„Europa braucht eine neue Vision für den Artenschutz“

Trierer Wissenschaftler der Biogeographie, Umwelttoxikologie und Rechtswissenschaft veröffentlichen multidisziplinäre Studie in einem renommierten Fachblatt.

„Wenn die Europäische Union den Rückgang der Artenvielfalt bis zum Jahr 2020 wie beschlossen stoppen will, muss sie die Umsetzung der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie) grundlegend ändern.“ Zu diesem Schluss kommt eine Studie des am Institut für Umwelt- und Technikrecht (IUTR) der Universität Trier angesiedelten Graduiertenkollegs „Verbesserung von Normsetzung und Normanwendung im integrierten Umweltschutz durch rechts- und naturwissenschaftliche Kooperation“. Unter der Federführung des Biogeographen Axel Hochkirch haben Nachwuchswissenschaftler und Dozenten aus den Bereichen Biogeographie, Umwelttoxikologie und Rechtswissenschaft das Papier soeben im renommierten Fachblatt „Conservation Letters“ veröffentlicht.

Auch wenn Europa beim Artenschutz rein formal eine Vorreiterrolle einnehme, befinde sich auch hier die Artenvielfalt weiter auf dem Rückzug, kritisieren die Trierer Wissenschaftler und listen auf, wo es bei der Umsetzung der FFH-Richtlinie hakt: Bei der Erstellung der Listen vom Aussterben bedrohter Tier- und Pflanzenarten würde der naturwissenschaftliche Sachverstand zu wenig genutzt, die Listen beruhten auf veralteten Daten, die Anpassung der Listen hinke der aktuellen Entwicklung hinterher. Die Wissenschaftler fordern daher, die Tier- und Pflanzenwelt viel stärker und dauerhaft zu beobachten, die Ergebnisse regelmäßig in die Überarbeitung Roter Listen einfließen und die Rangfolge der durch die FFH-Richtlinie geschützten Arten basierend auf diesen objektiveren Listen erstellen zu lassen.

Die FFH-Richtlinie ist ein typisches Beispiel dafür, wie eng Umweltschutz und -recht miteinander verzahnt sind. Vor diesem Hintergrund war im Jahr 2007 auch das Graduiertenkolleg gegründet worden. Die Nachwuchswissenschaftler sollten Einblicke in das jeweils andere Fach vermittelt bekommen und gemeinsam forschen. Der multidisziplinären Kooperation ist es schließlich auch zu verdanken, dass die Studie im angesehenen Fachblatt „Conservation Letters“ abgedruckt wird. Und die Zusammenarbeit verschiedener Fächer soll letztlich auch dazu führen, die Thematik einer breiteren Öffentlichkeit bewusst zu machen.

Studie: Hochkirch A., Schmitt T., Beninde J., Hiery M., Kinitz T., Kirschey J., Ma- tenaar D., Rohde K., Stoefen A., Wagner N., Zink A., Lötters S., Veith M., Proelss A. (in press): Europe needs a new vision for a Natura 2020 network. Conservation Letters doi: 10.1111/conl.12006

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