Buntes: Mit Fellnase Neo zurück zur Gesundheit

Ein gutes Team – Anne Bastgen und Schäferhund Neo sind mehrmals in der Woche gemeinsam auf der psychiatrischen Station S18. Ganz zur Freude von Patienten und Kollegen. Foto: Bettina Leuchtenberg

Ein Rettungshund geht um auf der psychiatrischen Station S18. Der Schäferhund mit dem grauen Fell suchte früher vermisste Menschen, heute hilft er im Klinikum Mutterhaus der Borromäerinnen dabei, dass Patienten mit Depression und Waschzwang wieder gesund werden.

Zielstrebig läuft Schäferhund Neo die Treppe hinauf zu seinem Arbeitsplatz auf der Ebene drei. Zwei- bis dreimal pro Woche begleitet er seit über zwei Jahren seine Halterin Anne Bastgen, stellvertretende Stationsleiterin einer Station der Erwachsenenpsychiatrie, auf ihre Arbeitstelle im Mutterhaus. Eine Auszeichnung für Neos Erfolge gab es dafür auch schon: den dritten Pflegepreis der Bundesfachvereinigung Leitender Krankenpflegepersonen der Psychiatrie e.V., überreicht 2011 durch die rheinland-pfälzische Ministerin Malu Dreyer.

Anne Bastgen ist seit 2002 Krankenschwester der Akutstation der Erwachsenenpsychiatrie und seit 20 Jahren ehrenamtliches Mitglied in der Rettungshundestaffel, wo sie auch Suchhunde ausbildet. So ist sie dann auch auf ihren Hund gekommen. Als Neo zu alt war, um als Suchhund zu arbeiten, hatte sie eine passende Idee für seine nächste Aufgabe. Bereits seit sieben Jahren reifte bei Chefärztin Dr. Beatrix Risch und Anne Bastgen schon der Gedanke, einen Therapiehund einzusetzen. Mit dem erfahrenen Rettungshund war der richtige Kandidat gefunden. Im April 2010 wurde aus der Idee die Praxis, Neo durfte mit.

Am Anfang gab es kritische Stimmen aus dem Kollegium, aber mittlerweile habe sich der Graue mit dem treuen Blick bewährt, so Hundehalterin Anne Bastgen, die die Erfolge benennen kann. Patienten mit Depressionen falle es leichter, morgens aufzustehen, wenn sie sich auf Neo freuen. Sie nennt noch einige Beispiele: „Die Patienten übernehmen schneller wieder Eigeninitiative und führen den Hund auch zu Spaziergängen aus. Die unter Waschzwang Leidenden haben mit Neo gelernt, ihre Ängste abzulegen. Sie wurden schrittweise gelöster, denn den neuen Lieblingstherapeuten konnten sie ganz frei streicheln und füttern.“ Insgesamt profitieren aber nicht nur die Patienten durch die haarige Innovation im Klinikum, sondern das ganze Stationsklima hat sich verbessert. Die Rechnung von Anne Bastgen ist also aufgegangen: Neo hat den Wechsel vom Such- zum Therapiebegleithund geschafft.

„Eine geregelte Ausbildung für Hunde gibt es jedoch noch nicht und die Ansichten über das ‚wie’ variieren stark“, so Anne Bastgen. Dennoch findet man auch in anderen Einrichtungen die Idee gut. So zeigten das Krankenhaus Wittlich aber auch Häuser in Berlin und Bonn bereits Interesse. Es muss allerdings nicht immer ein Hund sein, der zu Therapiezwecken eingesetzt wird. Andere Tiere kommen auch für therapeutische Zwecke zum Einsatz. Die Delfintherapie ist mittlerweile zu einer gut bewährten und etablierten Therapieform für Autisten und Kinder mit mentalen und seelischen Behinderungen geworden. Auch die Reittherapie, sogenannte Hippotherapie, zeigt immer wieder Erfolge. Etwas exotischer wird es dann bei einer Lamatherapie, die beispielsweise bei Suchtkranken verwendet wird. Eines haben aber alle Tiere, von Neo bis zum Lama gemeinsam: sie helfen, weil sie vorurteilsfrei, jedem Menschen gleich entgegen treten. Hier gibt es keinen Grund für beispielsweise soziale Ängste. Neo schafft es, dies zu Gunsten der psychiatrischen Patienten zu nutzen.

Foto: Bettina Leuchtenberg

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Kommentare (1)

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  1. Andreas Klinge sagt:

    Ich meine das ist ein sehr guter Ansatz zur therapeutischen Arbeit mit Tiere. Ich habe bereits 1995, während meiner Tätigkeit als Erzieher im Jugendzentrum Euren,täglich meinen Hund dabei gehabt und alleine durch seine Anwesenheit gute Erfahrungen mitJugendlichen gemacht.
    Seit 1997 besteht in der Kinder.-und Jugendpsychiatrie des Mutterhaus ein Tierheimprojekt bei dem wir mitKatzen „arbeiten“ und auch hier besteht eine große Nachfrage bei den jugendlichen Patienten.

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