Buntes: Der Palais e.V. – Freizeit, lernen, helfen – Teil 2

Der Palais e.V. ist der größte Anbieter ambulanter Familienhilfen in der Region Trier – und mehr. 5vier führt ein Gespräch mit Geschäftsführer Reinhold Spitzley über die Arbeit, Probleme und die Familie.

Hier geht es noch zum ersten Teil der zweiteiligen Reihe Der Palais e.V. – Freizeit, lernen, helfen

5vier: Herr Spitzley, vielen Dank, dass Sie heute Zeit für uns haben. Vielleicht können Sie uns kurz erklären, was Ihre Aufgaben hier im Palais e.V. ist?

Spitzley: Ich bin Geschäftsführer und Leiter des Palais e.V. Ich habe hier vor über 20 Jahren als Hauptamtlicher angefangen und bin mit der Einrichtung gewachsen.

 

5vier: Was braucht man als Leiter eines solchen Vereins für Qualifikationen?

Spitzley: Wie immer im sozialen Bereich ist es eine Mischung. Zum Einen braucht man Kenntnisse aus dem pädagogischen Bereich, zum Anderen ist natürlich auch Wissen aus dem betriebswirtschaftlichen Bereich erforderlich.

 

5vier: Was haben Sie gemacht, bevor Sie zum Palais e.V. gekommen sind?

Spitzley(lacht): Das ist sehr vielfältig. Ich habe verschiedene Fächer studiert, ich bin viel gereist und habe auf vielen Ebenen Erfahrungen gesammelt. Ich habe in einem Gastronomieprojekt, als ASTA Sprecher und in verschiedenen Umwelt- und Friedensprojekten gearbeitet. Nach der Familiengründung habe ich dann mein Studium der Pädagogik und Sozialmanagement erfolgreich abgeschlossen.

 

5vier: Sie arbeiten schon sehr lange beim Palais. Gibt es persönliche Highlights?

Spitzley: Es gibt immer Geschichten, die man nicht vergisst. Das aktuelle Highlight ist mit Sicherheit der Umzug und die Zusammenführung der bis dato in der Stadt auf verschiedene Standorte verteilten Abteilungen hier in die Christophstraße gewesen. Ansonsten sind es Projekte, wie zum Beispiel die Wiedereröffnung des Palais Walderdorf, bei dem wir dem wir bereits in den ersten neun Monaten über 100.000 Besucher begrüßen konnten, das Projekt RidZ, für das wir nach der Konzeptentwicklung einen Preis erhalten haben – aber auch ganz kleine, menschliche Dinge bleiben hängen.

 

5vier: Was ist Ihrer Meinung nach die wichtigste Aufgabe des Palais e.V. hier in der Region?

Spitzley: Wir stoßen in Absprache mit den Jugendämter, Jobcentern und den Ministerien Prozesse dort an, wo sie notwendig sind – und zwar schnell und vor allem sinnvoll. Wir erkennen auf Grund unserer Erfahrung und Vernetzung die Missstände und können relativ unkompliziert Projekte ins Leben rufen. Der Schwerpunkt liegt hier in den „Hilfen zur Erziehung“, der Schulsozialarbeit, der Berufshilfe und der Schulsozialarbeit.

 

Geschäftsführer Reinhold Spitzley. Foto: {link url="http://www.artflakes.com/de/shop/lars-eggers"}Lars Eggers{/link}

5vier: Wie hat sich die Arbeit mit jungen Menschen in den letzten 20 Jahren Ihrer Ansicht nach entwickelt?

Spitzley: Die Zeit ist durch Computer und Internet sehr viel schnelllebiger geworden. Das heißt auch, dass Probleme sehr viel schneller transportiert und schneller abgehandelt werden. Es ist schwieriger geworden Menschen dauerhaft zu binden. Man kann Menschen schnell für eine bestimmte Sache begeistern, aber gerade im Vergleich zu meiner früheren Arbeit im Umwelt- und Friedensbereich fällt hier auf, dass die Menschen nicht mehr so kontinuierlich dabei sind. Ich würde jedoch nicht sagen, dass die Betroffenheit einen andere ist, wir müssen nur anders auf die Menschen zuarbeiten.

Auch die Sozialschere macht sich immer deutlicher bemerkbar. Ein kleiner Teil unserer Gesellschaft hat Zugang zu vielen Ressourcen, während andere Teile zunehmend weniger Zugang haben. Diese Kluft muss überwunden werden, denn hier liegt viel sozialer Zündstoff begraben.

 

5vier: Ist es heute schwieriger Erfolge zu erzielen, als noch vor 15 Jahren?

Spitzley: Nein. Es ist anders, aber nicht schwieriger. Zuwendung, Zuhören und ehrliche Bemühungen sind nach wie vor die Grundlage unserer Arbeit.

 

5vier: Das größte Problem, mit dem der Palais e.V. zu kämpfen hat ist…?

Spitzley: …die unklare Arbeits- und Finanzsituation. Wir haben viele Projekte, die laufen meist ein Jahr. Danach müssen wir alles neu beantragen, das ist sehr unsicher. Bei uns arbeiten Menschen daran, anderen eine Berufsperspektive zu geben, und wir müssen gleichzeitig auch deren berufliche Situation immer wieder absichern.

Zudem – etwas überspitzt gesagt – muss man für eine Stunde sozialer Arbeit mit und an Menschen inzwischen zwei Stunden Verwaltungsarbeit investieren. Wir haben jetzt zum Beispiel bei einer Behörde einen 60seitigen Antrag auf einen Antrag einreichen müssen. Das ist kein gutes Verhältnis und es wird von Jahr zu Jahr schlimmer – da muss sich was ändern. Ganz klar, Kontrolle unserer Arbeit ist wichtig, aber wenn die Verwaltung die Arbeit an den Menschen überflügelt, stimmt etwas nicht.

 

5vier: Der Verfall der Familienstrukturen und die soziale Vereinsamung der Menschen werden nun schon seit Jahren heiß diskutiert. Haben Sie bei Ihrer Arbeit mit den Betroffenen eine „Wurzel allen Übels“ gefunden?

Spitzley: Die Familien haben sich verändert, ja, aber ob das nun die Wurzel allen Übels ist weiß ich nicht. Heute gibt es eine andere soziale Verankerung. Nicht die Quantität der sozialen Kontakte zählt, sondern die Qualität.

 

5vier: Sie sind selbst Familienvater. Spiegelt sich Ihre Arbeit in Ihrer Familie wider?

Spitzley: Meine Kinder sind mittlerweise erwachsen und leben im Ausland. Aber ich glaube, ich habe immer von meiner Arbeit profitiert und konnte die Entwicklung meiner Kinder genau verfolgen. Im Gegenzug haben meine Kinder mich auch jung gehalten.

 

5vier: Der Halt in der Familie ist immer noch wichtig?

Spitzley: Ja, auf jeden Fall. Aber es geht wie gesagt nicht um Quantität. Es können beide Elternteile arbeiten und trotzdem eine gute Zeit mit ihren Kindern verbringen. Qualität zählt, gerade bei allein erziehenden Elternteilen. Das ist eine Balance, die jeder für sich finden muss. Es gibt zudem auch viele Ersatzmöglichkeiten für den Halt in der Familie: gute Freunde oder Bezugspersonen im sozialen Bereich können diese Funktion zumindest annähernd auch ausfüllen.

 

5vier: Wie sieht Ihre persönliche Zukunft aus? Haben Sie Pläne und Wünsche?

Spitzley: Ich möchte das, was wir haben, für Mitarbeiter, Besucher und die Region erhalten und ausbauen. Ich würde mich über etwas mehr Stabilität in unserer Arbeit freuen.

Persönlich möchte ich gesund bleiben und auch in zehn Jahren noch im sozialen Feld tätig sein.

 

5vier: Herr Spitzley, vielen Dank für das Gespräch.

 

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Kommentare (2)

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  1. Claas sagt:

    Auch von mir alles gute an die engagierten Leute vom Palais. Wir haben eine Azubine im Betrieb, die noch immer sehr gut von euch spricht.

    Weiter so!!

  2. Der Franzl sagt:

    Wie schön, dass es noch immer einen solch engagierten Verein gibt, der von solch symphatischen Menschen geführt wird.

    Gut, dass die, die Hilfe brauchen nicht im Regen stehen gelassen werden, nur weil es vielen gut geht. Weiter so!

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