Buntes: Eine Trennung schweren Herzens – Ciao „Brot und Spiele“

Von Kim Henningsen (Text und Fotos)

„2013 holen wir Luft und 2014 gehen wir wieder ran an den Speck“, formuliert Thomas Egger, Kulturdezernent der Stadt Trier, das vorläufige Ende von Brot und Spiele. Die bundesweit bekannte Veranstaltung wird im Jahre 2013 nicht stattfinden. Das ist das Fazit, welches die Stadt Trier als Veranstalter und die durchführende Agentur medienfabrik trier GmbH aus der diesjährigen Bilanz ziehen.

Nach elf erfolgreichen Jahren, in denen sich die Kulturveranstaltung zu einem professionellen Event gesteigert hat und mehrmals ausgezeichnet wurde, 2006 beispielsweise mit dem Innovationspreis der Bundesrepublik „Deutschland, Land der Ideen“, sei das Römerspektakel 2012 nicht nach Wunsch verlaufen und werde mit einem Defizit von 51 000 Euro im Haushalt verbucht.

„Wieviel „Brot und Spiele“ kriegen wir für unser Geld?“ Kulturdezernent Thomas Egger

Nun soll das Jahr 2013 genutzt werden, um das Konzept zu überdenken und eine wirtschaftliche sowie strukturelle Lösung zu finden. Beide Partner seien von der Veranstaltung überzeugt, betont Eggert und erklärt, dass das Jahr als künstlerische Schaffenspause benötigt werde, um das Event 2014 auf einer wirtschaftlich sauberen Grundlage durchführen zu können und eine Konstruktion zu finden, die es der Stadt ermöglicht, das Projekt zu stemmen. Die Entscheidung, ein Jahr auszusetzen, sei nicht ad hoc gefallen, vielmehr hätte man intensiv verhandelt. Die Idee der Agentur, eine eigene „Brot und Spiele Durchführungsgesellschaft“ zu gründen, sei für die Stadt keine Option gewesen, da der finanzielle Rahmen gesprengt worden wäre. „Der Zuschuss von 150 000 Euro überschritt die wirtschaftliche Grenze deutlich“, so der Kulturdezernent. Dass allerdings ein neues Konzept gefunden werden müsse, darin sind sich die Partner einig: „Es ist weder im Sinne der Stadt, noch der Medienfabrik, das Konzept so weiterzuführen.“

„Die Veranstaltung wird ausgesetzt, nicht aber eingestampft.“ Geschäftsführender Gesellschafter medienfabrik trier GmbH, Ronald Frank

„Wir bitten darum, diese Entscheidung zu respektieren“, äußern die Veranstalter und danken allen Mitwirkenden der vergangenen Spiele. Schauspieler, Mitarbeiter der Agentur, Planer und Organisatoren, Sponsoren und Partner wie beispielsweise das Kulturbüro, hätten in den letzten Jahren gute Arbeit geleistet und ihnen sei Respekt zu zollen. Alle Beteiligten hätten das Event mit viel Freude unterstützt, die Trierer dagegen hätten das Spektakel wohl nicht als „geliebte Marke“ angenommen. Mit diesen Worten versucht Ronald Frank, geschäftsführender Gesellschafter der medienfabrik trier GmbH, die diesjährige Bilanz, die deutlich unter den Erwartungen geblieben ist, zu erklären. „Der Zulauf von Außerhalb ist vorhanden“, erklärt Frank, ein Großteil der Tickets sei überregional verkauft worden. Das Konzept sei für Auswärtige interessant, die Trierer scheinen dagegen übersättigt. So blieben nicht nur die Eintrittseinnahmen mit 220 000 Euro deutlich unter dem geplanten Wert von 275 500 Euro, auch die öffentliche Förderung erreichte nicht den gewünschten Betrag.

Man habe zu hoch gepokert und sei deshalb von einem „Erfolgsmodell zu einem Defizitmodell“ geworden, erklärt Frank. Nun müsse man überlegen, was eine solche Veranstaltung die Stadt kosten dürfe und Verhandlungen führen, um für 2014 eine solide Grundlage zu schaffen, äußert Egger. Es solle nichts komplett Neues geschaffen werden, der Rahmen sei die jetzige Konzeption, die allerdings einige Veränderung nötig habe. Eine Veränderung werde in der Durchführung liegen, die 2014 nicht komplett von der medienfabrik trier GmbH getragen werde. Verstärkt soll auf die lokalen Akteure zurückgegriffen werden, um das Römerspektakel 2014 in kleinerem Rahmen zwar, aber dennoch professionell durchführen zu können. Auch Ort und Datum des Geschehens seien zu diskutieren, beispielsweise könnte eine Zusammenlegung der vielfältigen Veranstaltungen in eine antike Römerstätte, die Stadt finanziell entlasten.
Die Sinnhaftigkeit des Römerspektakels werde von Seiten der Stadt nicht in Frage gestellt. Zudem betont Egger, dass alle Bürger und Bürgerinnen herzlich eingeladen seien, konstruktiv an der Neukonzeption der Veranstaltung mitzuwirken.

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