Buntes: „Lustgarten“ – Rut Blees Luxemburg im Stadtmuseum

Von Kim Henningsen (Text und Fotos)

„Wir denken, wir fallen; aber wir tun es nicht. Wir haben das Gefühl, uns festhalten zu müssen, um nicht zu stürzen“, mit diesen Worten beschreibt die Kunsthistorikerin Anne Hoffmann die Fotografie „Vertigious Exhilaration“ – Eine von 15 Fotoarbeiten der Künstlerin Rut Blees Luxemburg, die seit Mittwoch im Stadtmuseum Simeonstift zu sehen sind. Im Rahmen der museale 12 wurden die Neuerwerbungen vergangene Woche der Presse und dem Publikum vorgestellt.

Kunsthistorikerin Anne Hoffmann erklärt Luxemburgs Werk

In Luxemburgs Werken ist der Mensch abwesend. Durch seine Abwesenheit erscheint er dem Betrachter jedoch anwesend, hinterlässt er in den Bildern doch Spuren seines Selbst – so beispielsweise die Sitzkissen in „Die Macht der Musik“, die scheinen, als hätten eben noch Personen auf ihnen gesessen. Im Gegensatz zu dieser Abwesenheit in den Fotografien, waren bei der Präsentation der Werke im Stadtmuseum, neben Vertretern der Stadt und des Stadtmuseums, auch Mitglieder der Sparda-Bank und die Künstlerin selbst anwesend.

Rut Blees Luxemburg vor ihrem Werk „Black Sunrise“

„Es ist mir eine große Freude, dass mein Werk nun auch in meiner Heimat ausgestellt ist“, äußert Rut Blees Luxemburg und dankt für die kontinuierliche Förderung ihrer Arbeit. Die aus Trier stammende Fotografin ist nun bis Anfang nächsten Jahres mit 15 großformatigen Arbeiten unter dem Titel „Lustgarten“ im Stadtmuseum vertreten. Entgegen den Assoziationen, die dem Besucher bei dem Namen „Lustgarten“ vorschweben, thematisiert die Künstlerin in ihren Werken die Stadt und die urbane Sphäre. „Lustgarten“, als biblischen Begriff, habe sie gewählt, erklärt Luxemburg, um dem Betrachter durch die Bilder zu zeigen, dass man „irgendwo in all diesen Städten den sinnlichen Moment erleben kann“.

Diese Momente, diese Stille und Ruhe werden in ihren Bildern visualisiert. Fernab von der städtischen Hektik werde in ihren Bildern das stille und leere Gesicht einer Stadt präsentiert. Um dieses Ziel zu erreichen, greift Luxemburg zu einem Trick: Sie fotografiert ausschließlich nachts und lässt das natürliche Licht in ihren Bildern wirken. „Die Nacht ist ein ganz besonderer Raum. In der Nacht ist die Wahrnehmung verändert, man entdeckt Orte, die einem am Tag verborgen blieben“, erklärt die Künstlerin ihre Herangehensweise.

„Stadt“ im Stadtmuseum

„Für ein Stadtmuseum hat das Thema Stadt natürlich eine gegebene Relevanz“, äußert Dr. Elisabeth Dühr, Direktorin des Stadtmuseums Simeonstift und fügt hinzu, dass sie sich deshalb ganz besonders freue, städtische Aufnahmen von Rut Blees Luxemburg ausstellen zu dürfen. Bereits seit 1999 sei das Stadtmuseum stolze Besitzerin von Fotoarbeiten Luxemburgs: Damals habe sie im Auftrag des Stadtmuseums Trier fotografiert und somit den historischen Bestand an Aufnahmen der Stadt erweitert und erneuert. Diese Fotografien sind nun Teil der Dauerausstellung.

Rut Blees Luxemburg, Hans-Jürgen Lüchtenborg, Jo Enzweiler und Dr. Elisabeth Dühr

Die Sonderausstellung dagegen zeigt besondere Plätze, geknipst in London, New York oder Dakar. Thomas Egger, Wirtschafts- und Kulturdezernent der Stadt Trier, zeigt sich ehrlich begeistert über Luxemburgs Werk und würdigt sie als international bekannte und gefeierte Fotografin. Dank spricht er auch der Sparda-Bank Südwest eG aus, die das Projekt ermöglichte. Die Sparda-Bank Stiftung hat sich zum Ziel gesetzt, „Kunst, Kultur und Soziales“ zu fördern und möchte im Rahmen der „museale“ insbesondere Kunst- und Kulturprojekten Aufmerksamkeit zuteil werden lassen. Egger bezeichnet dieses Engagement als „eine schöne Zusammenführung von Wirtschaft und Kultur“.  200 000 Euro wurden dem Stadtmuseum im Rahmen der Förderung bereitgestellt – Geld, das das Museum gut einzusetzen wusste.

„Im Magazin lagert ein umfangreiches Erbe, das verwaltet und wissenschaftlich erfasst werden müsste“, erläutert Dühr ihre Überlegungen, „diesen Kulturbesitz hat man natürlich zuerst im Kopf, wenn man über den Nutzen der Förderung nachdenkt.“ Deshalb fließe ein Teil des Geldes auch in die Möbelsammlung – Erbstücke, die nun endlich restauriert werden können und ab 2014 im Stadtmuseum ausgestellt werden sollen. Der zweite Teile floss in die „museale 12“. Neben dem Ankauf der Werke Luxemburgs, wurde ein Katalog gedruckt, der die Künstlerin und die Fotoarbeiten vorstellt. Damit seien zwei Herzenwünsche von Dühr in Erfüllung gegangen, wie Hans-Jürgen Lüchtenborg, Vorstandsvorsitzender der Sparda-Bank Südwest eG betont. Zudem stehe die Sparda-Bank mit Überzeugung hinter der Idee der Zweiteilung der Förderung, wodurch Aktuelles integriert und zudem Tradition und Werte erhalten blieben. Die Stiftung möchte so buchstäblich „Nutzen stiften“ und die Kultur nachhaltig fördern.

Die „museale 12“ ist eröffnet.

Einen Nutzen können seit vergangene Woche Mittwoch nun auch alle Besucher des Stadtmuseums aus der Förderung ziehen: Die „museale 12“ ist eröffnet und bietet die Möglichkeit, den Farbenreichtum und die Detailtiefe der Werke Luxemburgs selbstständig zu entdecken. Motivisch arbeitet die Künstlerin mit der „Spannung zwischen oben und unten“ und der „Differenz zwischen Kontrolle und Kontrollverlust“, wie Anne Hoffmann anschaulich beschreibt. Die Künstlerin schaffe ein Urbanes Märchen, losgelöst aus der Zeit. Zudem halten ihre Aufnahmen keine Augenblicke fest, sondern Zeitspannen, da Luxemburg mit Langzeitbelichtung arbeite und so in einer Fotografie zehn Minuten vereint scheinen.

Mehr als zehn Minuten Zeit nahmen sich dagegen die ersten Besucher der Ausstellung, die zur offiziellen Eröffnung am vergangenen Mittwochabend gekommen waren, um die Werke auf sich wirken zu lassen. Musikalisch umrahmt vom Trio „Stillvoll“ wurde die „museale 12“ im Stadtmuseum eröffnet. Bis zum 17. Februar 2013 haben alle Kunstfreunde die Möglichkeit die Werke Luxemburgs zu betrachten.

Weitere Informationen zur Ausstellung findet ihr unter www.museum-trier.de.

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