Die Dolphins stehen mit dem Rücken zur Wand

5vier.de befragt Otmar Passiwan, dem Gründer und Geschäftsführer der Trierer Rollis

Die Pressemeldungen um die finanzielle Notsituation des Rollstuhl-Sportclubs Trier haben mit dem 16. Dezember 2015 Wellen geschlagen ( vgl. Beitrag ). Vor zwei Tagen ließ die aus finanziellen Gründen motivierte Trennung von drei Spielern der Dolphins erneut aufhorchen ( vgl. Beitrag ). Damit stehen Fragen im Raum, die nach einer Klarstellung verlangen.

Trier.
5vier.de nahm die Pressemeldungen um die finanzielle Notsituation des Rollstuhl-Sportclubs Trier zum Anlass, mit dem Gründer und Geschäftsführer der Rollis, Otmar Passiwan zu sprechen.

5vier.de: In Ihrer Pressemeldung hatten Sie am 16. Dezember von 15 bis 20.000 Außenständen gesprochen und der Möglichkeit, dass der Verein der Dolphins Konkurs anmelden muss. – Kurze Zeit später entspannten Sie die Lage und bestätigten, dass die Spiele bis zum Ende der Saison von den Dolphins begleitet werden. Ganz aktuell verabschieden Sie Sich von drei Spielern. Wie vermitteln Sie das den Fans, den Unterstützern und den Sponsoren der Dolphins?

Otmar Passiwan: Unsere Fans halten zu uns, unsere Sponsoren helfen uns und unsere Unterstützer haben uns sozusagen „aus der Not heraus“ geholfen. Doch arbeiten wir aktuell mit Privatgeldern, die uns geliehen wurden. Denn wenn wir in unsere Bücher schauen ist eines klar und als rote Zahl im Juli 2016 nicht weg zu radieren: 17.500 Euro fehlen uns.

5vier.de: Fehlen oder werden fehlen?

Otmar Passiwan: Das überlassen wir der freien Interpretation. – Die Situation ist ganz einfach zu beschreiben: Unsere Sponsoren überweisen zum Jahresbeginn für das gesamte Jahr. Mathematisch bedeutet dies 50 % sind für das Ende der laufenden Saison und 50 % für die kommende Saison. Wenn wir – auf Grund von fehlenden Geldbeträgen – die 50 %, die eigentlich für den Herbst bestimmt sind, schon im Frühjahr ausgeben, dann ist zwar die Saison gerettet, aber die nächste sieht schlecht aus.

5vier.de: In der letzten Presseinformation zu den Dolphins hatten Sie notiert, dass sich der Verein von drei Spielern trennt bzw. trennen müss. Was bedeutet dies finanziell?

Otmar Passiwan: Kein Spieler bekommt irgendwelche Gehaltzahlungen. Wir zahlen Aufwandsentschädigungen – so für Tommie Gray und Alieu Faal die Flüge. Was konkret heißt, dass wir 4.000 Euro Flugkosten und die bei Auswärtsspielen anfallenden Kosten sparen. – Unser kleinerer Kader muss zum Jahresbeginn jetzt mit acht Spielern zurechtkommen.

5vier.de: Wie kann ich mir als Außenstehender das „plötzliche“ des finanziellen Engpasses vorstellen?

Otmar Passiwan: So plötzlich ist das nicht. Wir schlängelten uns bisher so durch. Bei einem Budget von 140.000 Euro pro Saison, von dem alles, aber auch wirklich alles bezahlt werden muss, hatten wir von unserer Vereins-Seite aber auch von Freunden immer wieder private Mittel eingezahlt. Doch irgendwann ist da Schluss, irgendwann heißt es auch bei mir persönlich: Halt. Negativ hat sich auch der Wechsel in die Arena für uns ausgewirkt. Wenn wir über Catering vorher zwischen 8 und 10.000 Euro zusätzliche Vereinseinnahmen hatten, wenn unsere Fans noch ganz und gar familiär mit uns standen, so heißt es jetzt „bis zum nächsten Mal“ und weg sind sie.

5vier.de: In der Presseinformation vom 16. Dezember wurde vom Wegfall von Sponsoren gesprochen?

Otmar Passiwan: Ein Sponsor hat uns länger als ursprünglich vorgesehen begleitet und dann – leider – Ernst gemacht. Das waren 14.000 Euro, die uns deutlich fehlen. Andere haben lieber in attraktivere Bereiche des Breitensports investiert. Da bleibt für die Dolphins eine Entschuldigung übrig. – Deshalb bedanke ich mich auch bei meinem Sohn Dirk Passiwan. Als Spieler-Trainer arbeitet er kostenlos. Die guten und fast jeden Monat eintreffenden Angebote von anderen Vereinen – im In- und Ausland – lässt er unbeantwortet. Wie Sie wissen, wären ohne ihn die Dolphins nicht mehr im Spiel. Zumindest nicht mehr so klar und deutlich in der 1. Rollstuhl-Basketball-Bundesliga.

5vier.de: Wenn ein Sponsor zu bewegen wäre, was hätten Sie ihm anzubieten?

Otmar Passiwan: Unsere Trikots sind frei und auch die Rollstuhl-Rückseite – dies sichtbare Feld auf unserem Weg zum gegnerischen Korb – sind verfügbar. – Freikarten versteht sich von selbst. Und unseren großen Dank. Denn einen Sponsor brauchen wir ohne Zweifel jetzt, so dass die nächste Saison mit den Dolphins und mit dem Verein der Trierer Rollis in Sachen Jugendarbeit eine Möglichkeit hat.

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