Bücherecke: Neue Detektivreihe – „Die Alchemie der Unsterblichkeit“

Beeindruckendes Debüt und Wiederentdeckung der Krimi-Schauergeschichten. Jungautorin Kerstin Pfliegers Roman „Die Alchemie der Unsterblichkeit“; in dem ein junger Kommissar die Morde an Vampiren, Werwölfen und Menschen aufklären muss.

Icherios Ceihn ist alles andere als ein cooler Held. Der junge Gelehrte ist groß, schlacksig, etwas hasenfüßig und noch sehr unerfahren in dem neuen Beruf, den er gerade angetreten hat. Er soll als Kommissar einer geheimen Gesellschaft mysteriöse Morde in dem noch mysteriöseren Ort Dornfelde aufklären. Bald jedoch wird ihm klar, dass es sich bei den Ermordeten nicht bloß um einfache Bürger, geschweige denn um Menschen handelt. Und dass die Morde Teil eines grauenvollen Rituals sind.

Menschen, Vampire, Werwölfe. Klingt nach einer Twilight-Besetzung. Wenn da nicht der etwas tollpatschige Kommissar wäre, der unweigerlich an Johny Depps Gruselrolle „Ichabod Crane“ erinnert. Der überforderte Icherios Ceihn hat schon genug mit der eigenen schwierigen Lebenslage, seiner abrissreifen Bruchbude, seinem rechthaberischen Vater und den tiefen Narben auf seinen Handgelenken zu schaffen. Einzig seine Ratte Maleficium steht ihm zur Seite, kann ihm bei seinem ersten großen Fall jedoch wenig gute Tipps geben. Bald steht auch Icherios Leben selbst auf dem Spiel. Denn wenn er den Mörder nicht fasst, hat er von den gruseligen Dorfbewohnern nichts Gutes zu erhoffen. Doch nicht nur blutrünstige Vampire, hungrige Werwölfe und Heugabeln-schwingende Dorfbewohner gehen dem jungen Kommissar im Kopf herum, auch die liebreizende Tochter des Bürgermeisters und die scharfe Schwester des Obervampirs machen ihm einiges Kopfzerbrechen. Kein Wunder, dass der junge Kommissar mit seinem ersten Fall hoffnungslos überfordert ist.

Autorin Kerstin Pflieger wurde 1980 geboren und wuchs in einer Familie von leidenschaftlichen Surfern auf. Mit ihren Eltern reiste sie bereits in jungen Jahren von Küste zu Küste und lernte so die Strände Europas, Afrikas und Asiens kennen und, auf den langen Busfahrten, ihre Liebe zum geschriebenen Wort. Ihren größten Traum ein Buch zu veröffentlichen hat sie sich nun erfüllt und gleich eine ganze Krimireihe an Land gezogen. Die Abenteuer um Kommissar Icherios Ceihn sollen nämlich eine ganze Reihe von Büchern füllen, ganz im Stil alter Kriminalromane a lá Agatha Christie oder Sherlock Holmes. Der nächste Band war bereits am 19. Dezember 2011 erschienen, doch erstmal zurück zum Erstlingswerk:

Man muss einfach an Tim Burtons Schauerwerk „Sleepy Hollow“ denken, wenn man dieses Werk in Händen hält. Zwar hat man es nicht mit einem untoten, köpfenden Hessen zu tun und die Dorfbewohnerschaft hier setzt sich aus Menschen und Vampiren und Werwölfen zusammen, doch allein die Hauptfigur erinnert einfach zu stark an die aus „Sleepy Hollow“.

In der Tat war Burtons Film die Inspirationsquelle der Autorin. Nichtsdestotrotz ist „Die Alchemie der Unsterblichkeit“ ein gut durchdachtes und gelungenes Erstlingswerk. Die Geschichte besticht durch ihre Figuren, allen voran die Hauptfigur, die den Roman lebendig machen.

Schön ist auch, dass Vampire und Werwölfe alltäglich sind und keinen gesonderten Charakter haben wie in anderen ähnlichen Werken. Aufatmen kann man auch bei der Figur des Obervampirs, der mit weichgespülten Teenie-Vampiren nur die spitzen Eckzähne gemeinsam hat. Leider muss man nach diesem Band wohl erstmal wieder Abschied nehmen von den liebgewonnenen Schergen rund um Icherios Ceihn, denn jeder der Romane soll eine für sich abgeschlossene Geschichte sein, eben ganz im Stil des Genres.

Wer allerdings einen Thriller mit detailreichem Blutvergiessen erwartet, wird nicht auf seine Kosten kommen, auch von diesem Werk abraten sollte man Leuten, die nicht gerne in eine Fantasywelt abtauchen. Wer „Sleepy Hollow“ gemocht hat, und sich mit der einen oder anderen Parallele abfinden kann, wird an diesem Werk viel Vergnügen haben, das für ein Erstlingswerk sehr gut geschrieben und durchdacht ist. Eine erfrischende Herangehensweise an das Thema Vampire und Werwölfe. Und eine gelungene Wiederbelebung des Zombies „Schauerroman“. Durchaus lesenswert und macht Lust auf mehr.

Neugierig geworden?

Der Roman ist im Goldmann Verlag erschienen. Der zweite Band der Detektivreihe ist am 19. Dezember 2011 erscheinen. In „Der Krähenturm“  muss sich Detektiv Icherios Ceihn in Heidelberg wieder einer mysteriösen Mordserie, seiner eigenen Vergangenheit und dem Tod seines besten Freundes stellen. 

Stichworte:

Kommentare (0)

Trackback URL | RSS

Antworten

Wir freuen uns über Kommentare und möchten allen Lesern die Möglichkeit geben, kritisch zu den Themen und Artikeln Stellung zu beziehen und ihre Meinung kundzutun. Wir behalten uns das Recht vor, jeden Kommentar vor Veröffentlichung redaktionell zu überprüfen und nur Kommentare freizuschalten, die sich sachlich mit dem Thema des Beitrags beschäftigen.
Spielregeln