Der nackte Wahnsinn – Doppelt (zu)sehen

5vier.de sprach mit Regisseurin und Bühnenbildner

Am Samstag, 28. September, sieht man die erste Schauspielpremiere im Großen Haus für diese Spielzeit: „Der nackte Wahnsinn“ von dem britischen Autor Michael Frayn. Inszeniert wird die Komödie von Regisseurin Caroline Stolz, die Ausstattung stammt von Jan-Hendrik Neidert. 5vier.de traf sich mit den beiden zu einem Gespräch. 

Wenn der Zuschauer ins Theater geht, erlebt er, im besten Fall, einen unterhaltsamen Abend. Lacht, weint, denkt vielleicht etwas nach. Danach geht’s nach Hause. Doch wie ist das mit den Menschen auf der Bühne. Wie erleben die eine Vorstellung? Wie ist die Premierenstimmung? Und vor allem, wie geht’s danach weiter? Ein Stück wird im Schnitt zehn bis 15 Mal gespielt, ab wann kippt die Stimmung? Wie verändert sich ein Stück und wie macht sich das an den Launen der Schauspieler bemerkbar? Und wie machen sich die Launen der Schauspieler im Stück bemerkbar?

Der nackte Wahnsinn_Vorbericht_1
Niedert und Stolz

Diesen Fragen ist Autor Michael Frayn nachgegangen, als er „Der nackte Wahnsinn“ geschrieben hat und diesen Fragen geht man nun auch im Theater Trier nach. Unter der Regie von Caroline Stolz wird die Komödie am Samstag ihre Premiere haben. Eine kleine logistische Meisterleistung, auch für Bühnenbildner Jan-Hendrik Neidert. „Es muss beispielsweise acht Türen geben im Bühnenbild und die müssen alle auf eine bestimmte Art und Weise funktionieren. Da merkt man erst wie anfällig Türen sein können“, gibt er zu Bedenken. Regisseurin Stolz erklärt: „Die Tür muss ins Schloss fallen können, eine darf nicht knarzen, eine andere muss wiederum knarzen. Sie dürfen nicht einfach aufgehen, wenn man sie anlehnt, andererseits müssen sie sich auch leicht öffnen lassen, man muss sie abschließen können und und und.“ Da gibt es viel zu Bedenken, deshalb muss Bühnenbildner Neidert auch bei einem Viertel bis einem Drittel der Proben dabei sein. „Ich mache mir dann Notizen, ob mit den Kostümen alles stimmt oder mit dem Bühnenbild, damit man schnell genug reagieren kann.“

Zwei Ebenen…

Schwierig wird es dann, wenn nicht nur eine Bühne ausgestattet werden muss, sondern gleich zwei. Auf zwei Ebenen. Das Stück zeigt immerhin Schauspieler bei der Arbeit, von der Premiere bis zur Dernière eines Stückes. Zeigt kleine Biesteleien, Machtspielchen, Eifersuchtsszenen, Theater auf und hinter der Bühne. Genau deswegen ist das Bühnenbild auch eines: beidseitig bespielbar. „Man sieht zuerst die Premierensituation „auf der Bühne“, dann wird das Bühnenbild gedreht und man erlebt das Theater „hinter der Bühne““, erzählt Neidert. „Es wird ein sehr logistisches Stück; als Komödie muss alles sowieso sehr genau getimt und abgesprochen sein. Unsere Schauspieler müssen da besonders genau arbeiten und gleichzeitig sportiv und aktiv sein. Da bleibt keine Minute zum Durchatmen“, weiß Stolz.

Die "Bühne" hinter der Bühne
Die „Bühne“ hinter der Bühne

Wenn da was schief geht, sorgt das meistens nicht für Extralacher: „Für uns, die wir das Stück und die Vorarbeit kennen, kann das schon witzig sein, aber der Zuschauer hat in den meisten Fällen nichts davon. Der Witz muss ja erst aufgebaut werden, damit er zünden kann, wenn das nicht klappt, wird es nicht witzig“, erklärt Neidert. Gute Vorbereitung hilft da viel. Trotzdem bleibt es aufwendig.

Gut vorbereitet sind Stolz und Neidert eigentlich immer, dies mag auch daran liegen, dass sie nicht selten miteinander arbeiten und sich auch schon einige Jahre kennen. Seitdem sie elf Jahre alt sind, um genau zu sein: „Wir sind in eine Schulklasse gegangen und haben uns eigentlich immer gut verstanden“, so Stolz. Mit 16 Jahren gingen sie dann das erste Mal zusammen ins Theater, Stolz war sofort Feuer und Flamme und wusste: das soll es sein, was ich mit meinem Leben anfange. Neidert wählte zunächst den „Umweg“ über den Architektenberuf, bis auch ihn die Begeisterung für die Bühne packte.

…zwei Bühnen

Damals hatten sie zusammen in Bonn „Black Rider“  als Initialzündung gesehen, während des Studiums waren sie immer mal wieder im Theater. Der Kontakt brach nie ab. Seit 2006 arbeiten sie nun zusammen, an jeder Produktion, immer reibungslos. Der Tenor dieses Teamworks ist einstimmig: „Wie großartig!“ Soviel Begeisterung für die Arbeit des anderen kann nur zu einem harmonischen Ergebnis führen.

Die beiden sind das erste Mal in Trier und wissen eines jetzt schon: „Ein Tränchen zum Abschied wird es geben“, sagt Stolz, aber sie hoffen natürlich bald wieder kommen zu können. 5vier.de wünscht allen Beteiligten eine gelungene Premiere und Toi Toi Toi. Auch das Stolz und Neidert bald noch einmal wiederkommen können.

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