Das nächste Level – TBB-Forward Vitalis Chikoko im 5vier-Porträt

Es sollte seine Saison werden: Leistungsexplosion, Spielanteile, Starting Five. Dann kam Vitalis Chikoko mit einem Knorpelschaden aus der Sommerpause zurück, spielte unter Schmerzen. Gegen Ludwigsburg zeigte der TBB-Forward zuletzt wieder, wozu man ihn verpflichtet hat. 5vier.de sprach mit der „Hand aus Simbabwe“ über eine Spielzeit zwischen Hoffen und Bangen.

„Ich weiß nicht, wie es passiert ist. Nach zwei Trainingseinheiten waren die Schmerzen da“, erinnert sich der 23-Jährige an den verhängnisvollen Moment, der seinen Schatten auf die ganze Saison werfen sollte. Im Sommer 2013, beim „adidas Eurocamp“, will er sich mit den Besten messen, vor allem aber dazulernen. Denn das, so sagt er selbst, ist seine beste Charaktereigenschaft: Der unbedingte Wille, sich weiterzuentwickeln. Chancen dazu hat er in diesem Sommer genug. Auch in der NBA Summer League will man ihn spielen sehen, eingeladen haben ihn die Houston Rockets. Vielleicht war eine Überbeanspruchung Schuld an dem Malheur; gerade mal drei Wochen Freizeit blieben dem Forward zwischen beiden Spielzeiten, auszuspannen und seine Familie zu besuchen.

Schrecksekunde im Schlussviertel: Chikoko wird behandelt, kann aber weiterspielen. Foto: Thewalt
Zum Glück nur ein Wadenkrampf: Gegen Ludwigsburg hält die Arena kurz den Atem an, als Chikoko zu Boden geht. Foto: Thewalt

Über die Ursachen will er nicht mehr spekulieren. Fest steht: „Es geht mir jetzt viel besser, sehr gut sogar. Das Knie ist endlich schmerzfrei.“ Die letzte Behandlung ist nun drei Wochen her. Anschließend schoss, blockte und reboundete Chikoko die TBB zum Sieg gegen Ludwigsburg, es war sein bestes Saisonspiel bislang. „Es ist eben auch eine Kopfsache. Seit ich weiß, dass wohl keine Operation nötig ist, spiele ich viel besser“. Das mag auch an Chikokos Spielweise liegen. Als Shotblocker lebt er von seiner Athletik und damit auch vom Vertrauen in die eigenen Beine. Gegner auf die spektakulärste Weise am Korberfolg zu hindern ist sein Markenzeichen: „Ich konnte blocken, bevor ich überhaupt werfen konnte. Ich liebe es einfach. Manchmal geht es schief und du landest auf dem Poster – aber das ist Basketball. Ich probiere es trotzdem, immer wieder.“ Aber aufs Shotblocking limitiert ist Chikoko eben nicht, und darum ist er vielleicht das größte Basketballtalent, das es derzeit in einem TBB-Trikot zu sehen gibt. In seiner ersten TBB-Saison noch bevorzugt als Backup-Center eingesetzt, läuft er nun als Power Forward auf. Der langfristige Plan ist, ihn zu einer Allzweckwaffe zu formen, die auf drei Positionen spielen kann. Zu einem „Stretch“ Vierer, der sowohl in Korbnähe als auch aus der Mitteldistanz agieren kann. Einer, der die gegnerische Defensive auseinanderzieht, damit Räume schafft und Passwege öffnet. Der vielleicht sogar den Ball bringen kann. Anders ausgedrückt, zu einem Albtraum für jede Verteidigung.

„Ich konnte blocken, bevor ich überhaupt werfen konnte. Ich liebe es einfach. Manchmal geht es schief und du landest auf dem Poster – aber das ist Basketball. Ich probiere es trotzdem, immer wieder.“

Gegen Ludwigsburg funktionierte das tadellos, in bester Point-Guard-Manier eröffnete der Youngster den Spielaufbau oder zog gleich durch bis zum Korb, leistete sich keinen Ballverlust. Alles Zufall? „Nein, ganz und gar nicht. Es war geplant, dass ich den Ball bringe. Wir haben die ganze Woche vor dem Spiel daran gearbeitet“, erklärt Chikoko. Nicht viele 2,07-Meter-Hünen haben ein gutes Ballhandling; die Begegnung zeigte auf den Punkt genau, warum man ihn hier haben will.

Spielschwächen, Baustellen und ein Monat zum Vergessen

Nur, bis dato wirkte der Simbabwer eben auch oft genug wie ein Fremdkörper auf dem Parkett. Irrte abseits seiner Komfortzone durchs Halbfeld, suchte kaum den eigenen Abschluss oder leistete sich unglückliche Slapstickeinlagen. Im Februar 2014 hat er besonders wenig zu lachen.

„Noch nicht da, wo ich sein soll“: Der Distanzwurf soll eine veritable Waffe in Chikokos Repertoire werden. Foto: Thewalt

Die Bilanz in jenem Monat: Magere 2.2 Punkte in fünf Spielen, in denen er ohnehin nur wenige Minuten bekommt. Er wirkt gehemmt, was sich nicht nur an der Statistik ablesen lässt. Auch seine Körpersprache signalisiert Verunsicherung, über den eigenen Körper und den eigenen Wurf. Letzterer fällt zu selten; es ist eine von zwei Großbaustellen in seiner Entwicklung, neben seiner Körperbalance. Steht er am Perimeter frei, geben ihm die Gegenspieler noch viel Platz. Geht es nach den Coaches, soll damit bald Schluss sein: „Ich arbeite mit Thomas [Co-Trainer Thomas Päch, Anm.d.Red.] fast täglich an meinem Wurf.

Im Moment bin ich aber noch nicht da, wo ich sein soll. Ich hab‘ noch jede Menge Arbeit vor mir“, gibt er zu bedenken. Trifft er erst einmal hochprozentig, wird man ihn enger verteidigen – dann kann er vorbeiziehen und die Zone attackieren. Sein Vorbild ist Kevin Durant, der all das in Perfektion beherrscht.

Harare – Göttingen – Trier: Zwischen Rookie-Blues und nächstem Level

Über all dem vergisst man leicht, wie neu die Situation in Trier für ihn ist, den Menschen wie für den Sportler Chikoko. Sein Weg in die Liga war nicht vorgezeichnet, führte über Umwege, glückliche Kontakte und ein überzeugendes Probetraining in Göttingen. Seitdem ist der 23-Jährige tausende Kilometer von seiner Heimatstadt Harare entfernt, seine Eltern sieht er kaum.

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Mehr davon! Vitalis Chikoko hofft bereits auf die nächste Saison. Foto: Thewalt

Wie bei vielen seiner Mitspieler bleibt Skype auf Monate hinaus die einzige Möglichkeit, den Kontakt mit alten Freunden aufrecht zu erhalten. „In meinem ersten Jahr in Deutschland war es hart, ich habe mich mit der Situation nicht leicht getan. Ich hatte kaum echte Freunde außer meinen Teamkollegen“, erinnert sich die „Hand aus Simbabwe“ an die erste Saison bei der BG Göttingen. Dort gibt ihm Headcoach Michael Meeks das nötige spielerische Handwerkszeug auf den Weg, um in der BBL zu bestehen. Aber erst in Trier fühlt er sich wie jemand, den man unbedingt im Roster haben will. „Ich glaube, dass ich hier auf das nächste Level komme, weil man mich kontinuierlich besser machen will. Das ist der größte Unterschied“, vergleicht er die beiden Standorte. Aber noch hat er das „nächste Level“ nicht erreicht. Die Verletzung warf ihn zurück, nun ist die Motivation größer denn je. Die kommende Saison soll richtungsweisend für ihn werden, daran lässt er keinen Zweifel: „Ich will, dass das nächste Jahr in Trier mein bestes Jahr wird.“

 

 

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