Campus: USG Episode 1 – Aller (Jahres-) Anfang ist schwer

Das Studium ist ein Dschungel. Der 5vier Reporter Lars Eggers hat ihn überlebt und enthüllt seine ganz persönlichen Überlebenstipps.

Der University Survival Guide sollte sein Debut eigentlich in der ersten Woche des Jahres feiern. Aber ihr wisst ja wie‘s ist – erst war da die Trägheit nach den Feiertagen (und diese seltsamen immer wiederkehrenden Kopfschmerzen an Neujahr). Dann gab es soviel zu tun – Arbeit, Freizeit, Schlaf…

Oh oh – da bin ich wieder: mitten im Studium. Drei Tage vor der Abgabe der Hausarbeit vor dem leeren Blatt und keine Zeile Sekundärliteratur gelesen.

Aber dafür ist alles andere fertig. Ist es euch schon mal aufgefallen wie unglaublich attraktiv ansonsten unangenehme Arbeit erscheinen, wenn einem eine Deadline im Nacken sitzt? Hausputz? Besser als an der Hausarbeit sitzen! Abwasch? Ach, den hast du doch schon viel zu lange aufgeschoben, also weg vom Schreibtisch, ran an das Waschbecken – und so weiter und so fort. Ich glaube, meine Wohnung war nie so sauber, wie zu der Zeit, als ich meine Magisterarbeit geschrieben habe.

Aufschieben – ein Problem für viele Studenten

Aber hier soll es, wie ihr vielleicht bereits erraten habt, nicht um die Hygiene meiner Wohnstatt gehen, sondern um das Problem des Aufschiebens. Jeder von uns kennt es, jeder macht es. Gerade im Studium, wo Klausur- und Abgabetermine Monate im Voraus bekannt sind, ist das Aufschieben eine allgegenwärtige Gefahr. Mal ehrlich: Wie oft habt ihr schon auf den Kalender geguckt und gesagt: „Ich sollte mit dem Lernen anfangen…aber ich habe ja noch sechs Wochen Zeit.“ Und so fängt es an. Und wo es endet, das wissen wahrscheinlich auch die meisten hier: durchwachte Nächte, zu viel Kaffee, unnötiger Stress und nicht selten auch außerordentlich mäßige Ergebnisse.

Archetypen

Laut der Psychologin Hara Estroff Marano bezeichnen gelten 25% aller Studenten Europas als chronische Aufschieber. Das üble an dieser Geschichte ist, dass man es lernt. Wer wichtige Termine vor sich herschiebt, der schiebt auch Unwichtiges bei Seite – und schon bald hat man jede Menge Arbeit, nichts zu tun und kriegt trotzdem nicht geregelt. Warum machen wir das? Laut Marano gibt es drei Aufschieber-Archetypen:

  1. Diejenigen, die das Adrenalin brauchen um zu arbeiten (zu Englisch „Thrill-Seeker“). Sie warten bis zur letzten Minute, um auf der Welle der Aufregung und des Stresses zu arbeiten – nicht selten tatsächlich besser, als ohne diesen Kick.
  2. Diejenigen, die der Arbeit ausweichen (auch „Avoiders“ genannt), aus Angst sie nicht gut oder (ironischerweise) rechtzeitig zu meistern.
  3. Diejenigen, die insgesamt Probleme mit Entscheidungen haben („Decisional Procrastinators“). Sie können sich einfach nicht aufraffen irgendwas zu tun.

Das klingt jetzt alles ziemlich übel und hat den leichten Duft von lustigen weißen Jacken mit langen Ärmeln und gemütlichen fluffig-weichen Räumen. Aber das Aufschieben ist – wie das beim Verhalten von Menschen eben so ist – nur dann wirklich gefährlich, wenn das Verhalten die Form neurotischer Störungen annimmt. Die meisten Studenten sind davon weit entfernt.

Aufschieben macht krank

Tatsächlich haben aktuelle Studien dennoch gezeigt, dass Menschen, die ihre Aufgaben aufschieben öfter krank werden. Eine Umfrage unter Studenten in Europa zeigte deutlich, dass auch Studenten, die das Aufschieben von Arbeit nur gelegentlich favorisieren, oft über ein angegriffenes Immunsystem verfügen. Deswegen leiden sie häufiger an Erkältungen, Magen-Darm Problemen und natürlich in Konsequenz nicht selten auch unter Schlaflosigkeit.

  • Tatsache ist: Aufschieben ist Stress. Weit mehr Stress, als die Arbeit selbst.

Keine einfache Lösung

Ein gut organisierter Arbeitsplatz hilft übrigens ebenfalls.

Das Problem ist nicht so einfach in Griff zu bekommen, wie manche denken. Es reicht nicht, sich einen Kalender zu kaufen und die wichtigen Termine rot anzustreichen. Die einzige Möglichkeit ist, sich einen beständigen Plan zurechtzulegen, der beständiges Arbeiten vorsieht – und dann die Disziplin zu finden sich daran zu halten.

Insbesondere in der Zeit der immer stärker schulisch orientierten Master und Bachelor-Studiengänge ist das kontinuierliche Arbeiten unabdingbar. Und spätestens in der Privatwirtschaft kommt man ohne kaum parat. Ich weiß, ich klinge wie eure Eltern – aber leider ist es wahr.

Hara Maranos Studien belegen, dass die Studenten, die Aufschieben als modus operandi betreiben im späteren Arbeitsleben nachweislich weniger erfolgreich und auch weniger glücklich sind. Und ganz unpsychologisch von jemanden, der fast alle seine Hausarbeiten in der letzten Woche vor Abgabe geschrieben hat: Die Nächte kann man wirklich besser verbringen und soooo lecker ist Kaffee auch nicht.

Das nächste mal im University Survival Guide: Das liebe Geld.

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Kommentare (3)

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  1. exStudent sagt:

    Es war doch gerade das schöne am Studium, dass man sich selber organisieren konnte. Zu entscheiden nicht zu lernen und stattdessen die absolute WG-Party zu besuchen oder ein Seminar zu schmeißen um die Fußball WM live zu verfolgen.. das geht im Beruf nicht mehr. Ich werde meinem Sohn in ein paar Jahren erzählen, dass die Studentenzeit auch wegen der vielen Aufschiebereien so schön war .. ohne diese hätte ich vielleicht seine Mutter nie kennengelernt.

  2. Claas sagt:

    Okay, endlich isses amtlich – ich bin ein Thrill-Seeker. Ohne den Stress und die durchgemachten Nächte bin ich einfach nur halb so gut.

  3. Bine sagt:

    Mensch, wie schön. Ich hab mich wiedererkannt… Mittlerweile muss ich so richtig organisiert arbeiten, aber ich hab nach dem Studium wirklich Zeit gebraucht, um aus dem Terminverschluren rauszukommen.

    Freu mich schon auf die nächste Folge!

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