle auf ein Neues, das muntere Auf und Ab im Klassement fand nach Ende der Hinrunde mit 21 Punkten auf Platz elf der Tabelle vorerst ein Ende.

Foto: „Die Zuschauer werden bei uns immer gut unterhalten.“ Peter Schuh, Trainer der SG Ockfen

Eine solche Platzierung wie nach der Hinrunde würde Ockfens Trainer auch am Ende der Saison erfreuen:“Unser primäres Ziel ist der Klassenerhalt, dazu wollen wir unsere junge Mannschaft an die hohen Anforderungen der Bezirksliga heranführen.“ Und genau in dieser sehr jungen Mannschaft liegt laut Schuh auch das bisher größte Manko seiner Mannschaft:“Bis auf Rainer Britten und Dominik Bart, die bereits höherklassig Erfahrung sammeln konnten, hat keiner unserer Spieler bisher Bezirksliga gespielt, deswegen passieren auch oft individuelle Fehler.“ Es sei gerade für die jungen Spieler „jeden Sonntag eine neue große Herausforderung“, über 90 Minuten das Bezirksliga-Niveau zu spielen, da fast alle Spieler aus der eigenen Jugend stammen. Doch in Ockfen ist man weiterhin zuversichtlich, dass die gute Jugendarbeit Früchte tragen wird und dass man in dieser Spielzeit mit dem Abstieg nichts zu tun haben will.

SV Konz

Nach durchwachsenen Beginn sechs Wochen lang ungestört auf Rang eins der Tabelle und danach begann die kleine Talfahrt. So lässt sich der bisherige Saisonverlauf des SV Konz in aller Prägnanz beschreiben. Doch dass seine Mannschaft nach diesem furiosen Saisonbeginn mittlerweile mit 31 Punkten nur noch auf Rang sechs der Tabelle steht, beunruhigt Konz Spielertrainer Patrick Zöllner in keinster Weise:“Wir haben vor der Saison Platz eins bis fünf als Ziel ausgegeben, mit den Nachholspielen sind wir also im Soll.“ Auch in Konz musste sich vor Saisonbeginn eine neu formierte, junge Mannschaft an einen neuen Trainer gewöhnen, dessen Philosophie – beginnend bei einer sicheren Vierer-Abwehrkette – vor allem gepflegten Offensivfußball vorgibt. „Dort hapert es noch etwas, im Passspiel und im Aufbau unserer Spielzüge müssen wir deswegen sicherlich noch arbeiten, aber die Mannschaft ist jung und hungrig“, weiß Zöllner.


Foto: Nach einem furiosen Saisonbeginn musste Patrick Zöllner seine Mannschaft so manches Mal aufwecken.

Im Laufe der Hinrunde wusste seine Mannschaft schon einige Male zu überzeugen. Vor allem in Heimspielen wurden einige Mannschaften mit schönen Kombinationen nahezu überrannt. Doch gegen in der Defensive sicher stehende Mannschaften zeigten sich die Schwächen der Konzer Offensivabteilung, die häufig zu viele Fehlpässe produzierte und den Gegner zum schnellen Kontern verleitete. Einen Grund, in der Winterpause auf dem Transfermarkt aktiv zu werden, sieht Zöllner aber nicht:“Die Mannschaft weiß selbst, dass sie noch zu jung und zu unerfahren ist, um jetzt aufzusteigen. Deswegen steht die Entwicklung auch im Vordergrund, dazu braucht es nicht unbedingt neue Spieler.“

Der Überblick:

Vier Mannschaften, vier ganz eigene Zielsetzungen, mal wurden sie mehr, mal weniger erreicht. Doch auch für die restlichen Mannschaften in dieser mit 19 Mannschaften überfüllten Bezirksliga West brachte die Saison auf der einen Seite Ernüchterung, auf der anderen aber Hoffnung auf den ganz großen Coup.

Freude sollte übers Weihnachtsfest auch bei der SG Großkampen herrschen. Nach einem tollen Auftakt mit zwei Siegen ging es für die Mannschaft von Trainer Günther Bretz rapide bergab, auf dem dreizehnten Tabellenplatz wurde „Talfest“ gefeiert. Die Mannschaft schien sich zu diesem Zeitpunkt wieder gefangen zu haben, ein 2:1-Auswärtserfolg im Tälchen gegen den SV Krettnach oder auch der 3:1-Heimerfolg gegen den FC Bitburg pushten Großkampen wieder nach oben, wo das Team zur Winterpause mit 35 Zählern auf Rang zwei steht.
Ähnlich zufrieden dürfte man auch in Leiwen sein, denn der heimische SV Leiwen-Köwerich liegt nach einer kleinen Berg- und Talfahrt in der Tabelle auf Rang vier und mit nur drei Punkten Rückstand auf Klassenprimus SG Stadtkyll in direkter Schlagdistanz.

Für Spannung im oberen Tabellendrittel ist also allemal gesorgt, trennen den SV Lüxem (30 Punkte) auf Rang sieben und die SG Stadtkyll nur mickrige sechs Punkte. Doch auch im Tabellenkeller wird es in der Rückrunde noch einmal heiß hergehen, würden nach momentanem Stand doch fünf Mannschaften den bitteren Weg in die Kreisligen antreten müssen. Derzeit belegen die SG Wallenborn (18 Punkte), die SG Traben-Trarbach (16), die SG Lambertsberg (16), die SG Buchholz (15) und deutlich abgeschlagen die SG Baustert mit acht Punkten die Abstiegsränge. Doch auch oberhalb der akuten Gefahrenzone sollte sich keine der Mannschaften allzu sicher fühlen. Den ersten echten Cut weißt die Tabelle nämlich zwischen der SG Osburg auf Rang 10 mit 27 Punkten und der SG Ockfen auf Platz 11 mit 21 Zählern auf. Neun Mannschaften also, die sich in der Rückrunde auf „Abstiegskampf pur“ vorbereiten müssen.

Der offiziell erste Rückrundenspieltag ist bisher terminiert auf das zweiten Februarwochenende, doch bedingt durch die Spielausfälle der letzten drei Hinrundenspieltage scheint es durchaus realistisch, dass der Saisonbeginn vorgezogen wird, um den Mannschaften noch mehr englische Wochen zu ersparen, als ihnen sowieso schon bevorstehen.

(am); Fotos: Andreas Maldener (1,4,5); Anna Lena Bauer (2,3)

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Kommentare (4)

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  1. @waldi sagt:

    Das war doch abzusehen. Keiner hat mit was anderem gerechnet.

  2. Waldi Steiner sagt:

    leider ja..

  3. @waldi sagt:

    bist wohl aus Bitburg oder?

  4. bei us brennt de baaaaam!

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