Buntes: „Ein Vampir nach meinem Geschmack“

Die frischgebackene Autorin Sandra Baumgärtner (S.B.) hatte am 14. Mai die Premiere ihres ersten Buches „Seraphim – Carpe noctem“ (5vier.de berichtete). Vorher stand die 41-jährige Mutter von zwei Kindern (6 und 4 Jahre alt) zu einem Interview mit 5vier-Redakteurin Stefanie Braun bereit.

5vier: Du bist keine gebürtige Triererin, wo kommst du her?

S.B.: Ich bin in Ludwigshafen am Rhein geboren. Vor 12 Jahren hat mein Mann hier eine Stelle gefunden und wir sind nach Trier gezogen.

5vier: Was machst du neben dem Bücher schreiben?

S.B.: Ich bin im Moment Hausfrau und Mutter. Als wir hier ankamen habe ich noch als Optikerin gearbeitet. Nach zwei oder drei Jahren habe ich dann meinen Job aufgegeben, weil es mir keinen Spaß mehr machte. Ich habe mich an der FH in Trier für ein Innenarchitekturstudium beworben, bin genommen worden und habe auch fertig studiert. Zum Ende des Studiums bin ich schwanger geworden, habe mein Diplom aber noch gemacht – mit meinem Baby im Arm. Danach war dann erstmal noch das zweite Kind angesagt, außerdem der Hausbau und die Hochzeit – jetzt bin ich Hausfrau und Mutter. Und Autorin (lacht).

5vier: Was bedeutet Trier für dich?

S.B.: Trier ist wider erwarten zu meiner Heimat geworden. Ich komme auch nicht aus einer großen Stadt. Aber ich komme aus der Rheinebene, das heißt man hat sehr schnell Zugang zu großen Städten, wie Frankfurt, Darmstadt, Mannheim oder Ludwigshafen. Das hat mir hier am Anfang sehr stark gefehlt. Trier war sehr klein und abgeschieden. Auf der anderen Seite habe ich diese Abgeschiedenheit sehr gemocht. Wir haben am Anfang in Sommerau gewohnt, da bist du aus der Haustür rausgekommen und warst im Nichts – im positiven Sinne. Ich hab das gemerkt wenn ich von der Arbeit nach Hause gefahren bin, man ist über die Korlinger Höhe gefahren und hat den ganzen Wust einfach in der Stadt gelassen. Das war das Positive, aber es war halt wirklich weit ab vom Schuss. In den letzten Jahren habe ich Trier aber besser kennen und vor allem lieben gelernt. Jetzt sehe ich auch die Vorzüge, die das Leben hier mit sich bringt. Hier gibt es alles was man braucht. Trier ist eine Stadt mit sehr vielen tollen Dingen – einer interessanten Geschichte und einer tollen Natur drum herum.

5vier: Wie kamst du denn überhaupt dazu Schriftstellerin zu werden? Ist das dein erstes Buch oder hast du vorher auch schon geschrieben?

 

Sandra Baumgärtner konnte es mit dem Schreiben gar nicht schnell genug gehen.

S.B.: Ich habe vorher schon Reisetagebücher geschrieben. Währen einer langen Reise durch Australien habe Buch geführt, da kam schon einiges bei rum. Aber ein richtiges Buch habe ich bisher noch nicht geschrieben. Dieser Roman jetzt war auch nicht geplant als solcher. Es war einfach nur eine Geschichte, die mir im Kopf herum spukte und die ich dann aufgeschrieben habe. Meine beste Freundin hat es gelesen und sagte, dass ich unbedingt weiter schreiben soll. Das hat mich dann angespornt und ich habe weiter gemacht. Ich wollte einfach mal sehen, was daraus wird, hatte aber nie das Ziel ein Buch zu schreiben. Ab dem Zeitpunkt als ich weiter schrieb, war es wie eine Explosion in meinem Kopf – ich kam mit dem Schreiben nicht hinterher – es ging einfach nicht schnell genug. Die beiden Protagonisten haben in meinem Kopf unablässig gesprochen und erst als dann alles raus war und die beiden „zufrieden“ waren, gab’s ein bisschen Ruhe in meinem Inneren. Die Geschichte war fertig und ich war darüber sehr erstaunt. Ich hab angefangen zu korrigieren und nochmal drüber zu lesen. Meine Freundin hat’s dann nochmal gelesen und war hin und weg. Sie hat es dann noch an einen bekannten Autoren weitergegeben. Der meinte auch, dass ich etwas damit machen müsste und es nicht in der Schublade liegen lassen darf. Ich hab es dann im Copyshop binden lassen und es auch ein paar Freunden gegeben. Das war für mich fast wie ein Offenbarungseid. Denn ich hatte das alles im Geheimen gemacht. Nur Andrea, meine beste Freundin, wusste davon, zum Schluß noch mein Mann, weil er sich gewundert hatte, wieso ich so oft am Laptop saß. Rauszugehen und zu sagen, dass ich ein Buch geschrieben hatte, war schon ein Akt. Aber meine Freunde waren dann alle positiv überrascht. Auch Leute, die normalerweise nichts mit Vampirromanen zu tun haben, fanden es spannend. Daraufhin habe ich mein Manuskript an verschiedene Verlage geschickt.

5vier: Wieviele Verlage musstest du anschreiben?

S.B.: Größenwahnsinnig wie ich bin, habe ich erst die Großen angeschrieben. Von denen kamen natürlich Absagen oder sie haben gar nicht geantwortet. Summa summarum waren es vielleicht acht. Ich habe es dann ein letztes Mal bei zwei oder drei kleinen Verlegern versucht – wenn das nichts geworden wäre, hätte ich es auch sein gelassen. Dann hätte ich ein Buch für mich geschrieben, das hätte dann auch gereicht. Der letzte Verlag (éditions trève) zu dem ich Kontakt aufgenommen hatte, wollte mein Buch dann zum Glück veröffentlichen.

5vier: Woher hast du die Inspiration genommen?

S.B.: Ich weiß es nicht, die war einfach da. Wenn ich geschrieben habe, habe ich dabei nicht nachgedacht. Es war wirklich so, dass ich mit dem Schreiben nicht nachkam. Wenn ich dann mal irgendwo hängen blieb, war es meist eine meiner Hauptpersonen, die mir sagte, wie es weitergehen soll. Manchmal habe ich die Stelle auch erstmal ausgelassen und woanders weitergeschrieben. Ich sammelte auch oft Inspirationen, egal wo ich war. Ich habe Sachen gesehen, die mir gefallen haben, speicherte sie irgendwo ab und wenn ich dann Ideen brauchte, waren sie einfach da.

5vier: Was war denn das Schwierigste am Entstehungsprozeß?

S.B.: Mein Problem war, dass ich nicht genug Zeit hatte. Ich hätte gerne rund um die Uhr geschrieben. Ich hatte einmal auch einen richtigen Schreibflash, da mussten die Kinder übers Wochenende zu meinen Eltern. Ich habe dann wirklich von morgens um neun bis nachts um drei durch geschrieben. Danach war ich fertig, aber es war klasse, weil ich über zwanzig Seiten fertig hatte.

5vier: Was sagst du zum Vampir-/Twilighthype, der zur Zeit um sich greift?

S.B.: Ich kann das schon nachvollziehen. Wenn ich zwanzig Jahre jünger wäre, wäre ich bestimmt auch so. Ich habe die Biss-Bücher auch immer sehr gerne gelesen, allerdings ist es so, dass das nicht die Art Vampire waren, die ich bevorzuge. Bram Stoker’s Dracula war da eher mein Fall. Edward Cullen (aus Twilight) ist für mich einfach kein gestandener Vampir und als ich dann den Film gesehen habe war es vorbei. Dieses dahinschlappende Etwas ist für mich einfach kein Vampir. Das ist nichts für mich. Mein Leander ist einfach ein kerniger Typ, der Charakter hat und der es einfach nicht nötig hat, so schlappig daher zu kommen.

5vier: Planst du ein zweites Buch?

S.B.: Ja. Die Idee steht. Ich würde gerne einen zweiten Teil schreiben, aber es kommt auch drauf an, wie mein Buch jetzt ankommt.

Auch Verleger Rainer Breuer vom Verlag „Kleine Schritte“, der hier in Trier ortsansässig ist, beantwortete ein paar Fragen zum neuen Trierer Vampirroman.

5vier: Wie kamt ihr an das Buch?

Rainer Breuer: Es gehörte zu einem der vielen Manuskripte, die jedes Jahr eingesandt werden, von einzelnen Gedichten bis hin zu komplexen Romanen. Es ist durch’s Lektorat gewandert, die üblichen zwei bis drei Stufen und dann wurde eine Entscheidung gefällt. Also der ganz normale Weg.

5vier: Wie war die Zusammenarbeit mit Frau Baumgärtner?

R.B.: Sehr gut, das kann man nicht anders sagen.Wir haben beide eine Ader zur Gothik- Szene, bevorzugen zwar unterschiedliche musikalische Richtungen, aber da war schon eine Basis des Verstehens. Man konnte auch im Lektorat gut mit ihr zusammenarbeiten, das ist immer sehr wichtig – sie ging auch gut mit Kritik und Änderungen um.

5vier: Gab es denn viele Änderungen?

R.B.: An der Substanz nicht. Im Detail muss man sich das allerdings so vorstellen, wie mit einer Nagelfeile: Es ist ein langsamer und aufwändiger Prozess in mehreren Stufen. Es wird viel sprachlich gearbeitet. Wenn irgendwo ein Bezug fehlt, muss man inhaltlich etwas ergänzen. Man muss sich fragen, ob an bestimmten Stellen etwas gestrichen werden kann. Bei einem Roman von über 200 Seiten ist das sehr aufwändig.

5vier: Sind Geschichten mit Vampiren neuerdings ein Erfolgsrezept?

R.B.: Keine Ahnung. Ganz sicher ist allerdings, dass seit ein paar Jahren Vampirromane auf den Bestsellerlisten stehen. In den 60iger und 70iger Jahren kam die erste Vampirwelle mit Filmen wie beispielsweise Dracula (mit Christopher Lee). Was dann die neuen Vampirromane inspiriert hat, waren die Geschichten von Anne Rice in den 80igern – das war also noch lange vor dem jetzigen Hype. Dann kamen Filme wie Interview mit einem Vampir, die Blade-Serie, Underworld,… in die Kinos. Das sind moderne Vampir-Action-Filme, die nichts mehr mit der Figur von Bram Stoker zu tun haben. Der Grund weshalb wir diesen Roman gemacht haben ist der, dass es der erste Vampirroman ist, der in Trier spielt. Wir fanden es sehr witzig gelöst, wie das ganze eingebettet wurde. Dazu kommt noch, dass die Protagonisten nicht in dieser Stadt bleiben, sondern zum Beispiel nach Leipzig zu einem Festival gehen. Zwischendurch spielt es noch in Marburg oder an anderen Orten. Also man kommt auch rum im Land, hat aber trotzdem die Wurzeln hier und das war eine sehr interessante Basis für uns.

5vier: Wir bedanken und bei Sandra Baumgärtner und Rainer Breuer für das Interview und wünschen viel Erfolg für die Zukunft.

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