Buntes: Winzer engagieren sich gegen den Hochmoselübergang

Am Ostermontag sind spontan über 80 Teilnehmer von 40 Weingütern einem kurzfristigen Aufruf zu einem Fototermin nach Wehlen an der Mosel gefolgt. Sie kamen nicht nur aus gut einem Dutzend der umliegenden Weinorte, sondern auch von der Saar, Rheinhessen und der Pfalz. Vom kleinen Familienweingut über Spitzenbetriebe der globalen Weinwelt bis hin zur Großkellerei waren alle Bereiche vertreten. Viele Winzer hatten ihre Familie und Kinder mitgebracht, um zu zeigen, dass es ihnen um ihre Zukunft geht.


Sie alle wenden sich an die neue Landesregierung in Mainz mit dem Gesuch, den mittlerweile auch im Ausland kritisch hinterfragten Hochmoselübergang nicht zu bauen. Sie begründen dies mit dem zu geringen Nutzen und den zu erwartenden Schäden des Bauprojekts.

Egon Müller, Spitzenwinzer und Präsident des VDP Mosel-Saar-Ruwer, reiste eigens mit seiner Familie von der Saar an, um dieser Forderung Nachdruck zu verleihen. „Wie soll ich meinen Kunden klarmachen, dass der Wein etwas wert ist, wenn sie sehen, wie unbarmherzig mit der Landschaft, aus der er stammt, umgegangen wird“, meinte Johannes Schmitz, Winzer aus Ürzig. Viele weitere, die verhindert waren, schickten unterstützende Nachrichten. Peter Jacob Kühn kommentierte das Treffen aus dem Rheingau mit den Worten: “Um eine Verbindung zwischen Menschen zu schaffen, braucht es keine monumentalen Brückenbauwerke. Die Brücke wäre eine Kreuzigung der Weinkultur.”

Großes Verständnis haben die Winzer auch für die Kollegen, deren Lagen unmittelbar von der geplanten Trasse tangiert würden. „Wir wissen alle, dass solche massiven Erdbewegungen, gerade oberhalb der Weinberge, die Wasserversorgung gefährden können. Und die ist bisher perfekt, wie ihre Weine beweisen“, erklärte Winzer Clemens Busch aus Pünderich.

Michael Willkomm, Chef der Peter Mertes KG, Deutschlands größter Weinkellerei, kann den Nutzen der vor 50 Jahren geplanten Straße nicht nachvollziehen: „Mit Baukosten bei dieser Linienführung von über einer Milliarde Euro, die mittlerweile in der Presse genannt werden, macht das Projekt schon allein aus wirtschaftlichen Gründen keinen Sinn.“

„Wir haben noch so viel Potential hier an der Mosel, was Weinbau und Tourismus angeht“, ist sich die Wehlener Winzerin Katharina Prüm sicher, „aber um das zu nutzen, brauchen wir eine intakte Landschaft und Natur.“ Dies bestätigt auch der Fotograf Andreas Durst: „Das Motiv der Ürziger Felsen ist weltbekannt. Wenn da jetzt eine riesige Betonbrücke im Weg stünde, wäre das das schlechteste Marketing überhaupt.“

So richten sich die Blicke der Winzer auf den politischen Neuanfang in Mainz, in der Erwartung, dass auch dort der Wert dieser einmaligen Kulturlandschaft erkannt und gewürdigt wird.

Foto: Pro-Mosel

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