Der Pannenreaktor Cattenom

Vor einer Woche kam es im Kernreaktor Cattenom wieder zu einem Störfall…oder besser gesagt mal wieder, denn Störfälle des Atomkraftwerks an der deutsch-französischen Grenze sind längst keine Ausnahme mehr. Mehrmals im Monat kommt es zu Ausnahmesituationen, die mal mehr, mal weniger eine Gefahr darstellen. Hinzu kommt, dass der Bevölkerung die Informationen darüber vorenthalten werden, wobei sie im Ernstfall lebensrettend sein könnten.

 

Wo genau liegt Cattenom?

Cattenom, zu Deutsch Kattenhofen, liegt in der Region Lothringen und ist somit nur 48 Kilometer südwestlich von Trier entfernt. Das Kraftwerk umfasst ein Gebiet von etwa 415 Hektar und liegt ca. 20 Meter oberhalb der Mosel.

 

Allgemeines über Cattenom

Am Atomkomplex Cattenom befinden sich vier Reaktoren.

  • Cattenom 1 ging am 13.11.1986,
  • Cattenom 2 ging am 07.09.1987,
  • Cattenom 3 ging am 06.07.1990,
  • Cattenom 4 ging am 27.05.1991 ans Netz.

 

Seit Beginn der Planungen, in den 70er Jahren, gab es nicht nur auf deutscher Seite Widerstand gegen das Kernkraftwerk, sondern auch in Frankreich und Luxemburg, da bereits erhebliche Sicherheitsmängel festgestellt wurden. Bereits vor seiner eigentlichen Inbetriebnahme im Herbst 1986 gab es Schlagzeilen in Sachen Sicherheitsmängeln: Am 21. August 1986 kommt es zu einem Wassereinbruch im Block 1, der nach Aussagen der EDF („Électricité de France“ Elektrizitätsgesellschaft und zweitgrößter Stromerzeuger weltweit) auf ein geöffnetes Ventil im Tertiärkreislauf zurückging. Dabei drangen bis zu 500.000 cbm Wasser in die Untergeschosse der Blöcke 1 und 2 ein. Über den Hergang des Vorkommnisses, seine Auswirkungen auf die Anlagensicherheit und die Menge des ausgetretenen Wassers wurde die Öffentlichkeit im Unklaren gelassen…mal wieder.

 

Sicherheitsmängel im Gegensatz zu deutschen Atomkraftwerken

  • Cattenom würde lediglich dem Absturz kleinerer Geschäftsflugzeuge standhalten; in Deutschland sind die meisten Reaktoren auch auf den Absturz von Militärmaschinen ausgelegt.
  • Wichtige Sicherheitssysteme (wie z.B. für die Notstromversorgung, die Notkühlung oder Notabschaltung des Reaktors) sind nur zweifach statt mehrfach vorhanden.
  • Es gibt keine gebunkerte Notwarte, von der aus der Reaktor auch im Notfall steuerbar wäre.
  • Die Auslegung der Anlage gegenüber größeren Erschütterungen (Erdbeben, Terroranschläge, Kriegseinwirkung) ist mangelhaft.

 

Die Gefahr vor der Haustür

Wer wäre von einem Super-GAU betroffen?

Das Kernkraftwerk ist nur neun Kilometer von der luxemburgischen Grenze entfernt, das heißt, während eines Super-GAUs wäre Luxemburg der einzige Staat in der Welt, der in seiner kompletten Existenz bedroht wäre, ebenso das Saarland wäre unmittelbar betroffen.

Die deutschen Großstädte Frankfurt am Main, Mainz, Wiesbaden, Darmstadt, Mannheim, Heidelberg und Karlsruhe liegen in der Hauptwindrichtung (West) und wären somit kontaminiert, davon wären über zwei Millionen Menschen betroffen und dabei ist noch nicht einmal die Landbevölkerung mitgezählt.

Je nach Windrichtung wären somit die Anrainerländer Luxemburg, Belgien, Rheinland-Pfalz, aber auch Frankreich selbst betroffen.

(Radioaktive Wolke) über Saarland – RheinlandPfalz bei Windrichtung aus SW, Bildquelle: OpenStreetMap, Cattenom – Fallout
(Radioaktive Wolke) über Saarland – RheinlandPfalz bei Windrichtung aus SW, Bildquelle: OpenStreetMap, Cattenom – Fallout

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