Campus: USG Episode 2 – Das Geld und seine Folgen

Das Studium ist ein Dschungel. Der 5vier Reporter Lars Eggers hat ihn überlebt und enthüllt seine ganz persönlichen Überlebenstipps.

Keine Angst. Dies wird kein anklagendes Lamentorium über Studenten, die so wenig Geld haben und nicht wissen, wie sie von 600 Euro im Monat leben sollen. Ist zwar wichtig, soll aber an anderer Stelle behandelt werden. Wir reden heute über Geld und was man damit macht. Dazu zwei Beobachtungen, die ich nie recht erklären konnte: Studenten, die sich darüber beschweren, dass sie sooooo wenig Kohle haben, aber Abends an der Theke (an der ich mein Studium verdiente) jedes Bier mit einem Zwanziger bezahlen und Leute, die sich fragen, wie sie ihre Miete bezahlen sollen, aber immer mit dem Auto zur Uni fahren.

Kein Verhältnis zu Geld

„Das Problem bei vielen Studenten ist nicht das Geld, sondern die Verhältnismäßigkeit zum selben“, erklärt Gabriela Meier vom Deutschen Verband für Bildungs- und Berufsberatung (dvb) e.V., „Wir erfahren immer wieder von Studierenden, die kaum etwas essen, aber stets die neueste Mode tragen und das aktuelle iPhone haben.“ Style over substance wird also wörtlich genommen? Würde sich ja mit meiner Beobachtung decken.

„Die meisten Studenten haben nur wenig Erfahrung mit dem Umgang größerer Geldmengen. Vor dem Studium haben fast alle zu Hause gewohnt und konnten ihr Geld für ihre Freizeit ausgeben. Nun müssen sie auf einmal davon leben und die wenigsten haben eine Vorstellung davon, wie viel es kostet einen Haushalt zu führen.“ Meier geht davon aus, dass mindestens jeder zweite Student mehr als drei Monate im Jahr unterhalb der Armutsgrenze lebe. Dazu käme dann ein ungeheurer Konsumdruck, dem viele Studenten nachgäben, obwohl ihnen das Geld dazu fehle. Die beiden Dinge, für die Studenten am meisten Geld ausgeben sind Kleidung (Frauen) und Elektronik (Männer).

Erkennen und vermeiden

Ich gestehe, ebenfalls hin und wieder Opfer der Konsumfalle geworden zu sein. Die Rechnung war: Die neue DVD kann man sich leisten, wenn man eine Packung Spaghetti auf drei Tage streckt.

„Jeder junge Mensch hat mit diesen Problemen zu kämpfen und die meisten kriegen das dann auch schnell in den Griff. Sie erkennen, das Geld keine reine Möglichkeit zur Freizeitgestaltung ist, sondern eben auch ihr Leben garantieren muss. Allerdings ist eine beunruhigende Entwicklung in den letzten drei Jahren zu erkennen: Immer mehr Studenten bleiben dauerhaft von ihren Eltern abhängig, die ihnen ein Auto finanzieren und den teuren Lebensstil eines „In“ Studenten garantieren. Auf diese Weise können die Studierenden die eben erwähnte Transition zum vernünftigen Umgang mit Geld nicht vollziehen“, so Meier. Aha, verstehe. Wer mit Geld umgehen lernen will, muss also keins haben? Macht das Sinn? Ja, das macht es. Wer immer genug Kohle auf der Bank hat, der lernt dessen Wert nicht zu schätzen. Finanzielle Bedrängnis lehrt einen, was man tun und was man besser lassen sollte. Da gibt es eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Entweder man kürzt dort, wo es nicht lebensnotwendig ist, oder man arbeitet eben in zwei oder drei Jobs.

Ein Verhältnis finden

...und die Gelddruckmaschinen produzieren auch keine Euros...typisch!

„Ich persönlich finde es erschreckend, wie viele Studenten heutzutage Luxusgüter im Wert von mehreren Tausend Euro besitzen. Und damit meine ich nicht einen Computer oder ein normales Handy – sondern Fahrzeuge, Markenkleidung, iPads und ähnliche Dinge, die sie nicht wirklich brauchen. Da besteht kein Verhältnis mehr zum echten Leben“, meint die 35jährige dvb-Beraterin, die sich ihr Studium komplett durch Nachtschichten an der Tankstelle finanzierte.

Aber nun genug der Gemeckers: Was kann man denn nun wirklich tun? Die Antwort wird wohl vielen nicht gefallen, denn sie lautet: Zurück auf den Teppich kommen und erkennen in welcher finanziellen Situation man lebt. Einen Haushaltsplan erstellen, Kosten auflisten, feste Posten (Miete, Nebenkosten, Haushaltsführung) abtreichen und nur mit dem verbleibenden Geld arbeiten. Und wenn dann der neue iPod nicht mehr drin ist, dann muss man vielleicht einfach mal erkennen, dass der alte auch noch gute Musik spielt.

„Ich kenne sehr viele Studenten, die diese Sache sehr gut im Griff haben und mit sehr wenig Geld sehr viel leisten. Aber leider werden diese nicht selten, vor allem in den prestigeträchtigen Studiengängen wie Jura oder Medizin, gegängelt und unter Druck gesetzt“, erklärt Meier, „Der soziale Druck, immer Up-to-Date sein zu müssen wächst mit jedem Tag. Das ist schlimm, denn gerade diejenigen, die neben dem Studium noch zwei Jobs haben und Nachhilfestunden geben, sind oft leistungsfähiger und vor allem geschulter im wirtschaftlichen Umgang mit Finanzen, als so mancher Student, der mit dem BMW seiner Eltern zur Uni fährt.“

Was haben wir nun gelernt? Arm sein macht reich? Wir lernen im Studium nicht für Klausuren, sondern auch fürs Leben? Klingt nach Kalenderspruch, scheint aber trotzdem Bestand zu haben. Und es stimmt. Ich weiß bis heute den Wert einer DVD zu schätzen und kann mit gutem Gewissen sagen, dass die finanziell miese Zeit meines Studiums (und 600 Euro waren wirklich nicht jeden Monat drin) mir wirklich gezeigt hat, was ein bisschen Geld mehr oder weniger ausmacht. Nur Spaghetti kann ich seit dem nicht mehr sehen…

Das nächste mal im University Survival Guide: Das Internet – der natürliche Feind des Studenten?

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Kommentare (4)

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  1. mädchenaustrier sagt:

    Also, bei uns läuft das so, dass ich an den Wochenenen jobbe und von meinen Eltern noch einen festen Zuschuss bekomme. Das reicht eigentlich ganz gut und wenn ich zu blöd bin, mit dem Geld klarzukommen, lebe ich halt mal drei TAge von Reis und Ramennudeln.

    Manchmal regen mich Kollegen oben an der Uni ganz shcön auf, wenn die über Tankgeld, Geld für Handy und sonstwas jammern. Die sollten lieber mal arbeiten gehen.

  2. Bine sagt:

    Ich hab mir das Studium auch selbst finanziert und ich denke, es hat mich gut auf das Leben vorbereitet. Auch weiß ich den Wert einer Packung Billigspaghetti zu schätzen. 😉

    Gegen Zuschüsse von den Eltern spricht ja nichts, ich hatte Komilitonen, die einfach eine feste Summe bekamen und darüber war halt nichts mehr zu holen. Die haben ähnlich gut gelernt, mit Geld hauszuhalten (und ähnlich oft wie ich die Rechnung Kinobesuch-Reiskonsum aufgestellt).

    Ein Studienkollege hat in seinem ersten Berufsjahr aufs bitterste lernen müssen, mit seinem Geld umzugehen. Der hat wirklich nicht wenig verdient, aber gereicht hat es trotzdem nie. Kein Wunder, wenn man von seinen Eltern im Studium beim leisesten Anzeichen von Ebbe auf dem Konto immer mehr und mehr Kohle zugesteckt bekommen hat.

    Im Job zu stehen und sich trotzdem Sorgen um Miete und Essen machen zu müssen – nein danke. Er sagt heute selbst, dass seine potentiellen Kinder eine andere Regelung bekommen als er mit seinen übergroßzügigen Eltern.

  3. S. sagt:

    Ja, so sehe ich das auch! Was bringt es den Studenten aus gutsituierten Elternhäusern, wenn Mama und Papa sie mit allem was sie wollen (oder angeblich brauchen) versorgen, sie dann aber später nicht wissen, wie man mit Geld umgehen sollte…

  4. Seb sagt:

    ein sehr schöner Artikel, mit dem ich mich als Student identifizieren kann! Ich gehöre zu der Sorte, die sich fleißig was zurücklegt und sich schon durch so manchen Job geschlagen hat. Ich verstehe deshalb auch nicht, wo sich manche Studis soviel Kohle hernehmen, um jede Woche ab Donnerstag feiern gehen. Bezüglich den Jura-Menschen: Die Klischees stimmen alle!

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