„Spotted: …“ – Kontaktanzeige meets 21. Jahrhundert

Ein Blickfang auf zwölf Uhr. Der/Die gefällt mir. Aber ansprechen? Niemals!…Der neueste Tipp in solchen, den meisten wohl bekannten Situationen: Einfach einen „Spotted“-Eintrag schalten…Bitte was?

Die sogenannten „Spotted“-Seiten (von engl. to spot sb.: jdn. erspähen) auf Facebook sind seit einiger Zeit in aller Munde. Das Prinzip: Hast du dich in einer oben beschriebenen Situation wiedergefunden, schreibst du einen Text an die Administratoren der „Spotted“-Seite, in dem du deinen Schwarm beschreibst: Wo hast du ihn/sie gesehen? Was gefällt dir an ihm/ihr besonders? Warum traust du dich nicht, ihn/sie anzusprechen? Die Seitenbetreiber veröffentlichen deine „Kontaktanzeige“ dann anonym auf der Pinnwand ihrer Seite. Anschließend heißt es warten und hoffen. Erkennt sich der oder die Angebetete in deiner Beschreibung wieder oder können dir andere „Liker“ der „Spotted“-Seite in ihren Kommentaren hilfreiche Tipps geben und so einen Kontakt herstellen?

„Spotted: Universität Trier“ – Schon weit über 3.500 Likes seit dem  9. Januar

Auch an der Uni Trier gibt es diese Möglichkeit für schüchterne Studenten seit dem 9. Januar. Die Likes der Seite steigen quasi stündlich. Inzwischen folgen ihr bereits mehr als 3.700 User. Die Zahl der eingehenden Posts variiert dabei. „Im Schnitt sind es etwa 10 bis 30 Mails, die wir pro Tag bekommen“, sagen die Administratoren der Seite Spotted: Universität Trier, die gerne anonym bleiben möchten.

Woher der Trend kommt, lässt sich scheinbar nicht genau bestimmen. In den USA soll es ein solches Prinzip schon vor mehreren Jahren gegeben haben. Die „Spotted“-Seite der Uni Trier wurde durch andere Unis in Deutschland auf das Konzept aufmerksam. Diese hatten den modernen Single-Treff von britischen Unis übernommen.

Den Reiz der Sache macht sicherlich die Anonymität aus. So werden Hemmschwellen gesenkt und man muss nicht mit unangenehmen Konsequenzen rechnen. Einige Kritiker stellen sich die Frage: Wird mit solchen Seiten nicht potenziellen Stalkern eine Plattform geboten? Oder kann die Seite missbraucht werden, um bestimmte Personen zu beleidigen oder zu mobben? Hier kommt es eben ganz auf das Verantwortungsbewusstsein der Administratoren der jeweiligen Seiten an. Deren Aufgabe ist es, unangebrachte, nicht ernst gemeinte Beiträge zu blockieren und so die entsprechenden User zu schützen. Ist dies der Fall, bleibt das Ganze ein harmloses Sprungbrett, mit dem oder der schönen Unbekannten Kontakt zu knüpfen.

Von Poesie bis hin zu eindeutigen Angeboten

Wer sich nicht traut, seinen Schwarm auf dem verschneiten Campus anzusprechen, versucht es über die „Spotted“-Seite

Die Erfahrungen der Betreiber an der Trierer Uni seien bisher durchweg positiv. Sie untermauern: „Fakemails oder Mobbing werden nicht beachtet und von den Posts ausgeschlossen.“ Wirft man nun einen Blick auf die Seite Spotted: Universität Trier, trifft man doch auf unterschiedliche Intentionen der Beiträge und verschiedene Realisierungen hinsichtlich ihrer Form. Doch welche Spektren decken die zahlreichen Beiträge jeweils ab? 5vier hat sich mal umgeguckt:

1. Ernstgemeinte Suchanzeigen:

Hey du!
Ich begegne dir jeden Montagmorgen in der 2 und 3 auf dem Weg zur Uni. Du trägst eine blaue Jacke, bist um die 1,85 (schätze ich) und hast braune Haare. Du machst meinen Morgen schöner. Wüsste gerne deinen Namen und vielleicht noch mehr von dir? 🙂 

2. Eindeutige Angebote

Dunkelhaariger gutaussehender Typ mit charmantem Lächeln, ca. 1,85-1,90 groß , Brillenträger ! Einmal mit seinen Jungs vor der Drehtür zum Audimax gesehen und des öfteren in den PC Pools.
Vielleicht hast du ja mal Lust deinen USB Stick in meinen Device zu stecken?:)

3. Poetische Auswüchse

Die Pädagogin

Als ich dich in Linie 3 stehen sah,
du mit deinem gold-blonden Haar
wurde mir eines sofort klar:
du bist so wunderbar!

Vom Bus zur Uni liefst du neben mir,
ungefähr 2 Std nach Vier.
Dein Anblick machte mich ganz wirr,
ich dachte nur: Zu dir oder zu mir?

Dienstagabend erblickte ich dich,
5. Semester vermute ich.
Deine Ausstrahlung jedenfalls unbeschreiblich,
süße weiße Mütze erinnere ich mich.

Groß und symphatisch muss ich ergänzen,
für deinen Anblick würde ich jede Vorlesung schwänzen,
oder mich anstrengen um vor dir zu glänzen…
Bei dir gäbe es für mich keine Grenzen!

4. „Live-Action“

braunhaariger typ in der mensa neben theke 2, schwarzer pulli, grüner ärmel, du musst doch nicht alleine essen?!

5. Begründungen, warum man sich nicht traut, ihn/sie anzusprechen

An den hübschen, großen, dunkelhaarigen typ, der vermutlich fußball spielt und bwl studiert: immer wenn ich dich seh werd ich soo nervös, vergesse mitten im gespräch was ich sagen wollte und bleib am besten stehn, damit ich nicht über meine eigenen füße stolpere 😉 ! Also sag ichs auf diesem wege: du bist toll!!

6. Originelles

Du Schönheit mit ellenlangen braunen Haaren und rostfarbenen Puschel-Schuhen, die so fleißig lernte. Du saßt heute Nachmittag zwischen 14 und 15 Uhr in der Bib direkt vor dem Tunnel Richtung Gebäude E. Dein atemberaubender Duft hat den Raum gefüllt und hängt mir immernoch in der Nase. Lust sich gegenseitig zu beschnuppern?

7.  Nicht ernst gemeinte Beiträge

Hey – Du warst letztens erst zwischen Igel und Trier-Nord unterwegs. Du bist zwischen 8 und 88 Jahren alt und interessierst Dich offensichtlich für ziemlich viele verschiedene sau-coole Dinge! Dein süßes Lächeln kommt bei Kunst, Musik, Wissenschaft und Kultur am besten zur Geltung! Ich würde Dich gerne am Samstag beim GEDANKENSKULPTUR FESTIVAL im X-Haus treffen! Ich bin mir sicher: DAS IST LIEBE!

Die Kommentare unter den Suchanzeigen sind teils sinnvolle Hilfestellung, teils verständlicherweise schlichtweg Ausdruck von Belustigung. Bedenkliche Einträge (Beleidigung, Mobbing, Stalking) sind auf der Seite nicht zu finden.

Neben dem Lernstoff sind die „Spotted“-Einträge bei Facebook neuerdings Gesprächsthema in der Mensa der Uni Trier. Foto: 5vier.de

Laut den Trierer Administratoren seien aus den größtenteils ernst gemeinten Suchanzeigen, bei denen der Grat zwischen origineller Kreativität und geschmackloser Plumpheit allerdings oft schmal ist, tatsächlich schon Paare hervorgegangen. Welche Halbwertszeit derlei Beziehungen haben, ist dabei nicht abzuschätzen. Das die geheimnisvollen Anzeigen und Angebote den tristen Uni-Alltag und den Lernstress auflockern, steht jedoch außer Frage. Und der Trend breitet sich stetig aus. Auch  für die Stadt Trier, die FH, die SWT-Busse oder das McFit gibt es bereits „Spotted“-Seiten, mit Hilfe derer man den ersten Kontakt zu seinem Schwarm herstellen kann. Und vielleicht verhilft das Konzept den Schüchternen unter den Verliebten zu unverhofften Verabredungen.

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