Campus: Topniveau und Bodenhaftung – Stimmen zum City Campus

Am Freitag steht Trier eine Premiere ins Haus – die erste „Lange Nacht der Wissenschaft“ in Trier lockt mit der gewaltigen Zahl von über 150 Vor- und Austellungen, Workshops, Vorträgen und Experimenten. Wissenschaft im Fokus der Öffentlichkeit: Das ist auch der gewagte Versuch, Stadt und Universitäten besser miteinander zu vernetzen. Was erhoffen sich die Organisatoren vom City Campus? 5vier.de hat nachgefragt.

Zu den wohl spektakulärsten Projekten beim City Campus zählen die Energiesparfahrzeuge des Team proTRon. Seit 2006 entwickeln die Techniker der FH Trier futuristisch anmutende Geschosse, die mit Brennstoffzellentechnik angetrieben werden. Der ambitionierten „Mischung aus Forschungsprojekt und Motorsportteam“ waren bereits Top-Platzierungen beim Shell-Eco-Marathon vergönnt, am Freitag wird das Team zwei Fahrzeuge vorführen – der Andrang scheint sicher. Sven Friedrich (Projektleitung proTRon Evolution): „Wir erhoffen uns eine breite positive Resonanz, um somit ein Fundament für die Zukunft zu bereiten. Das Team proTRon der Fachhochschule Trier hat es sich zum Ziel gesetzt, neben der Umsetzung von innovativen Ideen, auch ein Bewusstein für unsere Energie zu schaffen. Durch die Nähe zur Bevölkerung, die durch die „Lange Nacht der Wissenschaft“ geschaffen wird, möchten wir möglichst viele mit dem „proTRon-Virus“ anstecken und bereits unseren Kleinsten die Begeisterung für Technik und Umweltschutz näher bringen. Wundern Sie sich also nicht, wenn Ihr Kind anschließend mehr weiß als Sie!“

Topniveau und Bodenhaftung: Stimmen zum City Campus. Foto: http://www.protron.fh-trier.de

Das Team ProTRon könnte am Freitag zu den Zuschauermagneten gehören. Foto: Team proTRon / FH Trier

Wissenschaft auf Topniveau – und mit Bodenhaftung

Was sehen wir, wenn wir sehen? Die Medienwissenschaft der Uni Trier untersucht, wie wir mediale Angebote betrachten. Eyetracking nennt sich dieser Aspekt der Rezeptionsforschung, den Besucher am Freitag selbst erproben können. Prof. Hans-Jürgen Bucher hofft, „dass die Trierer Bevölkerung merkt, dass Wissenschaft und Universität auch zum gesellschaftlichen Leben der Stadt gehören“. Die Erkenntnisse der Rezeptionsforschung besitzen für jeden Relevanz, „da in einer Mediengesellschaft auch alle Mediennutzer sind – in allen Lebensabschnitten von der Kindheit bis ins Alter“. Fragen, mit denen sich die Rezeptionsforschung beschäftigt, sind zum Beispiel: „Wie nutzerfreundlich und verständlich sind Websites, Powerpoint-Präsentationen, Fernsehnachrichten, Wissenschaftssendungen etc. und wie könnte man die Nutzerfreundlichkeit erhöhen? Wie müßte lokales Fernsehen gestaltet werden, damit es Erfolg hat?“ Für das Fach ist der City Campus eine Chance zu zeigen, „dass es sich auf höchstem wissenschaftlichen Niveau mit relevanten Fragestellungen beschäftigt ohne die Bodenhaftung zu verlieren.“ Am Freitag wird es möglich sein, „einmal sehen zu können, was er sonst nicht sieht: nämlich wie Menschen sich ein Museum anschauen.

"Nutzer kennenlernen": Trier-Tourismus 2.0 beim City Campus. Foto: KDB Trier

„Nutzer kennenlernen“: Trier-Tourismus 2.0 beim City Campus. Foto: KDB Trier

Die Besucher des Standes können sich eine sogenannte Blickaufzeichnungsbrille aufsetzen, mit Ihr durchs Landesmuseum gehen und sich danach anschauen wie sie sich die Exponate angeschaut haben. Also Medienforschung zum Anfassen und Selbermachen.“

Durch eine andere Brille blicken Besucher in der Augmented Reality: Die Wirtschaftsinformatiker an der FH Trier entwickeln Apps, mit denen sich Informationen über fotografierte Kulturobjekte per Knopfdruck auf dem Smartphone anzeigen lassen. Ermöglicht wird das auch durch die seit 1999 gepflegte Kulturgüterdatenbank der Region Trier. Prof. Helge Klaus Rieder erwartet vom City Campus vor allem Kontakt zu den Nutzern: „Der Schwerpunkt ist das ‚persönliche Kennenlernen‘. Das ist ja ein Internetprojekt, das seit 13 Jahren existiert und im Jahr über 150.000 Besucher hat. Wir freuen uns über Nutzer, die uns mal persönlich kennen lernen wollen und sich dabei die noch relativ neue Nutzung als Mobilanwendung im Allgemeinen und als Augmented Reality im speziellen zeigen lassen wollen.“ Zeigen wird sich außerdem, dass die Augmented Reality längst praxisfähig ist: „Wir unterstützten alle Besucher dabei, die Kulturgüterdatenbank auf ihrem eigenen Smartphone zu nutzen […] Danach können Sie in der Region Trier auf Erkundungstour gehen.“

Motivation meets Design: Vielfalt und Interdisziplinarität

Eine andere Art der Erkundungstour erwartet die Trierer beim Motivationsparcours. Das Team um Prof. Michaela Brohm untersucht in der Empirischen Lehr-Lern-Forschung unter anderem, was Motivation bestimmt, und wie sie sich steigern lässt. Mitarbeiterin Susanne erklärt: „Motivation spielt in allen Lebensbereichen eine sehr wichtige Rolle. Sei es in der Schule, am Arbeits- oder Ausbildungsplatz oder ganz individuell in einem selbst. Wir wollen mit Hilfe unserer aktivierenden und interessanten Stationen den BesucherInnen die Möglichkeit geben das Thema auf einem interessanten aber auch wissenschaftlichen Wege zu erkunden und schließlich mit einem guten und motivierenden Gefühl nach Hause zu gehen. Daher denke ich, ist unser Projekt für Jedermann/-frau interessant und findet große Zustimmung.“ Zwar seien die Besucherzahlen noch nicht abzuschätzen, „aber das hält die Spannung hoch und wir sind auf alles vorbereitet und freuen uns auf eine spannende und ereignisreiche Nacht.“

LampiONs: Einblick ins Digital Design. Foto: FH Trier

LampiONs: Einblick ins Digital Design. Foto: FH Trier

Eine ereignisreiche Nacht haben die Lichtskulpturen von Switch the LampiON bereits hinter sich: Die verwegenen Kunstoff-Konstrukte konnten schon auf der Illuminale bestaunt werden. Tatsächlich steckt hinter dem Projekt jedoch mehr als Objektkunst. Martin Schroth (M.A., FH Trier) erklärt: „Die Exponate zeigen vor allem, was in der Architektur mit computergestützter Modellierung möglich ist. Das Potenzial ist nicht einmal ansatzweise ausgereizt.“ Den Effektivitätsbeweis liefert er gleich nach: „Was die Leute beim Betrachten nicht ahnen – die Skulpturen wurden von den Studierenden nicht etwa in einem Semester, sondern in gerade mal zweieinhalb Tagen entworfen“. Der Workshop ist für Teilnahmer und Beobachter ein Fenster in das Fachgebiet Digital Design. Vom Konzept des City Campus zeigt er sich angetan: „Ich bin selbst überrascht, was die Fachhochschule alles zu bieten hat. Der City Campus ist da auch eine Möglichkeit, sich einen eigenen Überblick zu verschaffen.“

Eine entsprechend passende Bühne, um den interdisziplinären Charakter des Projekts zu unterstreichen. Sein ausdrücklicher Dank geht daher an Christine Faber, das Kulturbüro Trier und alle beteiligten Sponsoren, die dem Projekt auf den Weg geholfen hatten: „So mussten die Studierenden keinen Euro bezahlen!“

5vier.de dankt allen Teilnehmern für das Gespräch. Der City Campus beginnt am Freitag, dem 28. September um 16 Uhr. Weitere Informationen zu den vielfältigen Veranstaltungen bietet die City-Campus-Webseite.

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