DFB-Pokal: „Rudi Thömmes hat mir verboten, den FC-Schal anzuziehen“

Vor dem Pokal-Hit zwischen Eintracht Trier und dem 1. FC Köln: Es gibt viele FC-Fans in der Region - wie Michael Fleck

Von Florian Schlecht

Der 1. FC Köln war nicht nur für Eintracht Trier ein Glückslos. Denn viele Fußballer in der Region sind nach wie vor glühende Fans des Zweitligisten und freuen sich auf das Gastspiel ihres Lieblingsklubs im Moselstadion. So wie Michael Fleck, der früher als Kind noch Pierre Littbarski, Thomas Häßler und Toni Polster anfeuerte. Am Samstag (20.30 Uhr) schlagen aber zwei Herzen in seiner Brust. Für Trier spielte er früher, Köln ist seine Leidenschaft. „Der Bessere soll gewinnen“, sagt er vor dem DFB-Pokalspiel diplomatisch.

SV Mehring, Oberliga. Foto: Sebastian Schwarz

Michael Fleck (Mitte) vom SV Mehring ist glühender Fan des 1. FC Köln. Foto: Sebastian Schwarz

Die Ansage von Rudi Thömmes war eindeutig. „Wir haben uns auf dem Altstadtfest getroffen. Und er sagte, dass ich mich gar nicht trauen soll, den FC-Schal anzuziehen“, erzählt Michael Fleck lachend. Natürlich wird der Angreifer vom Fußball-Oberligisten SV Mehring am Samstag im Moselstadion auf der Tribüne sitzen, wenn Eintracht Trier gegen den 1. FC Köln auf eine Sensation im DFB-Pokal hofft (20.30 Uhr). Doch bei Fleck schlagen dann zwei Herzen in seiner Brust. Denn seit seiner Kindheit ist der 32-Jährige glühender Fan der Domstädter, bei denen er früher schon im Stadion Pierre Littbarski und Thomas Häßler anfeuerte. Den Gefallen mit dem Schal wird er Thömmes, dem Co-Trainer der Eintracht, aber erfüllen. Immerhin ist Trier sein Ex-Verein. Die diplomatische Hoffnung daher: „In dem Fall soll der Bessere gewinnen.“

Die Leidenschaft für den 1. FC Köln ist für Fleck leicht erklärt. „Ich komme aus einer Familie, in der nahezu jeder Köln-Anhänger sind. Mein Vater, meine Mutter, zwei Geschwister von mir.“ Nur Bruder Stefan, der für den FSV Tarforst spielt, hat sich für Eintracht Frankfurt entschieden. „Er wollte halt etwas anders sein – und fand Jay-Jay Okocha ganz gut“, flachst der Oberliga-Stürmer, der regelmäßig die rund 190 Kilometer zu Heimspielen seines Lieblingsklubs auf sich nimmt. Die Atmosphäre in Köln begeistert ihn jedes Mal aufs Neue. „Wenn der Stadionsprecher die Gästefans in der schönsten Stadt Deutschlands begrüßt, kann ich das nur unterstreichen. Dort ist ein ganz anderes Leben. Die Menschen sind gastfreundlich, in einer Kneipe ist man direkt bei den Gesprächen mit dabei. Das ist einzigartig.“

Ein Siegtreffer gegen den Lieblingsklub

Eintracht Trier - St. Pauli

„Wenn Trier erst einmal führt, wird es für den Favoriten immer schwer.“

Einmal hat Fleck seinen Herzensverein aber auch kräftig geärgert. In der Saison 2004/05 trafen sich Trier und Köln zu einem Freundschaftsspiel im Trainingslager in Portugal. „Ich war als junger Spieler mit im Kader dabei und habe in der 90. Minute den 3:2-Siegtreffer erzielt. Als ich nach dem Spiel das Trikot mit einem Kölner tauschen wollte, waren die gar nicht gut auf mich zu sprechen.“

Damals spielten beide Mannschaften in der 2. Bundesliga. Nun liegen zwei Klassen zwischen den Klubs. „Die Chance auf eine Überraschung stehen 30:70“, glaubt der Stürmer, der von seinem früheren FC-Idol Toni Polster noch ein Originaltrikot („Mein Heiligtum“) im Kleiderschrank liegen hat.

Seine Einschränkung, die Trier Mut machen soll: „Jeder Gegner, der im Pokal ins Moselstadion reisen muss, weiß um die schwere Aufgabe. Und wenn die Eintracht mit 1:0 in Führung geht, wird es für den Favoriten erst recht nicht leicht.“ Besonders dann nicht, wenn die hochgehandelten Bundesligisten noch auf Stammkräfte verzichten. Mit leichter Enttäuschung hat Fleck zur Kenntnis genommen, dass sein Lieblingsstürmer Anthony Ujah möglicherweise nicht im Pokal-Kader steht. Der Angreifer rettete die Kölner in den ersten Zweitligaspielen mit seinen Toren bei Dresden und gegen Düsseldorf (je 1:1) vor einem Fehlstart. „Wenn der Trainer wirklich überlegt, Leute zu schonen, kennt er Trier nicht wirklich“, glaubt der Angreifer.

Das Geschehen am Samstag wird sich Fleck aber entspannt auf der Tribüne angucken – und sich über das Glückslos freuen, um das Trier manche Lokalrivalen beneiden. „Ich war vor einigen Wochen von der Firma aus beim 1. FC Saarbrücken. Dort sagte mir der Betreuer, dass sie im Pokal lieber tauschen würden. Werder Bremen ist ja ein schöner Gegner, meinte er. Aber der 1. FC Köln – der ist in unserer Region ein richtiger Zuschauermagnet.“

+++DFB-Pokal in Kürze+++

5vier verlost VIP-Karten – 5vier verlost für das DFB-Pokalspiel zwischen Eintracht Trier und dem 1. FC Köln einmal zwei VIP-Karten. Hier geht es zum Gewinnspiel.

Großes Medieninteresse rund ums Pokalspiel – Eintracht Trier im Rampenlicht: Rund um das Pokalspiel stehen für den Fußball-Regionalligisten viele TV-Auftritte an. Bereits am Dienstag drehte der SWR seinen Vorbericht auf dem Trainingsplatz ab (hier geht’s zum Video), für Sonntag ist Trainer Roland Seitz in der Sendung „Flutlicht“ eingeladen.

Wiedersehen für Marco Quotschalla – Marco Quotschalla will den 1. FC Köln aus dem Pokal rauskegeln. Der 25-jährige Angreifer von Eintracht Trier spielte in der Jugend für die Domstädter. Hier geht es zum 5vier-Gespräch mit Quotschalla.

Topstürmer soll sich erholen, Peszko vor Rückkehr – Anthony Ujah ist nach seinem Ausgleichstreffer zum 1:1 gegen Fortuna Düsseldorf der große Fanliebling des 1. FC Köln. Der Torjäger soll aber für das Pokalspiel in Trier möglicherweise geschont werden. Der Nigerianer wirkte im Sommer noch mit der Nationalmannschaft beim Confederations-Cup und der WM-Qualifikation mit. Dagegen steht der Zweitligist vor einer Verpflichtung von Außenstürmer Slawomir Peszko (28).

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