Buntes: GEMA – Andy B. Jones‘ Meinung zur geplanten Tarifreform

Die GEMA plant eine Reform ihrer Tarife für Veranstaltungen mit Live-Musik oder Tonträgerwiedergaben. Wie man als Partymacher über eine solche Erhöhung denkt und ob sie vielleicht sinnvoll ist, erzählte uns Andy B. Jones.

Der Zebraclub im Safarihaus in der Trierer Innenstadt Foto: A.Heinen

Am 1. Januar 2013 könnte es unter Umständen soweit sein – die GEMA erhöht ihre Gebühren für Veranstaltungen. Laut GEMA sei das momentane Vergütungssystem zu kompliziert und man wolle für eine Entlastung kleinerer Veranstalter sorgen. Betroffen seien Veranstaltungen mit Live-Musik und Tonträgerwiedergaben, reine Konzerte seien von der Erhöhung ausgeschlossen.

Die Vergütung soll sich im neuen Vergütungssystem nach der wirtschaftlichen Größe einer Veranstaltung und der Höhe des Eintrittsgeldes richten. Im Klartext hieße das, je größer eine Location und je mehr Eintritt gefordert wird, desto höher werden die anfallenden Gebühren für den Veranstalter. Dass das für manche Diskotheken-, Kneipenbesitzer oder Stadtfeste das Todesurteil bedeuten könnte, sollte nicht ausgeschlossen werden.

Eine Meinung

Andreas Berg, a.k.a Andy B. Jones, Diskotheken- (Zebra-Club), Barbesitzer (Sky Lounge) und DJ (Funky L.A. und Houselovers), und somit auch selbst Mitglied in der GEMA, steht der ganzen Gebührenerhöhung sehr kritisch gegenüber: „Wenn die damit durchkommen, dann verübe ich einen terroristischen Anschlag auf die GEMA!“, scherzt er und wird dann ernst. „Nein, ehrlich, für mich ist das reine Geldmacherei und total übertrieben.“ Er findet es außerordentlich fragwürdig, dass zum Beispiel ein DJ Ötzi Geld von seinem Club erhält, obwohl er nie seine Musik spielen würde. Die erhöhten Kosten dann durch teurere Getränke wieder einholen zu wollen, halte er nicht für realistisch.

Andreas Berg hat eine eigene Meinung zum Thema GEMA-Erhöhung. Foto: privat

Momentan bezahle er für vier Samstage im Zebra-Club 500 Euro und für die CD, die als Hintergrundmusik in der Sky Lounge spielt, 90 Euro an die GEMA: „Das ist für mich okay, damit habe ich mich abgefunden“, so Andy. „Aber die GEMA sollte endlich ihr System überdenken.“ Als konkretes Problem sehe er die Verteilung der Gelder an: „Erstens, wo sind die Künstler, die nicht ständig im Radio gespielt werden, also kaum Airplays haben? Und zweitens spielen viele Clubs Sound, der fast gar nicht von der GEMA erfasst wird. Wo bekommen diese Künstler also ihr Geld für Ihre Kreativität?“, prangert er an.

Die Gema habe zudem, wie die großen Plattenfirmen, alles verpennt: „Jetzt diese neue Struktur zu fordern ist der Hohn! Jemand wie ich, der gleichzeitig Künstler ist, und somit auch mal Minibeträge von der Gema bekommt (da ja kein Nummer-1-Hit wie Bohlen), aber auch Gast und Unternehmer ist, kann auf keinen Fall die geplante Erhöhung unterstützen. Das ist ein Eingriff in die unternehmerische Freiheit!“, stellt Andy fest. „Wir leben schließlich nicht mehr im Jahr 1970, sondern wir haben 2012.“ Es sei somit höchste Zeit, dass sich etwas ändert.

Auf die Frage, ob er denn jetzt schon unter Existenzängsten leiden würde, antwortete er: „Noch ist nichts entschieden. Wer weiß, vielleicht kommt es gar nicht zur Erhöhung.“ Eine oder mehrere Locations nach einer möglichen Erhöhung allerdings aufzugeben, käme für ihn nicht in Frage.

Wehrt euch!

Er habe auch schon eine Online-Petition gegen die geplante Tariferhöhung unterschrieben: „Ich finde, dass sich die Bürger gegen solche Maßnahmen wehren sollten“, betont er. Er habe zudem das Gefühl, als wäre das Thema momentan nicht interessant genug: „Ich habe Stern TV und Markus Lanz angeschrieben, aber leider nur Absagen bekommen“, bedauert Andy. Wenigstens die Sendung quer vom Bayerischen Rundfunk scheint die Wichtigkeit des Themas erkannt zu haben:

Gerne hätten wir auch die GEMA selbst hier zu Wort kommen lassen, doch auch nach mehrmaligem Kontaktversuch konnte oder wollte die GEMA die Fragen von 5vier nicht beantworten.

Bleibt für Veranstalter zu hoffen, dass durch erhöhte Medienaufmerksamkeit das Thema mehr Beachtung bekommt und dass dieses vielleicht am Ende dazu führt, dass die GEMA ihre geplante Erhöhung nicht durchbekommt.

Wer sich genauer über die geplanten Erhöhungen informieren möchte und wie sich diese berechnen, der sollte auf der offiziellen Seite der GEMA vorbeischauen. 

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