Keine Angst mehr zu trinken – Brunnenprojekt der Antonia Ruut Stiftung

Die in Trier ansässige Antonia Ruut Stiftung hat zwei solarbetriebene Brunnen in Äthiopien aufgebaut. 5vier spricht mit den Vorständen Peter Hoffenbach, Peter Mischo und dem Projektmanager Oliver Kopsch über Probleme und den Nutzen des Brunnenprojektes.

Foto: {link url="http://www.antonia-ruut-stiftung.de/"}Antonia Ruut Stiftung{/link}

Die Antonia Ruut Stiftung hat nur zwei Mitarbeiter – aber sie bewegt viel. Die 2005 von dem Dortmunder Textilhändler Gustav Ruut in Andenken an seine Frau gegründete Organisation hat allein seit 2008 über 70 Hilfsprojekte durchgeführt – in der Region Trier und überall auf der Welt. Die beiden Vorstände Peter Hoffenbach und Peter Mischo haben dabei alle Hände voll zu tun. Ob nun Armutsbekämpfung in Vietnam und Bangladesch, medizinische Grundversorgung an der westafrikanischen Küste oder die Hilfe krebskranker Kinder direkt in Trier – es gibt immer zu tun. Die Antonia Ruut Stiftung arbeitet hier mit namhaften Organisationen, wie der Welthungerhilfe, den Tafeln oder auch dem Mutterhaus in Trier zusammen.

Solarbrunnen für Äthiopien

Von Links: Peter Mischo, Peter Hoffenbach, Oliver Kopsch. Foto: {link url="http://larseggers.artworkfolio.com/"}Lars Eggers{/link}

Ein Projekt beschäftigte die beiden engagierten Männer in den letzten Jahren besonders: Der Brunnenbau und die dauerhafte Versorgung mit Trinkwasser von Afto in der Region Bonosha, Äthiopien.

„Das Problem vieler Brunnenprojekte ist die Dauerhaftigkeit: Circa 80% der Brunnen sind nach einem Jahr funktionsunfähig. Unser Ziel war es, zu den anderen 20% zu gehören und eine langfristig funktionierende Brunnenanlage aufzusetzen“, erklärt Peter Hoffenbach, „Dabei ist die Grundidee für uns in Deutschland gar nicht so bahnbrechend: Wir nutzen Solarenergie, um die Pumpe in dem Tiefbrunnen mit sauberem Strom zu versorgen.“

24 Monate dauerte es, bis die Planung abgeschlossen, die Bürokratie bewältigt und die Brunnen schließlich gebohrt und ausgebaut waren. Ende 2011 floss dann der erste Tropfen Wasser aus den beiden Brunnen.

Nachhaltig und beständig

Foto: {link url="http://www.antonia-ruut-stiftung.de/"}Antonia Ruut Stiftung{/link}

Oliver Kopsch ist Wasserberater bei DWC (DecRen Water Consult). Er hat das Konzept des solaren Brunnens entwickelt, die gesamte Abwicklung zusammen mit lokalen Partnern durchgeführt und letzlich den Bau und Betrieb als Projektmanager beaufsichtigt.

„Das technische Konzept hinter den Solarbrunnen ist im Prinzip sehr einfach“, so Kopsch; „ Es wird ein 120 Meter tiefes Brunnenloch gebohrt, in dem in 50 Metern Tiefe eine Pumpe installiert wird. Mit einem Kabel wird die Pumpe dann direkt mit Solarpanelen verbunden, das sich automatisch dem Sonnenverlauf anpasst und den Strom liefert – all das ohne Umwege über eine Batterie oder ähnliches. Je nach Sonneneinfall liefert die Solaranlage mehr oder weniger Strom, das heißt auch die Pumpe arbeitet schneller oder langsamer. Wenn keine Sonne scheint, fördert die Pumpe auch kein Wasser. Deswegen wird das Wasser in einem Zwischentank mit 5000 Litern zwischengepuffert und vor der Abgabe noch mit UV Strahlung zur zusätzlichen Desinfektion hygiensiert . So ist eine beständige Verfügbarkeit an sauberem Trinkwasser gegeben, auch abends oder nachts.“

Beim Bau der Brunnen wurde auch genau darauf geachtet, dass möglichst viele Materialen aus der Region oder dem Land selbst kommen – nur was dort nicht erhältlich war wurde aus Deutschland komplementiert.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Jeden Tag geben die Brunnen 25.000 Liter Wasser aus und versorgen auf diese Weise bis zu 15.000 Menschen mit sauberem Trinkwasser.

„Um die Nachhaltigkeit zu sichern, verschenken wir das Wasser nicht einfach. Es wird gegen eine geringe Kostenpauschale von einer extra hierfür gegründeten Hilfsorganisation verkauft. Von dem Ertrag werden die Mitarbeiter vor Ort bezahlt und die Anlage instand gehalten“, erklärt Kopsch.

Logistikprobleme und Wartungsfreiheit

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Ganz ohne Hindernisse lief der Bau der Brunnen in der abgelegenen Region Äthiopiens natürlich nicht ab. „ `Man bohrt ein Loch‘, das klingt so einfach. Die Logistik am Standort ist aus deutschen Augen ein echter Alptraum. Es gab dort keine entsprechenden Straßen, das lokale Equipment zur Brunnenbohrung musste mit zwei 22-Tonnern vor Ort transportiert werden. Die Bevölkerung hat hierfür extra Straßen angelegt. Da hat dann sogar der lokale Governor mit angepackt“, erzählt Peter Mischo. Diese langen, teuren und schwierigen Logistikwege waren einer der vielen Gründe, warum das Team sich auf einen mit Solarzellen betriebenen Brunnen einigte.

„Jeder Defekt muss behoben werden, das dauert natürlich. Solarenergie ist sehr wartungsarm und dabei deutlich robuster als andere Maschinen und Generatoren. Allein die Notwendigkeit Benzin transportieren und lagern zu müssen bricht vielen Dieselgeneratoren das Genick“, weiß Mischo zu berichten, „Wir können unsere Brunnen mit einem Minimum an Wartungs- und Kostenaufwand betreiben. Da auch in Äthiopien der Benzinpreis ständig gestiegen ist, wäre unser Projekt jetzt nach 12 Monaten nicht mehr kostendeckend gewesen, hätten wir auf Diesel als Betriebsmittel gesetzt.“

Weitreichende positive Folge für die Region

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„Von den unzähligen Auswirkungen, die unser Projekt in der Region hat, ist mir ein kleines Mosaiksteinchen besonders in Erinnerung geblieben“, erzählt Peter Hoffenbach, „Eine Mutter von drei Kindern sagte zu mir: `Meine Kinder haben jetzt keine Angst mehr zu trinken.‘“ Vor der Inbetriebnahme der Brunnen waren wasserbezogene Krankheiten die Todesursache Nummer Eins in der Region. Aber nicht nur hygienische Aspekte machen das Brunnenprojekt zu einem Erfolg. „Es ist eine eigene Wirtschaft um die Brunnen entstanden“, so Hoffenbach, „Wasser ist die Grundlage ist für praktisch alles. Wir haben da sehr viel mehr erreicht, als man jetzt so aufzählen könnte.“

„Das ganze Konzept ist als integriertes und autarkes Komplettpaket gedacht und im Prinzip überall duplizierbar“, erklärt Oliver Kopsch, „Nach diesem Riesenerfolg bauen wir derzeit in Afto zusätzlich noch ein Waschhaus für Wäsche, eine öffentliche Dusche und vernünftige Toiletten. Eine integrierte und solarbetriebene Kläranlage sorgt für die sichere Aufbereitung und direkte Wiederverwendung des Abwassers. Die Erweiterungen werden noch in diesem Jahr fertig werden und die hygienische Situation vor Ort noch weiter verbessern.“

Hoffenbach, Mischo und Kopsch hoffen nun, dieses Pilotprojekt dann auch in anderen Gegenden mit dem gleichen Erfolg einsetzen zu können.

 

Wer die Antonia Ruut Stiftung bei Ihren Projekten unterstützen möchte, der besucht ihre Homepage und wendet sich direkt an Peter Hoffenbach oder Peter Mischo.

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