Die Kino-Woche: xXx 3 und die Geschichte der No-Brainer

Vin Diesels Anschlag auf die Gehirnzellen und Sex für den Regenwald

Unser wöchentlicher Ausblick auf Neustarts, Geheimtipps und empfehlenswerte Streifen, die in den nächsten Tagen aus den Kinosälen verschwinden…

„No-Brainer“ – Cineasten benutzen dieses Wort, um Werke zu beschreiben, die nur wenig oder gar keine Hirnaktivität verlangen. Besonders im Action-Kino taucht dieser Terminus überdurchschnittlich oft auf, vor allem um die reaktionären 80er-Kracher zu beschreiben. Wenn in der Hochzeit der Reagan-Ära John Rambo in Afghanistan im Alleingang die Taliban vor den russischen Invasoren schützt (!) oder Schwarzenegger mit Maschinengewehren auf der Suche nach seiner Tochter halb Mittelamerika umgräbt, ist von klassischen No-Brainern die Rede, die nicht nur ihr Genre, sondern eine ganze Ära mitdefiniert haben. Die meist schlampig zusammen montierten Scripts, bei denen der Muskel-bepackte Hauptdarsteller meist nur in Form von knackigen Onelinern mit seiner Außenwelt kommunizierte, spiegeln die reaktionäre Politik vom damaligen US Präsidenten Ronald Reagan wieder und sind daher filmhistorisch durchaus relevant. Alle Jahre wieder gibt es Versuche diese Art des Actionkinos wiederzubeleben, wobei die halbwegs nennenswerten Ausrufezeichen in dieser Hinsicht von den alten Haudegen selbst stammen. Wenn Sylvester Stallone auch im Rentenalter nochmal als Rocky Balboa in den Ring steigt, oder Schwarzenegger als alternder Sheriff eine Kleinstadt im wilden Westen aufmischt, fühlt sich das an wie eine kurze Fahrt in der Action-Zeitmaschine.
 

 
Neue Franchises haben es schwer im No-Brainer-Genre. „xXx“ ist eines davon. Zum ersten Mal mit Muskelprotz Vin Diesel 2002 über die Leinwand geflimmert und im zweiten Teil „xXx 2 – The Next Level“ dann bereits mit ausgewechseltem Hauptdarsteller, konnte sich die prollige Hip-Hop-Action-Hatz nie so wirklich Kultstatus erballern. Ab morgen startet mit „xXx 3 – Die Rückkehr des Xander Cage“ der dritte Teil der Reihe. In künstlichen Computerbildern untermalt von leicht zu vermarktendem MTV-Soundtrack prollen sich die Muskelprotze durch ein Nichts von Handlung. Im Vergleich zu den alten Haudegen, die ebenfalls weder mit viel Talent, noch mit aufwendigen Geschichten ausgestattet waren, fehlt es an Charme und Bodenständigkeit. John Rambo oder Rocky Balboa lösten den kalten Krieg mit Maschinengewehren und Fäusten, aber waren trotz hanebüchenem Storytelling noch echte Figuren. Vin Diesel’s xXx ist ein eindimensional grinsender Adrenalinjunkie, der von einem Antennenmast springt,dann auf Skiern durch den Dschungel düst und von seinem Vorgesetzten folgendermaßen gebrieft wird: „Ich drück’s mal einfach aus: Treten Sie ein paar Ärsche, schnappen Sie sich das Mädchen und sehen Sie dabei cool aus!“ Wenn so die Zukunft des Actionkinos aussieht, konzentriert man sich vielleicht doch besser auf…Brainer?
 

 
Das Animations-Abenteuer „Ritter Rost 2 – Das Schrottkomplott“ ist der zweite Neustart der Woche und richtet sich überdeutlich an die jüngeren Zuschauer, die auch weiterhin viele weitere Alternativen in den Kinos zur Auswahl haben. Nach wie vor läuft der französische Animationsfilm „Ballerina“, am Sonntag gibt es noch ein vermutlich letztes Mal den dritten Teil der „Vampirschwestern“ zu sehen, an den Wochenenden zeigt das Cinemaxx darüberhinaus das animierte Kinoabenteuer „Feuerwehrmann Sam – Achtung Außerirdische“. Auch der Casting-Hit der „Minions“-Macher „Sing“ und Disney’s Südsee-Abenteuer „Vaiana“ flimmern weiterhin einigermaßen zahlreich über die Leinwände.

Wer auf bildgewaltige Action steht, aber das große Gehirnzellen-Sterben bei „xXx 3“ nicht riskieren will, hat weiterhin die Möglichkeit sich den Videospiele-Kracher „Assassin’s Creed“, das Sci-Fi- Kammerspiel „Passengers“, das Space-Opera-Spin-off „Rogue One: A Star Wars Story“ oder die Leinwand-sprengende amerikanisch-chinesische Co-Produktion „The Great Wall“ anzusehen.

Zu guter letzt gibt es für die Komödienfans weiterhin den französischen Omar-Sy-Hit „Plötzlich Papa!“, den Hollywood-Hit „Why him?“ und die beiden deutschen Lieblinge „Vier gegen die Bank“ sowie „Willkommen bei den Hartmanns“ zu sehen.

 

 
Im Broadway startet mit „Manchester by the Sea“ ein vielversprechender Filmfestival-Liebling, der mit Casey Affleck, dem talentierten Bruder vom mittlerweile etwas abgehalfterten Ben Affleck wirbt. Die Geschichte um den Hausmeister Lee Chandler, der nach dem überraschenden Tod seines Bruders aus Boston wieder zurück in seine provinzielle Heimat muss, überzeugt mit viel Liebe zum Detail und ist traurig und herzerwärmend zugleich.

Mit „La La Land“ gibt es hier auch weiterhin die Oscar-Hoffnung schlechthin zu sehen, ebenso wie den Crime-Western „Hell Or High Water“. Darüberhinaus zeigt das Broadway weiterhin das deutsche Drama „Die Blumen von Gestern“ und Kate’s Beckinsale Kostüm-Komödie „Love & Friendship“.

Die genauen Spielzeiten der einzelnen Filme gibt’s auf Cinemaxx.de und bei Broadway Trier.

Neben dem Standard-Programm gibt’s an dieser Stelle auch einen Hinweis auf das wöchentliche Kinoprogramm des cineasta an der Universität Trier, wo zweimal wöchentlich (Dienstag und Mittwoch) Filme verschiedenster Genres und Epochen gezeigt werden.
 

 
Dienstag, 24.01.2017: Das Cineasta zeigt um 20:00h im Hörsaal 3 der Universität Trier mit „Fuck For Forest“ eine der wohl kontroversesten Dokus der letzten Jahre. Der polnische Regisseur Michael Marczak begleitet die Gruppe „Fuck for Forest“, die den Regenwald mittels selbst produzierter pornografischer Filme und Fotos retten will. Allein im Gründungsjahr konnten die Umweltaktivisten mit der ungewöhnlichen Methode mehr als 100.000€ Spendengelder sammeln. Doch die Aktion bleibt natürlich nicht ohne Gegenwind – die Moralvorstellungen anderer Hilfsorganisationen und die indigenen Völker der Regenwaldregionen haben recht wenig für die gut gemeinte Pornographie übrig.

Vor dem Hauptfilm wird der Kurzfilm „A Heap of Trouble“ gezeigt.
 

 
Mittwoch, 25.01.2017: Klassiker-Alarm um 20:00Uhr im Hörsaal 3! In Kooperation mit der Fachschaft Philosophie wird Stanley Kubricks „A Clockwork Orange“ auf die Zuschauer losgelassen, der seit 1971 Cineasten rund um den Globus fasziniert. In Worte fassen lässt sich dieser skurrile, visuell einzigartige und oft auch anstrengende Kraftakt kaum. „A Clockwork Orange“ muss man gesehen und erlebt haben, laut und auf großer Leinwand. Eine filmhistorische Meisterleisung von einem der wichtigsten Regisseure des letzten Jahrhunderts.

Vor dem Hauptfilm wird der Kurzfilm „What Happens In YOur Brain If You See a German Word Like…?“ gezeigt.

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