Buntes: Schülertheaterfestival 2011 – Die wollen doch nur spielen

Das fünfte Schülertheaterfestival im Trierer Theater fand vom 30. bis 31. Mai 2011 statt. 5vier-Redakteurin Stefanie Braun hat sich einige der kleinen und großen Theatergruppen angesehen.

Diese Bretter bedeuten nicht nur für professionelle Schauspieler die Welt, sondern auch für solche, die es noch werden wollen. Vom 30. bis 31. Mai hatten Theater- AGs aller Schulklassen und Grundkurse des neuen Fachs „Darstellendes Spiel“ beim Schülertheaterfestival die Chance, ihr Können auf der Großen Bühne des Theaters Trier zu präsentieren. Von Theaterpädagogin Sylvia Martin 2007 ins Leben gerufen besteht das Festival nun seit fünf Jahren und bietet Schülern von der 1. bis zur 13. Klasse die Möglichkeit, ihre Theaterstücke mit professionellem Licht und

Foto: Stefanie Braun

Technik, wie es sonst nur die Berufsschauspieler genießen dürfen, aufzuführen. In diesem Jahr wurde das Ganze als Projekt von der FSJ-Kulturleistenden Violetta Mohr organisiert. Sie warb im Vorfeld neue Schulen und setzte sich mit denen in Verbindung, die das Festival bereits besucht hatten. Zu letzteren gehört beispielsweise die Theatergruppe „Phoenix“ von der BBS Wirtschaft Trier, die seit dem ersten Jahr dabei ist. Zudem machte sie sich auf die Suche nach Sponsoren, betreute die Lehrer und Schüler, die sich anmeldeten und entwickelte die Idee der Workshops, die im Anschluss

an die Stücke stattfanden. Auch sie war vom ersten Jahr an immer dabei und hat schon des öfteren geholfen und selbst organisiert. „Natürlich ist es anstrengend,“ wie sie selbst sagt, „besonders die letzten vier Tage. Da ist alles recht chaotisch und jeder merkt, dass doch noch etwas fehlt, was besorgt werden muss, aber es hat noch jedes Jahr gut geklappt und allen viel Spaß gemacht.“ Vor allem den ganz Kleinen sieht man ihre Begeisterung an: „Sie stehen mit großen Augen hinter der Bühne und sind ganz begeistert allein von den Dimensionen, denen ist es letztendlich auch egal wieviele Leute im Zuschauerraum sitzen.“ Für die Kinder selbst, fährt sie fort, ist es auch ohne großes Publikum ein Gewinn, da sie zeigen können was sie erarbeitet haben. „Besonders für schüchterne Kinder ist Theaterspielen eine Möglichkeit aus sich heraus zu kommen. Deshalb kann es auch für die persönliche Entwicklung von Vorteil sein.“

War jedes Jahr dabei - Violetta Mohr, Foto: Stefanie Braun

War jedes Jahr dabei - Violetta Mohr, Foto: Stefanie Braun

Auch Sylvia Martin, die das Projekt normalerweise organisiert und leitet sieht einen großen Sinn hinter dem Festival: „Es ist einfach eine Möglichkeit für Schüler, die die Stadt und das Theater bieten, um selbst erarbeitete Produktionen vor anderen darzubieten.“ Positiv überrascht seien viele Gruppen davon, was technisch alles möglich ist, von einzelnen Lichtstimmungen über Ton- Einspielungen und Projektionen. Vor allem die Teilnehmer des neu entstandenen, dritten künstlerischen Faches, Darstellendes Spiel, nutzen das Schülertheaterfestival als schulisches Projekt, was Frau Martin als eine tolle Entwicklung ansieht: „Die DS-Kurse arbeiten teilweise experimenteller und abstrakter, sie erarbeiten die Stücke in Eigenregie und bilden oft Collagen, die auch etwas weg gehen von dem was große Bühnen eigentlich machen. Sie schaffen Nischen in denen sie sich selbst besser entfalten können.“ Leider, so sagt Sylvia Martin weiter, zeigen die Schulen dieses Jahr wenig Interesse, was vielleicht an dem kurzen Schuljahr liegen könnte, viele wollen lieber ihren Lehrplan abarbeiten. Da bleibt wenig Zeit für außerschulische Aktivitäten. „Dabei ist es nicht nur für Kinder eine Bereicherung, auch Jugendliche können viel gewinnen, alleine was das eigene Selbstbewusstsein anbelangt. Sie können sich ausprobieren, sammeln viele positive Erfahrungen und können sich auch einmal mit gleichaltrigen Theatergruppen vergleichen, einfach auch mal über den eigenen Tellerrand schauen.“ Auf die Frage hin, weshalb es denn an Begeisterung mangelt meint Martin: „An Begeisterung mangelt es überhaupt nicht, das Mobilisieren ist das Schwierige.“

Hat das Festival ins Leben gerufen - Sylvia Martin, Foto: Stefanie Braun

Hat das Festival ins Leben gerufen - Sylvia Martin, Foto: Stefanie Braun

Dabei wirken die vertretenen Gruppen gar nicht schwer zu mobilisieren, wie sie da fachmännisch ihre Stücke auf die Bühne bringen. Die Nervosität ist kurz vor Beginn zugegebenermaßen groß, die Angst zu stolpern oder gar den Text zu vergessen steht den meisten ins Gesicht geschrieben, so auch Patrick, Theresa und Anna von der BBS, die mit ihrer Theater- AG ein Kriminalstück präsentierten. Doch als dann der Ernstfall eintrat und tatsächlich jemand seinen Text vergaß wurde einfach weiter improvisiert bis man die Kurve wieder gekriegt hat:

„Die Zuschauer wissen ja nicht, dass wir etwas falsch gemacht haben, von daher braucht man sich auch nicht zu schämen.“ Überhaupt, sagen sie weiter, lernt man seine Hemmschwelle abzubauen, mit Lampenfieber umzugehen und in andere Rollen zu schlüpfen, selbstbewusst aufzutreten. Etwas was auch fürs spätere Berufsleben wichtig ist, auch wenn man keine Karriere als Schauspieler anstrebt. Der DS-Kurs des Friedrich-Wilhelm Gymnasiums hat sich besonders über die Resonanz des gleichaltrigen Publikums gefreut. „Wir haben Themen ausgesucht, die alltäglich sind und somit auch andere Schüler betreffen.“ so Daniel und Jan- Philipp aus der Gruppe. Nachdem die Themen standen begannen die Schüler damit Szenen zu entwickeln: „Je mehr Szenen wir schon hatten umso mehr fiel uns ein. Wir hatten keine literarische Grundlage sondern haben alles selbst erarbeitet.“ Ihre Lehrerin Frau Gabriele Braun hatte dabei nur die Funktion der Spielleiterin: „Ich habe im Prinzip nur etwas aufgepasst und Kritik gegeben, den Rest haben die Schüler ganz alleine gemacht.“

Höhler: Kinder sollen sich kreativ ausleben, Foto: Stefanie Braun

Etwas mehr mit seinen Kindern arbeiten musste Michael Höhler, Lehrer an der Grundschule am Eichenhain in Hasborn, der die Musical-AG für die 3. und 4. Klasse leitet und mit seinen Schülern ein Musical nach dem Buch „Der kleine Vampir“ einstudiert hat. Ihm ist es vor allem wichtig, dass die Kinder sich kreativ ausprobieren können. „Theater spielen hilft den Kindern zu mehr Selbstbewusstsein und einem starken Ich-Gefühl.“ Das Spielen auf einer großen Bühne ist dabei eine tolle Erfahrung, so sagt er weiter.

Auch für den Zuschauer hat das Festival einiges zu bieten: Der zweite Tag, der den älteren Teilnehmern gewidmet ist, zeigt junges Potential und vor allem begeisterte junge Menschen, die mit Feuereifer bei der Sache sind. Der erste Tag ist vor allem eine Gelegenheit, um die heimische Videokamera auszupacken und den eigenen Spross auf der Bühne stehen zu sehen.

Und wenn man mal von ein paar kleinen Texthängern und zwei oder drei fragenden Blicken hinter die Bühne absieht, dann ist es doch das Strahlen in den Kinderaugen, das auch beim Zuschauer Begeisterung auslöst.

Das Schülertheaterfestival findet jährlich statt. Anmelden kann man sich per Internet, die Ansprechpartnerin ist dabei Sylvia Martin. Zuschauer sind gerne gesehen und schauen kostenlos.

Foto-Galerie des Theater Trier (Fotos: Dominick Mock)

Stichworte:

Kommentare (0)

Trackback URL | RSS

Antworten

Wir freuen uns über Kommentare und möchten allen Lesern die Möglichkeit geben, kritisch zu den Themen und Artikeln Stellung zu beziehen und ihre Meinung kundzutun. Wir behalten uns das Recht vor, jeden Kommentar vor Veröffentlichung redaktionell zu überprüfen und nur Kommentare freizuschalten, die sich sachlich mit dem Thema des Beitrags beschäftigen.
Spielregeln