DFB-Pokal: „Das tut weh“ – Eintracht verliert 1:2 gegen den HSV / VIDEO

Eintracht Trier hat seinem Image als Pokalschreck erneut alle Ehre gemacht. 109 Minuten rang die Mannschaft von Roland Seitz dem Hamburger SV alles ab, ging durch Ahmet Kulabas gar in Führung, doch ein Freistoß von Nationalspieler Dennis Aogo sorgte für bittere Enttäuschung an der Mosel. Am Ende flog die Eintracht vor 10.300 Zuschauern mit 1:2 aus dem DFB-Pokal.

Alles gegeben: Eintracht Trier stand gegen den HSV dicht vor einer Sensation.

Thorsten Fink war die Erleichterung in seinem schicken Anzug wahrlich anzusehen. Der Trainer des Hamburger SV atmete in einem ersten Moment der Ruhe durch, dann sah er den geknickten Roland Seitz am Backsteingebäude vor den Kabinen stehen. Er reichte ihm die Hand zum Ritterschlag. „Wenn Ihr auch in der Regionalliga so fightet, schafft Ihr den Aufstieg. Ich drücke Euch die Daumen.“ Trösten konnten Seitz die netten Worte hingegen nicht. „Das tut einfach weh“, sagte der Oberpfälzer leise nach dem bitteren Pokalkrimi, der für Eintracht Trier kein Happy-End schrieb. Um 22.56 Uhr war der Traum vom Weiterkommen und von 600.000 Euro in der Vereinskasse geplatzt, 1:2 unterlagen die Moselstädter nach Verlängerung in einem dramatischen Kampf, in dem die Mannschaft das Image als furchtloser Pokalschreck wieder einmal kräftig aufpolierte.

Doch der Stolz über die gezeigte Leistung spielte in den Köpfen der Spieler keine Rolle. Deprimiert, traurig, erschöpft schlichen sie in die Kabinen, nachdem sie von den Fans lautstark verabschiedet wurden. Zu dicht standen die Kräfte der Eintracht vor der Sensation vor 10.300 Zuschauern, zu viele Möglichkeiten ließen sie ungenutzt, um die Krise der Hanseaten zu verschärfen. Und zu effektiv war der Hamburger SV, der mit dem Rücken zur Wand stand und seine besten Möglichkeiten durch Marcus Berg nach einer Maßflanke von Per Skjelbred erst zum 1:1 (63.) nutzte und in der Verlängerung durch einen präzisen Freistoß von Dennis Aogo aus 18 Metern nachlegte (109.). Für den Nationalspieler war es das erste Tor überhaupt im HSV-Dress, er rannte zur Fankurve wie nach einem Champions-League-Sieg, vielleicht war das auch eher ein Ruhmesblatt für die Vorstellung der Eintracht. „Taktisch war das für eine Regionalliga-Mannschaft eine überragende Leistung“, zollte Seitz seinen Jungs allen Respekt.

Mit vereinten Kräften: Thomas Drescher und Denny Herzig ließen nichts anbrennen.

Tatsächlich machte sich die Late-Night-Einheit unter Flutlicht am Montag zuvor bezahlt. Die Eindrücke, die der Trainer vom HSV beim Besuch von zwei Bundesligaspielen gewonnen hatte, durfte er nach der Verpflichtung von Thorsten Fink vergessen. „Das war verlorene Zeit.“ Doch nach einer Videoanalyse des 1:1-Debüts des Fußball-Lehrers gegen den VfL Wolfsburg wurde im letzten Moment von den Trierern trainiert, wie sich die Spieler gegen den Ball verschieben sollen. Akribisch unterbrach Seitz, korrigierte, positionierte jeden einzelnen Mann. Einen Tag später wurde die Lehre gegen den Bundesligisten nahtlos in die Praxis umgesetzt.

Von der ersten Minute an baute der HSV offensiv auf, wollte mit aller Macht eine Hängepartie vermeiden, die in Trier schon so viele große Favoriten erlebt haben. Außenverteidiger wie Heiko Westermann und Dennis Aogo rückten bis weit ins Mittelfeld vor, David Jarolim baute als ursprünglicher Abräumer das Spiel auf. Die Ausrichtung machte den Goliath anfällig für Fehler, auf die Trier lauterte und dann sofort gefährlich umschaltete. Bereits nach neun Minuten wurde die Risiko-Taktik des HSV bestraft. Michael Mancienne, im Sommer für 2,5 Millionen Euro vom FC Chelsea zum Europapokalsieger von 1983 gewechselt, verlor den Ball an Fahrudin Kuduzovic, der rannte nach vorne und legte quer auf Ahmet Kulabas, der wie beim Erstrundenspiel gegen den FC St. Pauli zum 1:0 traf. Ein Wahnsinn. Das Moselstadion kochte, die Bilder von Pokalsensationen tauchten auf, von taumelnden Dortmundern, niedergeschlagenen Schalkern. Die Gallier des DFB-Pokals, sie waren wieder zurück. „Wir können Zeugen von großen Taten sein“, sagte Stadionsprecher Martin Köbler vor dem Spiel. Seine Worte schienen sich zu bewahrheiten.

Die Eintracht hatte den HSV in die Ecke gedrängt, in der sie ihn haben wollten. Während Trier um jeden Ball kämpfte und gefährlich konterte, war der Bundesligist nach diversen Umstellungen verunsichert, ratlos, aggressiv. Es drohte ein unangenehmes Gewitter in den Boulevardblättern, wie schon so oft in den letzten Wochen. David Jarolim sah nach einem Frustfoul gegen Alon Abelski die gelbe Karte, es war die letzte Aktion des Routiniers, der in der Halbzeit in der Kabine blieb, ohne seine Chance genutzt zu haben.

Jeremy Karikari traf als Hamburger auf den HSV.

Doch nach dem Seitenwechsel wendete sich das Blatt. Der HSV wechselte Paolo Guerrero und Per Skjelbred ein, das sorgte für mehr Schwung. Nun war es „ein Handballspiel“, so Seitz. Der Bundesligist wartete auf Lücken, die Eintracht war bemüht, den eigenen Strafraum in ein Sperrgebiet zu verwandeln. Das gelang, auf Chancen wartete die Fink-Elf vergeblich, bis Marcus Berg sträflich frei traf. Zuvor verpasste Ahmet Kulabas nach einer Flanke von Alon Abelski das 2:0, Torwart Jaroslav Drobny parierte glänzend. In den letzten 15 Minuten erwehrte sich die Eintracht den verzweifelten Angriffen des HSV, obwohl die Kräfte schwanden. Alon Abelski war leer wie ein Akku und wurde ausgewechselt, Thomas Kraus plagten in der Verlängerung Krämpfe. Fabian Zittlau scheiterte an Drobny, es wäre das 2:1 gewesen (91.). So sorgte letztlich Dennis Aogo für den Unterschied, „der individuelle Klasse war“, meinte Fink. Der Freistoß war ein Stich in das Herz der Trierer. „Ich bin nur noch enttäuscht“, flüsterte Cataldo Cozza. „Ich fühle mich katastrophal, wir sind gerannt ohne Ende, nach dem 1:2 waren wir fertig“, sagte Oliver Stang. „Wenn wir 0:5 untergegangen wären, dann wäre das leichter zu verkraften gewesen“, meinte auch Seitz. Der Regionalligist war an diesem Abend der heimliche Sieger, wurde mit Lob überhäuft – und war trotzdem bedient.

Statistik

Eintracht Trier – Hamburger SV 1:2 n.V.

Trier: Poggenborg – Cozza, Herzig, Stang, Drescher – Karikari – Kraus (106. Knartz), Abelski (73. Gouiffe à Goufan), Kuduzovic, Pagenburg (45. Zittlau) – Kulabas.

Hamburg: Drobny – Westermann, Mancienne (46. Guerrero), Rajkovic, Aogo – Tesche, Jarolim (46. Skjelbred) – Diekmeier, Lam – Son (117. Rincon) – Berg.

Schiedsrichter: Robert Hartmann (Wangen)

Tore: 1:0 Kulabas (9.), 1:1 Berg (63.), 1:2 Aogo (109.).

Zuschauer: 10.300 (ausverkauft)

+++++Eintracht in Kürze++++

Pagenburg angeschlagen – Chhunly Pagenburg wurde mit einer Muskelverletzung im Oberschenkel nach 45 Minuten ausgewechselt. „Der Muskel hat zugemacht. Ich hoffe, es ist nichts Schlimmes“, sagte der Stürmer hinterher. Ärgerlich war auch für den Ex-Pokalsieger mit dem 1. FC Nürnberg die verpasste Sensation. „Bitter, dass es wegen eines verwandelten Freistoßes nicht gereicht hat.“

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Kommentare (9)

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  1. gerd sagt:

    das ist ein sehr guter artikel,- diese eintracht mannschaft
    bringt den verein wieder ganz nach vorne, ein richtiger smphatieträger-

    finde fabian zittlau hat ein sonderlob verdient, wer hätte das gedacht, dass der junge soviel technisches können hat,
    der hat es drauf, an dem werden alle eintracht fans noch viel spaß haben

  2. sve-torsten sagt:

    @rier: Wenn man nur ergebnisorientiert denkt, ja.
    Für mich zählt aber vielmehr das Auftreten und wie sich die Eintracht verkauft hat. Das war spitzenmäßig und gleichzeitig Werbung.
    Wir haben zwar 1:2 n.V. verloren, aber letztlich nur gewonnen. Wir haben den Rheinlandpokal gewonnen, im DFB-Pokal es bis in die 2.Runde geschafft und uns auch dort ausgezeichnet verkauft.
    Jetzt muss der Fokus auf die Liga gelegt werden. Dazu passend das Positive vom Pokal mit in den Ligaalltag transportieren.

    @Echter Fan: Unterschreib!

  3. Echter Fan sagt:

    Lieber 1905,
    hast du den Artikel denn gelesen? Ich will es bezweifeln. Ansonsten wüsstest du dass bei Abelski eben der Akku leer war und er nicht mehr weiterspielen konnte. Und Zittlau als schwach zu bezeichnen finde ich ähnlich unsinnig. Der Junge hat sich voll reingekniet, gebissen, geackert, gekämpft. Wie man auf die absurde Idee kommen kann unserem Trainer auch nur ein Prozent dieser Niederlage in die Schuhe schieben zu wollen finde ich eine Frechheit!

  4. 1905 sagt:

    starke mannschaftsleistung – schwache trainer leistung!
    erstmal hut ab vor dieser geschlossenen mannschaftsleistung vom sve! die abwehr stand sicher , thomas kraus fand ich defensiv gut, allerdings ist sein offensiv verhalten sehr oft schwach.chhunly pagenburg hat auf aussen auch ein gutes spiel gemacht , sowohl defensiv als auch offensiv. die mittelfeld spieler jeremy karikari und alon abelski waren , meiner meinung nach, ÜBERRAGEND! aber was herr seitz sich mit der einwechslung von fabian zittlau gedacht hat, kann ich mir einfach nicht nachvollziehen! Zittlau ist ein starker verteidiger, aber kein techniker der das spiel nach vorne gestalten kann! und die auswechslung von alon abelski war eine absolute frechheit! Der junge hat weltklasse gespielt, er war der beste mann auf dem feld! durch seine auswechslung konnte man unter das offensiv spiel einen haken machen! und man hat sich dadurch nur in die eigene hälfte drängen lassen! GANZ SCHWACH HERR SEITZ!

    so jungs , jetzt konzentriert euch auf die so wichtige regionalliga!

  5. trier sagt:

    verloren ist verloren

  6. sve-torsten sagt:

    Toller Artikel. Da ist alles gesagt. Unsere Jungs haben ein hervorragendes Spiel gezeigt. Leider hat es nicht ganz gereicht, aber Eintracht Trier hat wiedermal Werbung in eigener Sache gemacht. Ich hoffe, dass das endlich ein paar Leute auch in der Liga mal annehmen. Verdient hätten das unsere Jungs.

    Jetzt heißt es Kopf frei bekommen, auch wenn unmittelbar nach dem Spiel die Enttäuschung groß ist, wenn man so nah dran war.Ab heute soll der Stolz auf das Erreichte überwiegen.

    Volle Konzentration auf die Liga – Eintracht Trier kann den Aufstieg diese Saison schaffen. Das ist für den Gesamtverein viel wichtiger. Und das werden unsere Jungs schnell wieder verinnerlichen.

    @Neutraler: Stimmt. Im Fernsehen hat man gesehen, dass Faz den Ball mit dem Arm mitgenommen hat. Wenn der Schiri aber ein wenig Mut hat, schickt er Westermann mit Rot vom Platz. Er hat Kulabas ganz klar heruntergezogen. Die Folge: Rot und Elfer für uns. Leider hat dem Schiri da der Mut gefehlt. Sky sprach hier auch von Glück für den HSV.

    DANKE FÜR DEN TOLLEN POKALABEND UND AUCH DEN SIEG GEGEN ST. PAULI!!!

    FÜR IMMER EINTRACHT TRIER!!!

  7. Triererjung sagt:

    Ein verdammt geiles Spiel! Hut ab vor der Leistung. Das war spitzenklasse! Weiter so!

  8. Neutraler sagt:

    Wirklich eine klasse Vorstellung der Eintracht, die den Sieg gegen erschreckend schwache Hamburger redlich verdient gehabt hätten.
    Zwei entscheidende Szenen sollten dennoch nicht verschwiegen werden:
    – Dem 1:0 ging ein klares Handspiel von Kuduzovic an der Außenlinie voraus
    – Das Abseitstor von Guerrero war absolut regulär und der HSV hätte schon in der regulären Spielzeit die Führung erzielt gehabt
    Hätte, wenn und aber: Wenn das Ding vor dem Ausgleich reingegangen wäre, hätte man sich auf den nächsten Hochkaräter im Moselstadion freuen können.

  9. MarkusEMH sagt:

    Leider hat die Eintracht das zweite Tor nicht geschossen, als es noch möglich war.

    Respekt und Anerkennung für zwei tolle Pokalspiele in Trier! Ich bin stolz auf unsere Mannschaft!!

    Und jetzt ALLE Konzentration auf die Liga!!

    Vorwärts 05!!!!

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