Campus: 5vier stellt vor – Außergewöhnliche Studiengänge: Japanologie

Die Universität Trier hat neben beliebten Studienfächern wie BWL, Psychologie und Geowissenschaften, auch einige eher außergewöhnliche Studiengänge zu bieten. 5vier stellt euch diese vor. Den Anfang macht das Fach „Japanologie“.

Das Fach Japanologie liegt mir deswegen besonders am Herzen, da ich selbst seit 2006 (noch im Magisterstudiengang) dieses Fach studiere. Für mich ist mit dem Beginn des Studiums ein Traum in Erfüllung gegangen, da ich seit meiner frühesten Kindheit eine Leidenschaft für das Land, dessen Kultur und Sprache hege. Dass aber das reine Interesse noch lange nicht reicht, um das Studium der Japanologie erfolgreich abschließen zu können, wird Studienanfängern schnell bewusst. Denn eines sollte man immer im Kopf behalten: Eine Sprache zu lernen, die so anders ist als eine europäische Sprache, braucht Zeit und Ausdauer. Und zwar viel Zeit und Ausdauer.

Voraussetzungen

Da es sich um ein Universitätsstudium handelt, ist Abitur natürlich Pflicht. Doch fast genauso wichtig ist eine gewisse Affinität zu Sprachen, denn das Lernen der Sprache wird die meiste Zeit der ersten vier Semester in Anspruch nehmen. Dabei ist es nicht Voraussetzungen, schon einen gewissen Sprachschatz mitzubringen oder das japanische Silbenalphabet beherrschen zu müssen, denn der Sprachunterricht beginnt ganz von vorne, sodass jeder Studienanfänger denselben Ausgangspunkt hat.

Ebenfalls wichtig ist ein allgemeines Interesse am Land der aufgehenden Sonne. In vielen Seminaren werden die Geschichte, Gepflogenheiten und die Kultur des Landes behandelt. Wer großer Fan von Manga (japanischen Comics) und Anime (japanischen Animationsfilmen) ist und meint, das würde reichen, um ein Studium in der Japanologie erfolgreich bestreiten zu können, der sollte seinen Wunsch vielleicht noch einmal überdenken, denn eins ist das Studium ganz sicher: Harte Arbeit! Wer sich davor allerdings nicht scheut und gerne eine besondere, aber schwierige Sprache lernen möchte, für den könnte ein solches Studium das richtige sein.

Geschichte des Fachs

Die Geschichte der Japanologie an der Uni Trier reicht bis ins Jahr 1985 zurück, denn seit dem Sommersemester dieses Jahres existiert die Japanologie in Trier. Ihr Schwerpunkt lag zunächst in der Literaturwissenschaft. Unter der Leitung von Prof. Dr. Irmela Hijiya-Kirschnereit entwickelte sich das Fach dynamisch und konnte sich schnell einen Namen in bereits etablierte Japanologien machen. 1993 erfuhr das Fach durch Prof. Dr. Klaus Antoni eine Erweiterung im Schwerpunkt. Zur Literatur traten die Gebiete Geistesgeschichte, Geschichte und Kultur. 1995 gründete sich das „Zentrum für Ostasien-Pazifik-Studien“, kurz ZOPS.

Seit 2000 ist Prof. Dr. Stanca Scholz-Cionca Lehrstuhlinhaberin, die C3-Professur ist seit 1995/1996 besetzt von Prof. Dr. Hilaria Gössmann. Der Sprachunterricht an der Uni wird von Noriko Katsuki-Pestemer und Tomoyuki Shitaba geführt. Weitere Lehrkräfte sind Prof. Dr. Andreas Regelsberger, der dieses Jahr die Uni aber leider verlassen wird, und die wissenschaftliche Mitarbeiterin Dr. Renate Jaschke.

Das Studium

Anfangen kann jeder Interessent das Studium als Bachelor im Haupt- oder Nebenfach. Das Studium besteht aus dem Sprachunterricht, Seminaren (die die Grundlagen der Geschichte und Kulturgeschichte Japans vermitteln) und Vorlesungen über Landeskunde sowie die Gesellschaft Japans. Die Priorität zu Beginn des Studiums liegt ganz klar auf dem Erlernen der neuen und unbekannten Sprache. In den ersten vier Semestern bestehen acht Stunden des Wochenunterrichts aus dem Japanischunterricht. Dort wird dann regelmäßig das Wissen durch Vokabeltests und Arbeiten überprüft.

Für die Recherche von Seminararbeiten oder Klausuren stellt die Uni-Bibliothek eine große Anzahl an Lektüre mit Japanbezug bereit. Es gibt 19.500 Monographien und ca. 39 laufende Zeitschriften und Jahrbücher. Die Asahi Shimbun, eine japanische Tageszeitchrift, liegt täglich in der Bibliothekszentrale aus. Auch an anderen Medien gibt es einiges zu sehen. So unterhält die Japanologie eine umfrangreiche Videothek mit aufgezeichneten japanischen News, Dokus und TV-Serien. Wer also mal genug vom Blättern in Büchern hat, kann mit den Angeboten der Videothek sein Hörverständnis trainieren.

Ebenfalls möglich ist es während des Studiums Zusatzzertifikate zu machen. Zum Einen gibt es das „Zertifikat für Ostasiatische Studien“ des ZOPS‘ und zum Anderen das „Zertifikat interdisziplinäre Geschlechterstudien / gender studies“. Mehr Informationen zu den Zusatzzertifikaten, die auch Studenten aus anderen Fachbereichen machen können, findet ihr hier. Apropos andere Fachbereiche: Wer schon ein Studium an der Universität Trier begonnen oder sich für ein anderes Fach entschieden hat, sich aber dennoch für die japanische Sprache erwärmen kann, kann an der Uni eine studienbegleitende Fremdsprachenausbildung (SFA) in Japanisch machen.

Auch für eine Freizeitgestaltung mit Japanbezug wird an der Uni gesorgt. Der Anime-Club zeigt ein Mal pro Woche Anime im Originalton mit englischen Untertiteln. Dabei handelt es sich immer um Anime, die noch nicht im deutschen Fernsehen liefen, um somit die große Bandbreite, die der japanische Animationsmarkt so zu bieten hat, zu zeigen. Der Dorama-Club zeigt ebenfalls ein Mal pro Woche zwei Stunden lang japanische Fernsehserien (terebi dorama) im O-Ton mit englischen Untertiteln. Es werden jeweils zwei Folgen à 45 Minuten einer Serie in wöchentlicher Fortsetzung gezeigt. Die Themen reichen dabei von Fantasy, über erwachsenen Themen bis hin zu Liebesgeschichten, für jeden sollte also etwas dabei sein.

Auslandsaufenthalte

Während des Studiums wird empfohlen, einen einjährigen Auslandsaufenthalt zu absolvieren. Da die Studiumskosten und der Lebensunterhalt in Japan sehr hoch sind, und sich in Eigeninitiative an japanischen Unis zu bewerben sehr kompliziert ist, pflegt die Japanologie eine Reihe von Beziehungen zu Universitäten in Japan. Die Unis befinden sich in Tokio, Nara, Hirosaki, Osaka, Sendai und Chiba. Eine genaue Auflistung der Partneruniversitäten und Erfahrungsberichte könnt ihr euch hier durchlesen.

Durch den Auslandsaufenthalt soll sich besonders die Sprachkompetenz und die interkulturelle Kommunikationsfähigkeit verbessern. Auch bekommt man die Möglichkeit, direkt in Japan Material für seine Abschlussarbeit zu sammeln. Die Finanzierung eines solchen Studiums kann durch Auslands-Bafög erfolgen, es werden aber auch vom Land verschiedene Stipendium vergeben, wie beispielsweise das JASSO.

Ich kann jedem Studenten der Japanologie einen solchen Aufenthalt nur empfehlen. Für mich war mein Aufenthalt eine super Erfahrung, ich habe miterleben dürfen, wie der Alltag in einem Land, das in so vielen Facetten so unterschiedlich ist von Deutschland, verläuft. Ich habe viele interessante und witzige Menschen kennengelernt, meine Kompetenz in der Sprache hat sich sehr verbessert und ich freue mich schon jetzt, dieses tolle Land hoffentlich bald wieder besuchen zu können. Daumen hoch für Japan!

Berufschancen

Das wichtigste gleich vorweg: Ein festes Berufsbild für einen Japanologen gibt es nicht. Gute Chancen hat man aber immer in Firmen, die Beziehungen zu Japan führen. Auch im Bereich von Übersetzung gibt es einige Berufsangebote. Wichtig bei der Suche nach einem Job ist dabei Flexibilität. Denn Angebote, die direkt etwas mit Japan oder der japanischen Sprache zu tun haben, gibt es leider noch wenige. Generell sind Japanologen aber in vielen Bereichen zu finden. In kulturellen Einrichtungen, im Bereich der Medien, als auch in Wirtschaftsunternehmen. Wer das Abenteuer mag und vielleicht schon das eine oder andere Mal in Japan war, hat auch dort Chancen, eine Anstellung zu finden. Wichtig ist dann auf jeden Fall ein sehr guter und sicherer Umgang mit der Sprache. Eins darf man aber so oder so nicht: Aufgeben. Wer am Ball und flexibel bleibt, findet vielleicht seinen Traumjob mit Bezug zu Japan.

Ich hoffe, ich konnte allen Interessierten einen guten Einblick in das Fach Japanologie an der Uni Trier geben und 5vier wünscht allen Studenten, die sich auf das Abenteuer Japanologie einlassen, viel Erfolg!

Fotos: Ellen Friese

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Wir haben bereits über andere außergewöhnliche Studiengänge hier in Trier berichtet:

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