Campus: Prophezeiungen der Maya – Was ist dran am Weltuntergang?

Am Freitag, 28. Oktober, hält Prof. Dr. Wilhelm Seggewiß einen Vortrag an der Universität Trier zum Thema Maya-Kalender, der angeblich den bevorstehenden Weltuntergang voraussagt. 5vier.de wollte wissen, was dran ist am Weltuntergangshype.

Was sagen uns die Sterne voraus? Die Maya schauten sich den Himmel genau an und erstellen aufgrund ihrer Beobachtungen verschiedene Kalender. Foto: Sternwarte Trier

Er war Leiter des Observatoriums „Hoher List“ in Daun, das zur Universität Bonn gehört. Er war dort außerdem Professor für Astronomie und er studierte in Münster und München Mathematik, Physik und Astronomie. Ein Mann der Naturwissenschaften, einer der nicht an Geister glaubt und schon gar nicht an den baldigen Weltuntergang. Statt dessen beschäftigte sich Prof. Dr. Wilhelm Seggewiß schon zu Studienzeiten lieber mit dem Problem, dass ein Kalender immer aufs Neue aufwirft: Ganz so einfach ist es nämlich nicht eine einigermaßen korrekte Zeitrechnung zu erstellen. Diese muss sich am Lauf der Erde um der Sonne orientieren, doch die Erde ist kein schweizer Uhrwerk, deshalb kann nicht alles immer ganz korrekt berechnet werden.

So hat sich auch in unseren gregorianischen Kalender, den man übrigens im 16. Jahrhundert das letzte Mal geändert hat, ein winzig kleiner Fehler eingeschlichen. Dieser winzig kleine Fehler macht in etwas mehr als 300o Jahren einen ganzen Tag aus, wie man mit diesem zusätzlichen Tag verfahren will muss man dann entscheiden.

Umso bemerkenswerter ist die Genauigkeit, mit der die Maya im Jahr 3114 v. Chr. ihre Kalender erstellten. Mehrzahl? Richtig gelesen. Die Maya, die zwischen 200 und 900 v. Chr. eine Hochkultur in Mittelamerika bildeten, hatten nicht bloß den einen Weltuntergangskalender, sondern drei.

Einen für religiöse Feste, einen bürgerlichen Kalender, mit dem Dinge, die die Allgemeinheit betrafen geregelt werden konnten und als Drittes die fortlaufende Tageszählung. Jenen Kalender, der in den Medien in schöner Regelmäßigkeit für Aufsehen sorgt. Doch was bezweckten die Maya mit diesem Kalender?

Leider wissen wir bis heute wenig über dieses große Volk, das so imposante Ruinen wie die Tempelpyramiden in Mittelamerika hinterließ. Vier Bücher sind von ihren womöglich abertausenden Werken übrig geblieben, nachdem die Spanier 1519 n.Chr. den ersten Fuß in ihr Land setzten. Fünf Jahre haben sie gebraucht um das mächtige, fremde Volk zu unterwerfen. Von den vier Büchern, auch Kodizes genannt, konnte man bisher nur eines, das in Dresden zu sehen ist, entschlüsseln. Das welches sich mit dem Zahlensystem der Mayas befasst.

Anders als bei uns, baut das Zahlensystem der Maya nicht auf der Zahl 10 auf, sondern auf der 20. Dies liegt wohl daran, dass die Maya sich bis zu ihrer unglückseligen Begegnung mit den Spaniern vollkommen eigenständig und abgeschlossen von der restlichen Welt entwickeln konnten. Die Zählung der Maya steht auch hinter der so genannten „Langen Zählung“, die nun am 21.12. des nächsten Jahres endet. 1.800.000 Tage, 5125 Jahre sind dann zu Ende. Doch was heißt das für uns?

Seggewiß sieht in der Weltuntergangsprognose zwei grundlegende Probleme: Es gibt in den Überbleibseln der Maya nicht einen Hinweis darauf, dass an diesem Tag etwas passieren muss, dass das Ende der Welt auslösen könnte und es kann genauso gut sein, dass das „Ende der Welt“ bereits weit hinter uns liegt.

Als man Maya- und gregorianischen Kalender miteinander koppeln wollte, ergab sich ein Problem: Man wusste nicht an welchem Punkt man aneinander anknüpfen sollte. Dazu bräuchte man ein Ereignis, das in beiden Kalender als besonders gekennzeichnet wäre. Eine Sonnenfinsternis zum Beispiel, oder eine Mondfinsternis, den ersten Aufgang der Venus als Morgenstern. Von solchen Ereignissen gibt es in den letzten 5000 Jahren über 50 Stück. Und man weiß heute nicht mehr an welchem Punkt die Kopplung der beiden Kalender ansetzte. Es kann also gut sein, dass der „Weltuntergang laut Kalender“ vor einigen hundert Jahren stattfand oder, laut Dr. Andreas Puls von der TU Berlin erst in 208 Jahren passieren wird.

Seggewiß vertritt eine andere These. Wahrscheinlich endet am 21.12.2012 nicht die Welt, sondern einfach die Zählung des Kalenders. Die Zählung als solches ist an ihrem Ende angelangt und beginnt einfach wieder von neu. Wird wohl erstmal wieder nix mit dem Ende der Welt. Seggewiß sieht dem Hype mit einem Schmunzeln entgegen, das haben schon ganz andere vorausgesagt, auch für das Jahr 2012. Michael Drosnin sagte beispielsweise in seinem 1997 erschienen Buch „Der Bibel-Code“ das Ende der Welt durch den Einschlag eines Kometen auf die Erde voraus. Ebenfalls im Jahr 2012.

Seggewiß bewertet die Faszination die der drohende Weltuntergang auslöst als einen Ersatz der weniger und weniger gläubigen Menschen. Sie soll den Platz füllen den früher die Religion eingenommen hat. Er kann nur den Kopf schütteln, wenn er daran denkt, dass es auch heute in unserer technisch und naturwissenschaftlich aufgeklärten Welt noch Leute gibt, die an Geister glauben. Faszinierend findet er von früher Kindheit an bis heute den Kosmos, der uns umgibt und kam über diesen Weg auch zu seiner Beschäftigung mit den Kalendern. Die Mayas und ihre Kultur sind mehr ein Hobby. Diese möchte er in seinem Vortrag am Freitag den Zuhöreren näher bringen, ihre Kultur und ihren Kalender erklären und dem Glauben an den Weltuntergang etwas entgegenwirken. Präsentiert wird der Vortrag zusammen mit der Sternwarte Trier e.V.

5vier.de wünscht allen Besuchern viel Vergnügen und (hoffentlich) auch nach dem 21.12.2012 noch viele schöne Jahre.

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