Die Kino-Woche: Whitewashing, Kult-Sequel und Trash-Granate

Real-Animes, verspätete Drogenkomödien und die Power Rangers

Unser wöchentlicher Ausblick auf Neustarts, Geheimtipps und empfehlenswerte Streifen, die in den nächsten Tagen aus den Kinosälen verschwinden…
 

„I AM MAJOR“ ist die Catchphrase, mit welcher der neueste „Ghost in the Shell“-Promo-Clip endet. Scarlett Johansson übernimmt in der heiß erwarteten Anime-Realverfilmung die Rolle von „The Major“, die im Original-Anime Motoko Kusanagi heißt. Somit ist der Shitstorm der zahlreichen Fans des Originals beinahe schon vorprogrammiert. Abgesehen von der Besetzung der Hauptrolle hält sich der Film stellenweise akribisch genau an die asiatische Vorlage und selbst der Cast ist zu großen Teilen asiatischer Natur (u.a. inkl. des japanischen Superstars Takeshi Kitano).

Aber Scarlett Johansson passt für viele Fans des Originals als US-Amerikanerin dänisch-polnischer Abstammung nicht in das visuell ungemein einfallsreiche Blockbuster-Paket: „Whitewashing“ nennt man diese Casting-Eigenheit, wenn Hollywood eigentlich asiatische, indianische und afro-amerikanische Rollen mit weißen Darstellern besetzt. Vor einiger Zeit sorgte beispielsweise die Besetzung Johnny Depps in der Rolle eines Indianers im Blockbuster-Flop „The Lone Ranger“ für einen regelrechten Whitewashing-Shitstorm. Warum nicht einen indianischen Schauspieler für eine solche Rolle casten? Wirtschaftliche Interessen spielen bei derartigen Diskussionen meist eine untergeordnete Rollen, sind aber nicht von der Hand zu weisen. Johnny Depp auf einem Kinoplakat zieht bzw. zog die Massen weltweit eher in die Kinos als ein unbekannter Newcomer indianscher Abstammung, genau wie es Scarlett Johansson international eher gelingen wird, die Menschen zu einem Kinobesuch zu mobilisieren, wie ein asiatischer Star, der nur in Asien für volle Kinosäle sorgt.

Im Internet wird man im Rahmen der Whitewashing-Diskussionen um den in der kommenden Woche startenden „Ghost in the Shell“ nun nochmal so richtig kreativ und bastelt aus dem „I AM MAJOR“ eine Meme-Lawine, die die aufwendige Marketing-Kampagne um den Film auf Twitter & Co beinahe mickrig erscheinen lässt.

 

Das Rauschen um die Casting-Entscheidungen bei „Ghost in the Shell“ lässt die Kino-Starts dieser Woche fast ein wenig untergehen. Zwischen „Logan“, „Kong“, Disney’s „Die Schöne und das Biest“ und dem nächsten Blockbuster-Overload gibt man sich diese Woche beinahe bescheiden.

Größter Start der Woche ist der Science-Fiction-Thriller „Life„, in welchem Jake Gyllenhaal und Ryan Reynolds eine außerirdische Lebensform an Bord einer internationalen Raumstation untersuchen. „Life“ entwickelt sich dabei recht schnell zum traditionellen Genre-Kino ohne größere Überraschungen, in welchem die Besatzung fortan Stück für Stück dezimiert wird.

Ähnlich wie vor kurzem bei Danny Boyle’s „Trainspotting“-Sequel, wagt man auch in Deutschland den Versuch einer extrem verspäteten Fortsetzung einer Drogen-Komödie. „Lommbock“ erscheint 16 Jahre nach dem Original und hat dafür erneut die Originalbesetzung zusammengetrommelt. Ob der Kiffer-Spaß an „Lammbock“ heranreicht, kann man ab morgen im gut durchlüfteten Kinosaal überprüfen.

Als dritter Neustart der Woche wäre da noch eine der skurrilsten Materialschlachten des Kinojahres, die man schon beim Betrachten des Kinoplakats unmöglich ernst nehmen kann: „Power Rangers„! Vermutlich initiiert vom Erfolg der Spielzeug-Blockbuster um die „Transformers“ versucht man es nun auch mit einem Reboot der erfolgreichen Action-Kinderserie aus den 1990ern. Im Gegensatz zu den transformierenden Spielzeug-Robotern geht die Effekt-geladene Verfilmung allerdings ohne große Namen an den Start.

Abseits von klaustrophobischem Raumstations-Horror, Drogenwitzen und den Power Rangers sind die Kinosäle diese Woche randvoll mit abwechslungsreichen Alternativen. Im Erwachsenensektor kann man sich mit dem undurchsichtigen „A Cure for Wellness“ (oder vielleicht doch besser nicht? Wir berichteten: A Cure for Wellness – Cooler Mindfuck oder müdes Comeback?) die Zeit vertreiben, der gefährlichen Liebe zwischen Christian Grey und Anstasia Steele in „Fifty Shades of Grey – Gefährliche Liebe“ beiwohnen, Keanu Reeves beim Ballerfest „John Wick: Kapitel 2“ über die Schulter schauen, mit „Kong: Skull Island“ seine Insel verteidigen (siehe auch: Kong: Skull Island – Auf der Insel der kämpfenden Monster), mit Emma Stone & Ryan Gosling durch’s „La La Land“ tanzen, mit „Logan“ kleine Mutanten beschützen oder immer noch bei „Split“ die Persönlichkeiten von James McAvoy zählen.

Für die jüngeren Zuschauer und alle Junggebliebenen gibt es weiterhin Disneys Über-Blockbuster „Die Schöne und das Biest“ zu bewundern, aber auch weiterhin „Bibi & Tina – Tohuwabohu total!„, „Die Häschenschule – Jagd nach dem goldenen Ei„, „Monster Trucks„, „Sing“ und „The Lego Batman Movie“ zu sehen.

Im Broadway gibt es derweil neben „Lommbock“ mit der niederländischen Abenteuerverfilmung „Storm und der verbotene Brief“ nur einen weiteren Neustart zu vermelden. Abgesehen davon laufen weiterhin „Lion – Der lange Weg nach Hause„, „Der Hunderteinjährige, der die Rechnung nicht bezahlte und verschwand„, „Der junge Karl Marx„, „Mit Siebzehn“ und „Moonlight„.

Die genauen Spielzeiten der einzelnen Filme gibt’s auf Cinemaxx.de und bei Broadway Trier.

Und was läuft an der Uni? Cineasta!

Neben dem Standard-Programm gibt’s an dieser Stelle normalerweise auch einen Hinweis auf das wöchentliche Kinoprogramm des cineasta an der Universität Trier, wo zweimal wöchentlich (Dienstag und Mittwoch) Filme verschiedenster Genres und Epochen gezeigt werden.

Aufgrund der Semesterferien gibt es in der kommenden Kino-Woche aber leider kein Cineasta-Programm.

 

Titelfoto: Paramount Pictures and DreamWorks Pictures

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